Über Aviatisches – d’Annunzio, Marinetti, die Avantgarde und der Faschismus

The discussion of the Italian avantgarde inevitably centers on Marinetti, the Futurists and, perhaps to a lesser degree, on Gabriele d’Annunzio who may have been a “futurist” in his life rather than in his art. Marinetti and his friends were suspicious of d’Annunzio’s mythologizing gestures and his old fashioned poetry, but, as pilot and public figure, d’Annunzio was much closer to an impersonation of their ideas than they cared to admit. A comparative view of d’Annunzio’s Dithyramb IV (on Icarus) and Marinetti’s poetic report on Lt. Piazza’s attack on Arab trenches (1912, the first war use of airplanes recorded) would show the difference between literary articulations, and yet d’Annunzio’s jottings while flying over Austrian positions in WW I come close to Marinetti’s “parole in liberta”, not to speak of d’ Annunzio’s “futurist” war raid against Vienna (1918).

Die Frage, warum sich die Avantgarde der Künste in Italien im Lager des Nationalismus rechts von der Mitte etablierte (und nicht, wie in Deutschland, Frankreich und in der Tschechoslowakei eher in einer unabhängigen Linken) bedarf der Antworten, die Vereinfachungen meiden; und je mehr man diese Antworten von hinten, also mit einem Blick auf den ausgeprägten Faschismus nach dem delitto Matteotti zu suchen trachtet, und nicht von vorne, von der Epoche Giovanni Giolittis her, desto unausweichlicher die Gefahr, politisch korrekte Urteile anzubieten, aber wenig sonst – statt, zumindest, einen literaturhistorischen Prüfungsprozess zu eröffnen, in dem die Urteile noch schwanken oder sich aneinanderreiben. Nichts wäre überflüssiger, als eine Epoche ins Auge fassen zu wollen, von der man ohnehin schon alles weiß, und ich nähere mich jenen italienischen Jahren zögernd, weil sie unheilvolle, aber auch produktive Möglichkeiten antizipieren oder zu antizipieren scheinen, ohne uns den Schlüssel mitzuliefern, welche von diesen Möglichkeiten sich, mit Notwendigkeit, in Realitäten verwandeln. Ich stehe deshalb nicht an, für meine Spekulationen mehr als die Legitimität vorläufiger Einsichten zu beanspruchen. Indes: als Marinetti seine Manifeste schrieb, war Mussolini ein sozialistischer Journalist, und Gramsci eben dabei, als sardinischer Gymnasiast an die Universität von Turin zu übersiedeln.

Die Zeit Giolittis, ungefähr die ersten zehn Jahre des Jahrhunderts, war keine Epoche, die Beobachter durch historische und außerordentliche Ereignisse gefesselt hätte, und kritische Intellektuelle, links und rechts, sind selten geneigt, diesen Jahren eines liberalen und mehr oder minder funktionierenden Alltags-Parlamentarismus eine mehr als chronologische Rolle zu einzuräumen; da wird Manches gerafft, aber es ist wenigstens nicht falsch zu behaupten, dass für Giolitti, der kein originaler Denker der Demokratie war, aber ein erfolgreicher Praktiker täglicher Kompromisse, kulturpolitische Fragen nicht von wesentlicher Bedeutung waren. Da hilft es auch nicht viel, den Sozialdemokraten Filippo Turati zu beobachten; er besaß keine der Bebelschen emanzipatorischen Interessen, und hatte alle Hände voll zu tun, die vielen revolutionären, anarchistischen und syndikalistischen Gruppen innerhalb der Partei im Zaum zu halten; und zugleich mit ihm die Sozialistin Anna Kulischoff, die von den ethischen Fragen des Sozialismus bewegt war und außerhalb Italiens zu Unrecht in Vergessenheit geriet; und ich kann mich nicht daran erinnern, dass jemand ihre Schriften und Korrespondenzen übersetzt hätte ( wahrscheinlich war sie für die folgenden Generationen nicht radikal genug). Die Regierungen Giolittis waren bemüht, mit oder ohne Sozialisten, der chronischen Prosa beizukommen, in welche die revolutionäre Poesie des Risorgimento verebbt war – eine verspätete industrielle Revolution, im Norden eher als im Süden (wo mehr als ein Drittel der Bevölkerung noch nicht lesen und schreiben konnte), die traumatischen Folgen der militärischen Niederlage von Adua in Abessinien (1896), und die staatspolitische Überzeugung, dass Italien, die “Proletarierin unter den Nationen” im Konzerte der Grossen noch nicht mitzuspielen vermöchte.

Ein Verlangen, die italienische arretratezza, Zurückgebliebenheit, zu kompensieren, macht sich breit, und bald nach der Jahrhundertwende verbindet sich, rechts von Giolitti, ein beleidigter und erniedrigter Nationalismus, dem die internationale Anerkennung fehlt, mit der Forderung nach rapiderer Industrialisierung aus dem urbanen Geist der neuen Technologie zu einem charakteristischen Syndrom, welches in der Attitüde der italienischen Avantgarde bewahrt bleibt, immer in Verschränkung mit dem geradezu elegischen, aber auch aggressiven Bewusstsein, der revolutionäre und politische Impuls des Risorgimento ( Garibaldi eher als Mazzini) hätte sich längst, und ohne Erfüllung, in Advokaten-Geschäfte, Kompromiss-Kleinkram, und Stimmenkauf zerlaufen. Im staatspolitischen Arsenal Marinettis gibt es keinen Gedanken, den nicht vor ihm Enrico Corradini, der Ideologe der nationalen Partei (violette Hemden), und Mario Morasso, in seinem Buch über Technologie und Kriegsführung artikuliert hätten; und selbst der polemische Satz in Marinettis Erstem Manifest, die wie auf Kartätschen laufenden Automobile seien schöner als die Nike von Samothrake, ist eine Paraphrase aus Morasso. Ich befinde mich also auf dem besten Wege, die Anfänge des Futurismus aus einer Opposition gegen Giolitti/Turati zu erklären, die nicht rasch genug mit der arretratezza aufräumen, und selbst später noch bleibt Marinetti ein Corradini-Loyalist, der sich in die Akademie wählen lässt (bei offiziellen Anlässen in der Prachtuniform der kgl. Akademie) und noch mit Sechzig als Freiwilliger gegen Stalingrad zieht, zugleich aber die Kunst der Avantgarde, den Stolz Italiens, gegen faschistischen Funktionäre wie Starace öffentlich verteidigt und gegen die antisemitische Diffamation der Avantgarde polemisiert. Corradini starb im Faschismus im Abseits, und Marinetti fuhr fort, seine moralita guerresca, so oder so, zu repräsentieren.

