Automatisierung der Arbeit: Segen oder Fluch?

“Die Politik sollte ständig das Ziel vor Augen haben, den „notwendigen“ Arbeitsaufwand zu reduzieren. Dies war das Hauptversprechen der Mechanisierung, nicht ein unbegrenztes Konsumwachstum. (…) Wir haben das Wachstum des Bruttoinlandprodukts zum Selbstzweck gemacht – ein Vergehen an den Göttern, aber auch an dem Planeten, dessen Treuhänder wir sind. Die Politik kann wenig tun, um uns besser zu machen; aber sie kann uns helfen, kluge Entscheidungen für uns selbst und für die kommenden Generationen zu treffen.” Robert Skidelsky

Die vier Essays dieses Buches repräsentieren die Entwicklung der Überlegungen des Wirtschaftshistorikers Robert Skidelsky zu den Auswirkungen arbeitssparender Technologien auf das menschliche Leben. Er geht ihren Auswirkungen auf die Arbeitswelt und auf das „gute Leben“ nach und umreißt die Utopien und Dystopien, die mit ihrem Einsatz verbunden sind. Ausgehend von der Prämisse, dass die Reduktion von Arbeitszeit zum materiellen und spirituellen Wohlergehen der Menschen beiträgt und daher erstrebenswert ist, analysiert er ferner die Gründe für das Nicht-Eintreten der von Keynes vorausgesagten 15-Stunden-Arbeitswoche in den Industrieländern und zeigt Möglichkeiten und Bedingungen für die Reduktion von Arbeitszeit heute auf. Skidelsky plädiert für einen ethischen Einsatz von Technologie und für eine Wirtschaft, die nicht das Wachstum, sondern das Wohlergehen der Bevölkerung als oberste Maxime hat. Anstatt Menschen einem sinnlosen Wettlauf mit den Maschinen auszuliefern, fordert er eine Würdigung der Unvollkommenheit als Voraussetzung jeglicher menschlichen Bemühung und eines Lebens, das menschlich und zugleich menschenwürdig ist.

Robert Skidelsky ist Wirtschaftshistoriker und öffentlicher Intellektueller. Er ist Autor einer dreibändigen, mehrfach prämierten Biographie von John Maynard Keynes.  Weitere Bücher: Keynes: The Return of the Master, NY 2010 (dt. Die Rückkehr des Meisters: Keynes für das 21. Jahrhundert, München 2010); How Much is Enough? The Love of Money and the Case for the Good Life, London 2012 (mit Edward Skidelsky); Money and Government: A Challenge to Mainstream Economics, London 2019. Demnächst erscheint sein Buch What’s wrong with economics: A Primer for the Perplexed, New Haven 2020.

 

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