Logik, Wahn, Gespenster

Teil des Vienna Humanities Festivals 2022
Lecture

Geister in Princeton erzählt die Geschichte des genialen österreichischen Mathematikers Kurt Gödel. Mit 24 Jahren revolutionierte er die mathematische Logik mit seinem „Unvollständigkeitssatz“, wonach es mathematische Sätze gibt, die zwar richtig, aber nicht entscheidbar und beweisbar sind. Bei Gödel dreht die Logik Pirouetten. Seine zyklische Auffassung der Zeit kennt kein Gestern und Morgen, Reales und Irreales verschwimmen – auch im Leben des Mathematikers selbst: Gödel sieht Gespenster und kann sie nicht mit der Vernunft vertreiben. Aus Angst vor Vergiftung hungert er sich schließlich zu Tode. In Daniel Kehlmanns raffiniertem Theaterstück lässt der Mathematiker sein Leben - von Brünn über Wien nach Princeton – Revue passieren.

Eine szenische Lesung aus Geister in Princeton. Im Anschluss: der Autor im Gespräch mit Ludger Hagedorn über die Bedrohlichkeit der Gespenster auch und gerade in Zeiten der Rationalität.

Lesung eingerichtet von Anna Badora.

Daniel Kehlmann studierte Philosophie und Germanistik an der Universität Wien. Sein erster Roman, Beerholms Vorstellung, erschien 1997. Die Vermessung der Welt (2005) ist eines der erfolgreichsten Werke der gegenwärtigen deutschen Literatur und, zusammen mit Ich und Kaminski (2003), die Grundlage des internationalen Erfolgs von Kehlmann. Zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderen der Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Kleist-Preis, würdigten seine Tätigkeit als Schriftsteller. Kehlmann schreibt zudem Theaterstücke und Drehbücher. Mit Geister in Princeton gewann er den Nestroy Autorenpreis 2021.

Moderator: Ludger Hagedor, IWM Permanent Fellow.