Es ist also nicht schwierig, Marinetti mit der Opposition gegen Giolitti und die Seinen in Verbindung zu bringen, aber es ist schwieriger zu erklären, wie sich ein zweit- oder drittrangiger französischer Symbolist (denn Marinetti schrieb lange französisch) in einen originellen italienischen Futuristen verwandelte, sozusagen im Sprung in eine poetische Theorie und Praxis, die noch langhin über die Grenzen der italienischen Sprache und Gesellschaft wirkte. Selbst der Gedanke an Marinetti, den Impresario und Geschäftsreisenden in Sachen Futurismus, in Berlin, London, St. Petersburg und Prag, provoziert die Frage, ob es die Reklame war, die er für sich betrieb, oder die unerhörte Forderung nach einer Zertrümmerung der traditionellen Grammatik, die auch der Linken nützlich sein konnte, wenn es um den Streit gegen Tradition und Bürgerlichkeit ging. Lunatscharski, Proletkult-Theoretiker und Volkskommissar, war der erste, der das begriff und während des Zweiten Kongresses der kommunistischen Internationale die staunende und kulturpolitisch konservative italienische Delegation in reinem Italienisch darüber belehrte, dass sie zuhause längst einen Kulturrevolutionär hätte, nämlich Marinetti. Gramsci, in seinem Essay in L’Ordine Nuovo vom 5. Januar 1921, sagte zurecht, die italienischen Sozialisten hätten sich leider nie mit kulturpolitischen Fragen beschäftigt und deshalb zu beobachten versäumt, wer in Italien der bürgerlichen Kultur den Kampf angesagt hatte. Gramsci, der sonst gerne an einem konservativen Kanon festhielt, erklärte ohne Zögern, Marinetti und die Futuristen seien ” Revolutionäre, die scharf und deutlich begriffen, dass unsere Zeit, die Zeit der Großindustrie, der großen Städte und des intensiven und tumultuösen Lebens, neue Formen der Kunst, der Philosophie, des menschlichen Verhaltens und der Sprache benötigte”. Ob das wirklich, wie Gramsci behauptete, eine “absolut marxistische Idee war”, ist noch eine andere Frage.

Je allgemeiner die Rede, desto einfacher, den Futurismus hier oder dort einzuordnen, aber die poetische Praxis Marinettis ist nicht so simpel zu manipulieren, nicht zuletzt seine Forderung, die gültigen Worte von der traditionellen Syntax zu befreien und so den unendlichen Strom der Energie zu entbinden, welcher ( Marinetti ist ein dichterischer Physiker) in den Tiefen der Realität durch die Bewegung der Atome und Moleküle entsteht. Entscheidend, dass die Energie als rasante Bewegung deutlicher als anderswo in der neuen Luftfahrt, oder wie man damals sagte, in der Aviatik, zu Tage tritt, und der Pilot, oder Aviatiker, eine revolutionäre Rolle übernimmt, deren er selbst nicht bewusst sein mag. Das geschieht ( allerdings mit einiger Verspätung, wenn man die berühmten Flugwochen in Reims und Brescia in Betracht zieht) im Technischen Manifest vom 11. Mai 1912, in dem Marinetti die Zerstörung der traditionellen Grammatik, noch von Homer her, durch seine erste Flugerfahrung begründet, 20 Minuten, angeblich 300 Meter hoch – es ist der “surrende Propeller”, die die Normen der futuristischen Poetik definiert, die Substantiva in der Art ihrer Entstehung angeordnet” (was immer das heißen mag), die Verben im energischen Infinitiv (“Fortdauer des Lebens”), die Liquidation der Adjektiva und Adverbia, keine hemmende Interpunktion, um die ” aviatische Schnelligkeit” nicht zu gefährden.

Der libysche Krieg gab Marinetti die öffentliche Chance, seine poetische Praxis zu demonstrieren, die Zerstörung der Grammatik (an deren Stelle eine andere trat), aviatische Modernität, Italianita, und Corradinis Kriegermoral, das alles verknüpft mit einem militärischen Ereignis. Das war Mitte November 1911, Carlo Maria Piazzas Versuch, einen Blériot-Eindecker nicht allein zur Beobachtung feindlicher Positionen gebrauchen, wie das bisher geschah, sondern zu ihrer Bombardierung (die Bombe wurde vorher durch eine Spezialabteilung zusammengebastelt – der erste Bombenabwurf der Kriegsgeschichte). Darüber berichtete der Corriere della Sera am 20.11.1911, und Marinetti produzierte zwei Texte, einen noch in seiner älteren symbolistischen Manier in französischer Sprache, Hauptmann Piazza, ganz unmodern, als Reiter (“im Fluge reite ich ungesattelt die Schlacht, die wie toll geworden dahingaloppiert”), und einen anderen, futuristisch-italienischen, in welchem er die Substantive und Infinitive programmatisch in Szene setzt, “schluchzen durchbrechen wüste bett präzision entfernungsmesser eindecker galerie beifall eindecker = arabische niederlage ochse bluttriefend schlachthaus wunden zuflucht oase feuchtigekit fächer frische”. Der junge Johannes R. Becher, einst ein genialer Avantgardist, und Alfred Döblin haben diese poetische Grammatik ohne Abstriche übernommen, um das Entsetzliche der Schlachten, der modernen und der alten, darzustellen.

Alfred Pfabigan hat Marinetti als “Künstler” charakterisiert, der als “Politiker posierte”, und es war Marinettis offene Wunde, dass ihm d’ Annunzio, poetisch begabter und politisch sichtbarer ( zumindest als Regent von Fiume), immer den Rang ablief; und selbst in der Bemühung, die Modernität der Flugzeuge und kühnen Piloten gegen die italienische arretratezza auszuspielen, den Primat für sich beanspruchen durfte, und zwar mit vollem Recht. D’Annunzio war ihm weit voraus. Nichts merkwürdiger als die Situation der beiden im Sommer 1915, als Italien in den Krieg eintrat: Es ist nicht nur meine Imagination, die mir ein Bild Marinettis entwirft, der sich sogleich freiwillig meldet, prompt einer Fahrradabteilung zugeteilt wird und seinen Drahtesel durch die alpinen Täler schiebt (ehe er bei einem Panzerautobatallion dient); anders d’Annunzio, der Nationalbarde, auf eigenen Wunsch mit 50 Jahren reaktiviert, der älteste Leutnant der Novara Lanzenreiter, der den Titel Commandante reklamierte und Wohnung im Hotel Danieli und Palais Hohenlohe in Venedig nahm, an media-freundlichen, aber selektiven U-Bootraids teilnahm und als Flieger Bomben und Flugblätter über Trento, Pola, Triest, und Wien abwarf. Marinetti und die Seinen haben die entscheidenden futuristischen Texte und Kunstwerke produziert, aber d’Annunzio hat den Futurismus gelebt, viele Jahre lang.

D’Annunzio war, wie Marinetti, zuerst ein Automobil-Fan, der in seinem roten Vehikel, genannt “Per non dormire”, durch die Toskana ratterte, zur Verzweiflung der Dorfcarabinieri, die ihn vors Gericht zitierten; sein neues Interesse an der Aviatik kam noch aus einer fin-de-siecle Atmosphäre aus Plüsch, Wagnerzitaten und arrangierten Passionen. Es war die Gräfin Guiseppina Mancini, die er zu der ersten aviatischen Demonstration Italiens begleitete, ehe ihm, 1908/1909, deutlich war, dass der Nationalbarde in diesem Augenblick der Geschichte ein Pilot sein müsste, der heroischsten einer (wie die Aviatiker, frei nach Nietzsche, in seinem Fliegerroman, Forse che si forse che no).

Im Frühling 1909 war d’Annunzio in Centocelle bei Rom zu finden, wo der Amerikaner Wright seine Apparate vorführte, um seine Patente zu verkaufen und seine ersten italienischen Schüler zu trainieren. Er mischte sich unter die Flugexperten und trug es nur mit Unmut, dass man auf dem Flugplatz eine gemischte Sprache aus Italienisch und Amerikanisch zu sprechen begann; er war, wie Rilke, ein passionierter Leser alter Wörterbücher, wollte nichts von “aeroplano” hören und erklärte, man müsste das alte Wort “velivolo” erneuen. Viele Kommentatoren glauben noch immer, er hätte das Wort in poetischen Zorne erfunden, aber es spricht eher für seine gelehrten Interessen, dass er es in Renaissance- und Barockwörterbüchern entdeckt hatte, wo es, wie bei Vergil und Ovid das Gleiten der Schiffe über das Meer bezeichnet hatte; und es blieb lange sein Geheimnis, dass er “velivolo” in seiner angestammten Bedeutung schon in seinem ersten Versband “Primo Vere” (1879) benützt hatte. Alte Philologie und neue Technologie gingen, anders als bei den Futuristen, ineinander über.

Anfang September 1909 reiste d’Annunzio in der festen Absicht, weiteres Material für seinen aviatischen Roman zu sammeln und endlich selbst zu fliegen, nach Brescia, wo in der Heide, gegen Montichiari zu, die ersten italienischen Flugtage stattfanden. Legenden und Tatsachen sind, wie immer in seinem Falle, nicht leicht zu trennen. Er kam jedenfalls mit dem Entschluss, mit Blériot zu fliegen (damals dem berühmtesten Aviatiker, der eben den Kanal überflogen hatte), stieß aber auf taube Ohren, obwohl er ihm Verse aus seiner Elegie über Ikarus zitierte, und ließ dann auf seinem Weg durch die Flugschuppen den amerikanischen Rekordflieger und späteren Großindustriellen Glenn Curtiss fragen, ob er ihn in die Lüfte mitnehmen wollte. Curtiss, kein Kenner der italienischen Poesie, nahm ihn in seinen Flugapparat, aber nur zum Schein; d’Annunzio durfte auf einem Brett, das man links vom Rumpf plazierte (und später auf einer Auktion verkaufte) Platz nehmen, elegant und mit einer Fliegerhaube, das Flugzeug erhob sich einige Meter vom Boden und schlitterte dann gleich übers Grass. Curtiss, der es niemals liebte, Fluggäste zu haben, behauptete, der Apparat sei überbelastet gewesen. D’Annunzio machte gute Miene zum ironischen Spiele, sprach über die göttliche Erfahrung des Fliegens, und fand dann glücklicherweise, es war schon gegen Abend, einen jungen italienischen Piloten, der genauer als Curtiss wusste, wer d’Annunzio eigentlich war, und mit Mario Calderera (den er ja übrigens auch von Centocelle kannte) erhob sich dann, spät aber doch, der Poet fünfzig Meter hoch. Calderara zog eine patriotische Schleife um die Ehrentribüne, wo das Elite-Publikum die beiden, allerdings in einem amerikanischen Apparat, lebhaft akklamierte. Schade, dass Franz Kafka, der am Vortage als Zuschauer dagewesen war, die Szene nicht mehr beobachten konnte, weil er mit Max Brod und dessen Bruder Otto zum Zug nach Riva geeilt war. Drei Tage später erklärte d’Annunzio in einem Interview, er wollte ein Flugzeug kaufen, aber es ist nicht überliefert, was seine Gläubiger dazu sagten, vor denen er wenige Monate später nach Frankreich floh.

Als Italien im Sommer 1915 in den Krieg eintrat, erklärte d’Annunzio im Corriere della Sera, “Ho il dovere di combattere”, und agierte in einer futuristischen Rolle, die Marinetti eher poetisch definiert hatte. D’Annunzio inkarnierte sie; er mischte sich unter die Besatzung eines Zerstörers und eines U-Bootes und unternahm als Co-Pilot waghalsige Flüge, zuzeiten auch im Feuer der österreichischen Abwehr, über Triest, Pola und anderen adriatischen Hafenplätzen, Trient und zuletzt Wien – eine sportliche Leistung, die sogar die Wiener Arbeiterzeitung und die konservative Reichspost einmütig anerkannten. Ich will mich hier nicht ganz im Anekdotischen verlieren (so schwer mir das offenbar fällt) und lieber fragen, was für eine Art von Texten der Kriegspilot d’ Annunzio schrieb und wie sich seine Flugerfahrungen gegen seine philologischen und historischen Neigungen stellten; merkwürdig, dass er auch im Flugzeug, hinter dem Piloten sitzend, nicht aufhörte, Texte zu produzieren, die er ihm dann zuschob. Seine Ikarus-Dithyrambe (1906) war noch in der dekorativ-mythologisierenden Art geschrieben, in philologisch gelehrter Wortwahl und raren Gleichnissen (der violette Bart des Königs wie eine sidonische Traube), roteando per la luce eterna precipitai… nel profondo mare… aber die Sprache verändert sich, zum ersten Male zehn Jahre später in der Prosaschrift Notturno ( nach d’Annunzios Notlandung bei Grado und der schweren Augenverletzung), in geradezu sachlicher Melancholie über den Winternebel in Venedig, Erinnerungen an seine Mutter, das Kindheitshaus in Pescara, eine Prosa ganz ohne Pomp, Dekoration oder rhetorische Versatzstücke. Zu d’Annunzio’s futuristischen Texten zähle ich auch das technische Memorandum, das er an das Oberkommando richtete, um seinen Plan vorzulegen, wie man das deutsche Rüstungszentrum Essen durch massive Flugangriffe zerstören könnte, Entfernungen, Flugzeugtypen (mit Hilfe Capronis) und Bombenlast genau kalkuliert, und den Intentionen und den Möglichkeiten des Oberkommandos weit voraus. John Woodhouse war der erste, der unsere Aufmerksamkeit auf jene Texte hinlenkte, die d’Annunzio auf seinen Flügen improvisierte, so auf dem Flug gegen Parenzo (das erste Mal nach seiner Verletzung wieder im Flugzeug), “Höhe 2200? Ich kann sehen. / 2600? Ich kann sehen ich kann sehen / 3000? Ich sehe noch immer – hoher höher / 3400? Ich kann sehen höher / die Gruppe im Kurs auf Rovigno / tiefer auf 1600 / genau über dem kleinen Platz / vier Bomben in meiner Hand drunten / Fort! – zurück nach St Andrea”. Ähnliche parole-in-liberta auf dem Flug gegen Wien, über dem steirischen Gebirge,” das Unwetter! Gewaltige Windstösse! / 8 Uhr 35 Höhe 2850 / wir tanzen / Gewölk Geröll / Luftwirbel Strudel / Der Sog der Luft Vorwärts!”

D’ Annunzio hatte schon im Jahre 1910, in seinen Vorträgen über Aviatik, von einem Flug über Wien gesprochen, und das kriegerische Unternehmen vom 9. August 1918, eigentlich gegen die Absichten des italienischen Oberkommandos, das Verluste und Repressalien fürchtete, war eine ambivalente Affäre. D’ Annunzio war in seinem futuristischen Lebenselement, das Italianita, technologische Moderne und aviatorische Kühnheit vereinen sollte, aber seine Flugblätter, die das Geschwader über dem Graben und rund um den Stephansdom niederflattern ließ, hatten nichts von futuristischer Originalität – im Gegenteil; sie waren ein Rückfall in die alte nationalistische Phraseologie, von der wenig psychologische Wirkung auf die skeptischen Wiener zu erhoffen war (sie dachten zunächst, es handle sich um österreichische Flugzeuge, die Reklame für die neue Kriegsanleihe machten). Seine Flugblätter sprachen von dem “Adel der Latinität” und der “Brutalität der Barbaren”, und selbst die Wiener Arbeiterzeitung, die d’Annunzio als Sportler anerkannte, nannte seinen Stil “komisch” oder gar “schwülstig”; und zum Glück für die alliierte Sache warfen die Flugzeuge auch Zettel mit Texten des Literaturkritikers Hugo Ojetti ab, der auf den leeren Magen der Bevölkerung zielte. Die Polizei erklärte zunächst, die Zettel seien sofort auf dem nächsten Revier abzugeben (sonst Anklage wegen Hochverrat), aber der volle Text erschien noch in den Abendblättern, wo man die Flugblätter in Ruhe beurteilen konnte. Karl Kraus fügte in der “Fackel” hinzu, ein Flugzeug sei über Rodaun gesichtet worden, und dass sei gewiss Herr d’Annunzio gewesen, der Herrn Hugo v. Hofmannsthal einen Besuch in seiner Villa abstatten wollte.

Meine Damen und Herren, ich wollte heute den Versuch unternehmen, zwei oder drei Momente in der widersprüchlichen Entwicklung der italienischen Avantgarde genauer zu beobachten, und wie Stills, oder Standfotos, aus dem historischen Film zu lösen. Ich plädierte dafür, Marinetti, und vor ihm d’ Annunzio, in ihrer politischen and ästhetischen Opposition gegen den Parlamentarismus der Epoche Giollitis/Turatis zu sehen, Marinetti in der Nähe Enrico Corradinis und d’Annunzio eher als traditionellen Monarchisten, der sich allerdings in Fiume mit der linken Matrosengewerkschaft verbünden sollte. Es mag nicht ganz unproduktiv sein, d’ Annunzio und Marinetti zuzeiten enger zusammenzubringen, und sich nicht von futuristischen Polemik gegen den dekadenten d’Annunzio beirren zu lassen; der Dichter war, als Kriegsaviatiker, eine futuristische Figur (auch in gewissen Texten), und mehr noch als es dem eifersüchtigen Marinetti lieb sein konnte. Dabei habe ich die Frage nach dem Präfaschismus der beiden ausgespart, weil mir die übliche Antwort zu grobkörnig erscheint; sie beide, d’Annunzio und Marinetti, haben in bestimmten Momenten kollaboriert und standen dann wieder in Opposition. Ich überlasse das letzte Wort einem Zeitgenossen, Otto Basil, in der berühmten Wiener Zeitschrift “Plan”, die in Ihrer vorläufig letzten Nummer vor dem Einmarsch der Wehrmacht die Futuristen rühmte, die sich so bedeutende Verdienste um das Überleben der modernen Kunst erworben hatten.

Beitrag zur IWM-Konferenz „Das Jahrhundert der Avantgarden”, 30.11. – 2.12.2001

Tr@nsit online, Nr. 23/2002
Copyright © 2002 by the author & Transit – Europäische Revue.
All rights reserved. This work may be used, with this header included, for noncommercial purposes. No copies of this work may be distributed electronically, in whole or in part, without written permission from Transit.

 

Tags:

Related Content

  • Das Böse nach dem Tod. Das öffentliche Ableben eines politischen Abjekts. Nicolae Ceausescus posthumes Leben im (heißkalten) rumänischen Leichenkeller

    Wie gehen Gesellschaft und Politik mit dem toten Bösen um? Die Leiche des rumänischen Diktators Nicolae Ceausescu wurde buchstäblich auf Eis gelegt, und der Umgang mit seiner Leiche ist bis heute ein „Un-Thema“ geblieben. Sind die Erinnerungen an ihn, seine Ära und seinen Tod nun heiß oder kalt? Eine unvollendete Erzählung mit europäischer Moral und Tradition: Echo der – noch warmen - Erinnerungen.
    Read more

  • National Identities and Migration Policies

    Rather than to invite strangers of different origin to share a common future, as the immigrant nation (ideally) does, the societies of Western Europe still prefer to ground their common political identity in their own national origins, and, consequently, invite only those strangers who may contribute to this predefined project. But even this half-opening seems to be too much for the post-communist countries which have recently joined the EU. Only recently have they recovered their national sovereignty which they conceive in ethnic terms. So far, these countries have had difficulties in accommodating even their own "old" minorities.
    Read more

  • Die “guten” Europäer: Friedrich Nietzsches Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über die europäische Integration

    Es gibt verschiedene Weisen, über Europa nachzudenken. Politische Diskussionen gehen meist davon aus, daß die erstrangige Aufgabe Europas Integration ist, und versuchen den Weg zu finden, auf dem die damit verbundenen wirtschaftlichen und administrativen Schwierigkeiten zu überwinden wären. Philosophisch-geschichtliche Überlegungen suchen nach der Eigentümlichkeit der geistigen Grundlagen Europas und sind bestrebt, die europäische geistige Tradition als möglichen Ausgangspunkt für eine Lösung der globalen Probleme heranzuziehen – früher ganz offen, in Gestalt universaler wissenschaftlicher Rationalität, heute eher indirekt, als Offenheit dem "anderen" gegenüber.
    Read more

  • Fantasies of Degeneration: Some Remarks on Racial Anti-Semitism in Interwar Romania

    Contemporary scholarship separates the idea of the nation from the biological concept of "race." This line of reasoning, so popular in the literature on nationalism, anti-Semitism and Nazism, was explicated by such influential authors as Ernst Nolte, who argued that race doctrine was "an extreme manifestation which, despite some points of contact, stood outside the highly differentiated main strand of European thinking."
    Read more

  • Europa – Wertegemeinschaft oder Rechtsordnung?

    Von gut und böse redet niemand mehr, der intellektuell etwas auf sich hält. Von Werten reden heute alle. Parteien debattieren über Grundwerte, Verfassungen werden als Wertordnungen verstanden. Und ob wir in einem Zeitalter des Werteverfalls oder des Wertewandels leben, wird landauf, landab erörtert. Die Kirchen empfehlen sich der Gesellschaft weniger durch den Anspruch, den Willen …
    Read more

  • The Dictatorship of Values

    Today, no one who is anybody speaks of “good” and “bad.” Instead, everyone speaks of values. Political parties debate values; constitutions are regarded as “systems of values.” We supposedly live in a time of decaying values, or perhaps of changing values. Even NATO, says British Prime Minister Tony Blair, should no longer be viewed as …
    Read more

  • Tchèques, Allemands, Autrichiens: la gestion d’un passé douloureux

    Commentaire sur Jacques Rupnik, “Das andere Mitteleuropa: Die neuen Populismen und die Politik mit der Vergangenheit” (Transit 23) L’article «L’autre Europe centrale» présente un tableau en apparence très noir de la situation politique dans cette région. Mais le risque de nouveaux populismes est-il si prégnant ? La véritable crainte de tout un courant intellectuel français …
    Read more

  • Contemporary Russian Nationalism between East and West

    Contemporary Russian nationalism, one of the most influential ideological and political forces in the country, consists of several trends and varieties. Still, most of them share some remarkably similar characteristics connected with the Manichaean-type of worldview. The only thing that prevents me from stating that Russian nationalism is nowadays turning away from the West is …
    Read more

  • Co delat s komunistickou minulostí?
    Polská zkušenost

    Jedním z mnoha jevů, z nichž se skládá proces přechodu od autoritativních (diktátorských, totalitárních) systémů k demokracii a průběh její stabilizace, je vztah k ancien régime.[2] Patří k jevům, které vzrušují „obyčejné občany” a vyvolávají prudké debaty a polemiky v řadách politických a intelektuálních elit. Nemá se tím rozumět, že je to ten nejdůležitější jev ani …
    Read more

  • Romania and the Balkans

    From geocultural bovarism to ethnic ontology Imagining the Balkans, and oneself in relation to the Balkans, has been a Romanian intellectual pastime for roughly two centuries. Prior to that, Transylvanian Romanians tended to ignore whatever was going on south of the Danube, with the exception of Turkish expansion, especially after 1526 and the demise of …
    Read more

Tr@nsit Online Authors

  • Bradley F. Abrams

    History, Stanford University
    Read more

  • Thomas Ahbe

    Thomas Ahbe studierte Philosophie, Ökonomie und Soziologie. Seit 1998 wirkt er freischaffend als Sozialwissenschaftler und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Diskurs- und Kulturgeschichte der deutschen Zweistaatlichkeit und der ostdeutschen Transformation sowie die Generationengeschichte der DDR und Ostdeutschlands.   Print

  • Karl Aiginger

    Karl Aiginger is Director of WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung), Professor of Economics and Coordinator of the project A new growth path for Europe within the 7th European Framework Program.   Print

  • Huercan Asli Aksoy

    Ph.D. candidate in Political Science, University of Tübingen
    Read more

  • Sorin Antohi

    Sorin Antohi is Professor of History at Central European University, Budapest.   Print

  • Timothy Garton Ash

    History, Oxford
    Read more

  • Roumen Avramov

    Program director for economic research at the Center for Liberal Strategies, Sofia
    Read more

  • Adam Baczko

    PhD Candidate in Political Science, EHESS, Paris
    Read more

  • Pavel Barsa

    Associate Professor of Political Science, Charles University Prague
    Read more

  • Rainer Bauböck

    Rainer Bauböck is professor of social and political theory at the European University Institute in Florence. In 2006 he was awarded the Latsis Prize of the European Science Foundation for his work on immigration and social cohesion in modern societies. Among his many publications are Immigration and Boundaries of Citizenship (1992), Transnational Citizenship: Membership and …
    Read more

  • Steven Beller

    Geschichte, Cambridge
    Read more

  • Naja Bentzen

    Freelance journalist, Wien
    Read more

  • Luiza Bialasiewicz

    Jean Monnet Professor of EU External Relations, University of Amsterdam
    Read more

  • Muriel Blaive

    Muriel Blaive ist seit 2012 Institutskoordinatorin des Ludwig Boltzmann Instituts für Europäische Geschichte und Öffentlichkeit.   Print

  • Andras Bozoki

    Sociology, Budapest
    Read more

  • José Casanova

    Professor für Soziologie, New School for Social Research, New York
    Read more

  • Daniel Chirot

    Soziologie, Seattle
    Read more

  • Robert Cooper

    Robert Cooper ist britischer Diplomat und derzeit als Sonderberater des Europäischen Auswärtigen Dienstes (European External Action Service, EEAS) tätig. Er ist zudem Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR).   Print

  • Peter Demetz

    Sterling Professor Emeritus of German and Comparative Literature, Yale University; Korrespondierendes Mitglied des IWM
    Read more

  • James Dodd

    Associate Professor of Philosophy, New School for Social Research, New York
    Read more

  • Martin Endreß

    Martin Endreß ist Professor für Soziologie an der Universität Trier.   Print

  • Mischa Gabowitsch

    Mischa Gabowitsch (gabowitsch.net) is a research fellow at the Einstein Forum in Potsdam. He is the author of Putin kaputt!? (Suhrkamp, 2013), a study of the 2011-13 Russian protests for fair elections, and maintains protestrussia.net, which collects academic resources for the study of protest in Russia.   Print

  • Charles Gati

    Charles Gati is Senior Acting Director of Russian and Eurasian Studies and Foreign Policy Institute Senior Fellow at the School of Advanced International Studies at the Johns Hopkins University, Washington, D.C.     Print

  • Dessy Gavrilova

    Dessy Gavrilova is the founding Director of The Red House – Center for Culture and Debate in Sofia, Bulgaria.     Print

  • Keith Gessen

    Keith Gessen is a freelance writer living in Cambridge, MA.   Print

  • Gerhard Gnauck

    Warsaw correspondent for Die Welt
    Read more

  • Katya Gorchinskaya

    Managing Editor for Investigative Programming, Radio Free Europe/Radio Liberty (REF/RL), Kyiv
    Read more

  • John Gray

    John Gray is Professor of European Thought at the London School of Economics.   Print

  • Rainer Gries

    Rainer Gries lehrt und forscht als Universitätsprofessor am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena, am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien sowie an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Zu seinen Forschungsschwerpuntken zählen u.a. die Gesellschaftsgeschichte Deutschlands und Österreichs im 20. Jahrhundert und die Geschichte des Konsums in Europa.   Print

  • Eva Hahn

    Geschichte
    Read more

  • Gábor Halmai

    Professor of Law, Department of European Studies; Eötvös Loránd University, Budapest
    Read more

  • Elemer Hankiss

    Professor für Politikwissenschaft, Eötvös Lorand Universität, Budapest; Korrespondierendes Mitglied des IWM
    Read more

  • Miklós Haraszti

    Miklós Haraszti is a writer, journalist, human rights advocate and university professor. He served the maximum of two terms as the OSCE Representative on Freedom of the Media from 2004 to 2010. Currently he is Adjunct Professor at the School of International and Public Affairs of Columbia Law School, New York. Haraszti studied philosophy and …
    Read more

  • Sabine Hark

    Sabine Hark forscht an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Professur für Frauenforschung.   Print

  • Annemieke Hendriks

    Freelance journalist, Berlin
    Read more

  • Charles Hirschman

    Charles Hirschman is Boeing International Professor at the Department of Sociology and the Daniel J. Evans School of Public Affairs, Washington University.     Print

  • Jennifer L. Hochschild

    Jennifer L. Hochschild is Professor of Government at the John F. Kennedy School of Government, and Professor of African and African-American Studies at the Faculty of Arts and Sciences, Harvard University.   Print

  • Yaroslav Hrytsak

    History, Central European University Budapest
    Read more

  • Richard Hyman

    Richard Hyman ist Professor für Politikwissenschaft an der London School of Economics.   Print

  • Vladislav Inozemtsev

    Professor of Economics at Higher School of Economics; Director, Centre for Post-Industrial Studies, Moscow
    Read more

  • Bruce P. Jackson

    Bruce P. Jackson is the founder and President of the Project on Transitional Democracies. The Project is a multi-year endeavour aimed at accelerating the pace of reform in post-1989 democracies and advancing the date for the integration of these democracies into the institutions of the Euro-Atlantic. Jackson has written extensively about the engagement of Russia …
    Read more

  • Tom Junes

    Visiting Researcher, Warsaw University, and Visiting Lecturer in Polish history, KULeuven, Belgium
    Read more

  • Alex J. Kay

    Alex J. Kay holds a PhD in History from the Humboldt University Berlin.   Print

  • Anatoly M. Khazanov

    Anatoly M. Khazanov ist Professor für Anthropologie an der University of Wisconsin, Madison.   Print

  • Cornelia Klinger

    Professor of Philosophy, University of Tübingen
    Read more

  • Gudrun-Axeli Knapp

    Professor of Social Sciences and Social Psychology, University of Hannover
    Read more

  • Jacek Kochanowicz

    Jacek Kochanowicz is Professor for Economic History at Warsaw University.       Print

  • Michal Kopecek

    International Relations, Charles University Prague
    Read more

  • János Kornai

    János Kornai is Prof. em. for Economics  at Harvard University and Permanent Fellow at the Collegium Budapest – Institute for Advanced Study. He is a member of the Hungarian Academy of Sciences and the Academia Europeae, and Foreign Member of the American, British, Bulgarian, Finnish, Russian and Swedish Academies. He has served as President of …
    Read more

  • Pavel Kouba

    Professor für Philosophie an der Karlsuniversität, Prag; Leiter des Zentrums für Phänomenologische Forschung an der Tschechischen Akademie der Wissenschaften
    Read more

  • János Mátyás Kovács

    IWM Permanent Fellow
    Lecturer, Department of Economics, Eötvös Lorand University, Budapest
    Read more

  • Ivan Krastev

    IWM Permanent Fellow
    Chair of the Board, Centre for Liberal Strategies, Sofia
    Read more

  • Yustyna Kravchuk

    PhD candidate in Film and Media Studies, National Academy of Sciences of Ukraine, Kyiv
    Read more

  • Jacek Kucharczyk

    Jacek Kucharczyk ist Head of Programs am Institute of Public Affairs in Warschau.   Print

  • Aleksander Kwasniewski

    Aleksander Kwasniewski war Präsident Polens. Seine Amtszeit verlief von 1995 bis 2005 über zwei Legislaturperioden.   Print

  • Mladen Lazic

    Professor of Sociology, University of Belgrade
    Read more

  • Claus Leggewie

    Professor für Politikwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Giessen
    Read more

  • André Liebich

    Honorary Professor of International History and Politics, Graduate Institute, Geneva
    Read more

  • Burkhard Liebsch

    Burkhard Liebsch ist Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum.   Print

  • Michal Luczewski

    Ph.D. candidate in Sociology, Warsaw University
    Read more

  • Charles S. Maier

    Charles S. Maier ist Direktor des Center for European Studies, Harvard University.   Print

  • Andrey Makarychev

    Andrey Makarychev ist Professor und Research Fellow am Institut Osteuropäische Studien an der Freien Universität Berlin.   Print

  • Michał Maciej Matlak

    Ph.D. candidate, Department of Political and Social Sciences, European University Institute, Florence
    Read more

  • Erik Meyer

    Erik Meyer ist seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich ‘Erinnerungskulturen’ an der Justus-Liebig Universität Gießen.   Print

  • Krzysztof Michalski

    IWM Founding Rector
    Read more

  • Hans J. Misselwitz

    Hans-Jürgen Misselwitz ist ein deutscher SPD-Politiker und Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne.   Print

  • Alessandro Monsutti

    Alessandro Monsutti is an associate professor of anthropology and development sociology at the Graduate Institute of International and Development Studies in Geneva, as well as research associate at the Refugee Studies Centre at the University of Oxford. He worked as a consultant for several nongovernmental and international organizations, icnluding UNHCR. His book War and Migration: Social Networks …
    Read more

  • Jan-Werner Müller

    Professor of Politics, Princeton University

    Visiting Fellow
    (September 2016 – June 2017)
    Read more

  • Rainer Münz

    Professor für Bevölkerungswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin; Korrespondierendes Mitglied des IWM
    Read more

  • Sighard Neckel

    Professor of Sociology, Goethe-Universität, Frankfurt am Main
    Read more

  • Katherine Newman

    Katherine S. Newman is the James B. Knapp Dean of The Zanvyl Krieger School of Arts and Sciences. She is a widely published expert on poverty and the working poor who led major interdisciplinary initiatives at Princeton and Harvard universities.     Print

  • Pierre Nora

    Pierre Nora lehrt Geschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris.   Print

  • Tereza Novotna

    Political Science, Boston University
    Read more

  • Ewald Nowotny

    Ewald Nowotny is Governor of the Austrian National Bank.   Print

  • Thomas Nowotny

    Thomas Nowotny teaches Political Science at the University of Vienna. He has been Austrian diplomat, private secretary to Austrian Chancellor Bruno Kreisky, senior political counselor to the European Bank for Reconstruction and Development, and consultant to the OECD.   Print

  • Vlad Odobescu

    Freelance journalist, Romanian Centre for Investigative Journalism, Bucharest
    Read more

  • Andrzej Paczkowski

    Professor für Geschichte, Institut für Politische Studien, Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau
    Read more

  • Emilia Palonen

    Politics, University of Essex
    Read more

  • Irina Papkova

    Irina Papkova is a Research Fellow of Georgetown University’s Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs. She spent five years teaching at the Department of International Relations and European Studies at Central European University, Budapest.   Print

  • Agnieszka Pasieka

    Ph.D. in Social Anthropology from the Martin Luther University, Halle/Saale
    Read more

  • Gleb Pavlovsky

    President, Center of Effective Policies; Member, Public Chamber of the Russian Federation; Editor-in-Chief, The Russian Journal (Moscow)
    Read more

  • György Péteri

    Professor of Contemporary European History, Norwegian University of Science and Technology, Trondheim
    Read more

  • Tanja Petrovic

    Tanja Petrovic works at the Scientific Research Center of the Slovenian Academy of Sciences and Arts, Ljubljana.   Print

  • David Petruccelli

    PhD candidate in History, Yale University
    Read more

  • Alexander von Plato

    Alexander von Plato ist ein deutscher Philosoph und Historiker. Er gründete das Instituts für Geschichte und Biographie an der Fernuniversität Hagen, das er bis 2007 leitete. Von 1996 bis 2000 war er Sekretär der International Oral History Association, von 2006 bis 2008 deren Vizepräsident. Er ist Mitherausgeber und Redakteur von BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral …
    Read more

  • Andrei Plesu

    Andrei Plesu ist Rektor des New Europe College, Bukarest. 1989- 1991 war er rumänischer Kulturminister und 1997- 1999 rumänischer Außenminister.   Print

  • Martin Pollack

    Martin Pollack, geb. 1944 in OÖ, studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Er war von 1987 bis 1998 Redakteur des “Spiegel” in Warschau und Wien und lebt heute als Schriftsteller und literarischer Übersetzer in Wien und Bocksdorf im Südburgenland. 2011 erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2012 den Stanislaw-Vincenz-Preis. Zuletzt erschien von ihm …
    Read more

  • Krzysztof Pomian

    Krzysztof Pomian is Professor of History at the Nicolaus Copernicus University (Toruń) and Academic Director of the Museum of Europe in Brussels.   Print

  • Romano Prodi

    Romano Prodi war von September 1999 bis November 2004 Präsident der Europäischen Kommission.   Print

  • Lipin Ram

    PhD candidate and teaching assistant in Anthropology and Sociology of Development, Graduate Institute, Geneva
    Read more

  • Mykola Riabchuk

    Senior Research Fellow, Institute of Political and Nationalities’ Studies, Academy of Sciences, Kyiv
    Read more

  • Edelbert Richter

    Edelbert Richter ist deutscher Theologe, Politiker und war Mitglied des Deutschen Bundestages.   Print

  • Paul Ricoeur

    Paul Ricoeur ist Philosoph und war Professor Emeritus an der University of Chicago und an der Sorbonne. Er war Mitglied der Académie Francaise und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des IWM. Er starb 2005.   Print

  • Michel Rocard

    Michel Rocard, former First Secretary of the French Socialist Party and a member of the European Parliament for 15 years, was Prime Minister of France from 1988 to 1991.   Print

  • Akos Rona-Tas

    Akos Rona-Tas is professor at the Sociology Department of the University of California, San Diego and a research associate at Met@risk, INRA, Paris. He is the author of the books Plastic Money: Constructing Markets for Credit Cards in Eight Postcommunist Countries (with Alya Guseva, 2014) and Surprise of the Small Transformation: Demise of Communism and …
    Read more

  • Lew Rubinstein

    Lew Rubinstein lebt als Poet und Essayist in Moskau. Nach dem Studium der Philologie war er als Bibliothekar tätig. Seit Ende der 1960er-Jahre verfasst er poetische Arbeiten, seit 1974 serielle Textzyklen als so genannte Kartotheken. Zusammen mit Andrej Monastyrskij, Dimitrij A. Prigov und Vladimir Sorokin gilt er als wichtigster Vertreter des Moskauer Konzeptualismus. Print

  • Jacques Rupnik

    Geschichte und Politikwissenschaft, Paris
    Read more

  • Claudia Šabi?

    Claudia Šabi? ist Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Seit 1998 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Print

  • Ranabir Samaddar

    Ranabir Samaddar is the Director of the Calcutta Research Group. His research focuses on migration and refugee studies, the theory and practices of dialogue, nationalism and post-colonial statehood in South Asia, and new regimes of technological restructuring and labour control. Among his many publications are Marginal Nation: Trans-border Migration from Bangladesh to India (1999), Politics of Dialogue: Living under …
    Read more

  • Paul Sanders

    Paul Sanders is a historian and management scholar. He is a full-time professor at Reims Management School in Reims, France. He has published across the disciplines of history, international relations and leadership.   Print

  • Karl Schlögel

    Karl Schlögel war Professor für Osteuropäische Geschichte zuerst an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach seiner Emeritierung arbeitet er an einer Archäologie des Kommunismus und einer Geschichte des Wolgaraumes. Zurzeit ist er City of Vienna/IFK Fellow am IFK in Wien.     Print

  • Thomas Schmid

    Thomas Schmid is the publisher of the WELT Group, Berlin. He worked for various newspapers, among them as editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung and the Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. From 2006 to 2010 he was Editor-in-Chief of Die Welt.   Print

  • Margit Schratzenstaller

    Margit Schratzenstaller is senior researcher at the Austrian Institute of Economic Research (WIFO) and is currently coordinating (together with Karl Aiginger and Stefan Ederer) ‘WWW for Europe’, a 4-year research project within the 7th Framework Program funded by the European Commission.   Print

  • Dieter Segert

    Dieter Segert ist Professor für Transformationsprozesse in Mittel-, Südost- und Osteuropa am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Seit September 2007 ist er Mitglied des Vorstandes des IDM Wien, seit Juni 2008 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.   Print

  • Victoriya Sereda

    Sociologie, Ivan-Franko-Universität, Lviv
    Read more

  • Michel Serres

    Michel Serres ist Philosoph und Mitglied der Académie Française.   Print

  • Marci Shore

    Associate Professor of History, Yale University
    Read more

  • Sławomir Sierakowski

    Director, Institute for Advanced Study, Warsaw; Founder, "Krytyka Polityczna" movement
    Read more

  • Sara Silverstein

    Ph.D. Candidate in Modern European and International History, Yale University
    Read more

  • Aleksander Smolar

    Political Science, Paris
    Read more

  • Timothy Snyder

    IWM Permanent Fellow
    Bird White Housum Professor of History, Yale University
    Read more

  • George Soros

    George Soros is a pioneer of the hedge-fund industry, investor and philanthropist, he is the author of many books, including Financial Turmoil in Europe and the United States: Essays (2012), The Soros Lectures: At the Central European University (2010), The Crash of 2008 and What it Means: The New Paradigm for Finance Markets (2009).   …
    Read more

  • Robert Spaemann

    Robert Spaemann ist Professor em. für Philosophie an der Universität München.   Print

  • Pawel Spiewak

    Associate Professor of Sociology, Department of Sociology and Philosophy, Warsaw University
    Read more

  • Wilfried Stadler

    Wilfried Stadler ist Unternehmensberater, Wirtschaftspublizist und Honorarprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bis 2009 war er Vorstandsvorsitzender einer österreichischen Spezialbank für Unternehmensfinanzierung.   Print

  • Rudolf Stamm

    Rudolf Stamm war von 1975 bis 1988 Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung für Osteuropa und Österreich, anschließend bis 1999 für Italien, dann bis zu seiner Pensionierung 2002 für die USA mit Sitz in Washington D.C. Er starb 2010 in der Schweiz. 1985 erscheinen seine NZZ-Reportagen aus Osteuropa in dem Band Alltag und Tradition in Osteuropa. …
    Read more

  • Paul Starr

    Paul Starr ist Professor für Soziologie an der Princeton University und Mitherausgeber von The American Prospect. Er ist Pulitzer-Preisträger.   Print

  • Martina Steer

    ÖAW APART Fellow (History)
    Read more

  • Kristina Stoeckl

    Research Director
    APART Fellow, Austrian Academy of Sciences; Department of Political Sciences, University of Vienna
    Read more

  • Roman Szporluk

    Roman Szporluk is Professor em. of Ukrainian History at Harvard and Professor em. of History at the University of Michigan. He is a foreign member of the National Academy of Sciences in Kiev, Ukraine. His research focuses on modern Ukrainian, Russian, and Polish history, and on Marxism and nationalism in Eastern Europe.   Print

  • Charles Taylor

    IWM Permanent Fellow
    Professor em. of Philosophy, McGill University, Montréal
    Read more

  • Maria Teteriuk

    PhD candidate in Mass Communications and senior lecturer in Media Studies, National University of 'Kyiv-Mohyla Academy', Ukraine
    Read more

  • Philipp Ther

    Junior Professor of Polish and Ukrainian Studies, Europa-Universität Frankfurt / Oder
    Read more

  • Maria Todorova

    Professor of History, University of Illinois at Urbana Champaign
    Read more

  • Balázs Trencsényi

    Balázs Trencsényi, Ph.D., is Associate Professor at the Department of History, CEU. His research focuses on the comparative history of political thought in East Central Europe and the history of historiography. He is co-director of Pasts, Inc., Center for Historical Studies at CEU and Associate Editor of the periodical East Central Europe (Brill). He was …
    Read more

  • Stefan Troebst

    .
    Read more

  • Marius Turda

    Lecturer in the Education Abroad Program, Eötvös Lorand University, Faculty of Humanities, Budapest
    Read more

  • Andreas Umland

    Andreas Umland ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew sowie Herausgeber der Buchreihe Soviet and Post-Soviet Politics and Society, ibidem-Verlag Stuttgart. Print

  • Victoria Vasilenko

    Assistant Professor of Contemporary History and International Relations, Belgorod National Research University
    Read more

  • David G. Victor

    David G. Victor is a Professor at the School of International Relations and Pacific Studies at the University of California, San Diego, where he directs the Laboratory on International Law and Regulation.   Print

  • Harald Welzer

    Harald Welzer ist Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.   Print

  • Karolina Wigura

    Adjunct of the History of Ideas, University of Warsaw; Co-Editor of Kultura Liberalna
    Read more

  • Volodymyr Yermolenko

    Volodymyr Yermolenko is a Ukrainian philosopher and essayist. He has a degree in Political Science from the EHESS, Paris, and teaches at Kyiv Mohyla Academy in Kyiv. He is the author of the book Narrator and Philosopher: Walter Benjamin and his time (2011, in Ukrainian). Print

  • Oksana Zabuzhko

    Free-lance writer, Kiev
    Read more

  • Tatiana Zhurzhenko

    Research Director, Russia in Global Dialogue / Ukraine in European Dialogue
    Read more