Deutsche Identität zwischen Ost und West[1]

I Historische Beobachtungen

Spiegel der Menschheitssituation

In der deutschen Geschichte spiegelt sich komprimiert die Weltsituation. Die Überlebensfrage, vor der die Menschheit steht, stellt sich heute besonders bedrängend für Deutschland. Es scheint zum „Schießplatz der Supermächte” (Albertz) ausersehen. Die beiden deutschen Staaten sind Bollwerke der Weltsysteme, extrem gerüstet und würden eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Systemen selbst dann nicht überleben, wenn sie begrenzt werden könnte. Wie die Welt geteilt ist, so Deutschland. Jeder Deutsche ist gezwungen, sich ständig zwischen Ost und West zu entscheiden oder in einer Art Schizophrenie zu leben. Deutschland ist „stellvertretend” geteilt (Müller-Gangloff). Auch andere Länder sind gespalten. Das Spezifische der deutschen Spaltung ist jedoch, dass sie die Folge einer einzigartigen Schuld ist.

Die beiden ersten Weltkriege der Geschichte sind von Deutschland ausgegangen.

Die besondere Stellung Deutschlands in Europa zeigt sich etwa daran, dass es das einzige Land des Kontinents ist, das wie er als Ganzer gespalten ist; dass es auch schon das einzige Land war, dass wie er als Ganzer konfessionell gespalten blieb (das Schlachtfeld des Dreißigjährigen Krieges!); dass es den letzten wie auch den ersten Versuch zur Hegemonie über Europa unternommen hat (Hitler – Otto 1.). Es scheint, dass Deutschland der Platz ist, auf dem sich die Widersprüche der europäischen Geschichte austoben.

Nicht so offensichtlich ist die besondere Beziehung der Deutschen zur Zweidrittelwelt. Immerhin haben aber die beiden von ihnen ausgegangenen Weltkriege indirekt dazu beigetragen, die Kolonialherrschaft Europas zu brechen. Zumal im zweiten Weltkrieg haben die zuspätgekommenen Deutschen koloniale Methoden, die andere europäische Völker in der übrigen Welt praktizierten, nun in Europa selbst angewandt. Heute würde eine militärische Auseinandersetzung zwischen den Großmächten wahrscheinlich in der Zweidrittelwelt beginnen und von dort auf Europa bzw. Deutschland übergreifen. Es gibt daher eine Gemeinschaft der Betroffenheit zwischen dem deutschen Volk und den Völkern der Zweidrittelwelt. Der Proletarisierung dieser Völker korrespondiert die militärische Bedrohung des deutschen.

Mittelstellung

Seit dem Ausscheiden Deutschlands aus der Weltpolitik ist die Menschheit polarisiert und von Selbstvernichtung bedroht. Genau im Jahr 1945 fällt die erste Atombombe. Man hat in diesem Ereignis wohl mit Recht eine Epochenwende gesehen, da nun nicht mehr nur der einzelne, sondern die Gattung sich selbst vernichten kann. Der deutsche Nationalsozialismus hat die Menschheit in diese Situation hineingeführt. Andererseits hat der Sieg über ihn die Menschheit offenbar nicht weitergebracht. Die Hoffnungen, die sich an die Anti-Hitler-Koalition knüpften, sind bald verflogen. Beides deutet auf die Mittelstellung Europas bzw. Deutschlands zwischen Ost und West hin, die es politisch zu bewältigen hätte und bisher nicht bewältigt hat.

Die Entwicklung zur Polarisierung hin ist einleuchtend beschrieben worden: Die Geschichte Europas ist bekanntlich gekennzeichnet durch immer neue Versuche einzelner seiner Staaten, eine Hegemonie über den Kontinent zu errichten. Bei jedem solchen Versuch kam es aber zu Koalitionen der jeweils anderen Staaten, die ihn schließlich vereitelten. Dass jede Hegemonie scheiterte, war aber zunehmend auf die Unterstützung zurückzuführen, die die Koalition bei den Flügelmächten in West und Ost fanden (England bzw. Amerika – Russland bzw. Sowjetunion). Mit der Bewahrung der Freiheit der europäischen Staaten und ihres Gleichgewichts war also der Aufstieg dieser Außenmächte unweigerlich verbunden; bis schließlich der letzte, deutsche Hegemonieversuch misslang, die Mittelstellung Europas beendete und die Flügelmächte mit ihrer Rivalität allein zurückließ. (L. Dehio)

Natürlich erkennen wir erst aufgrund der nun eingetretenen bedrohlichen Situation die tiefe Notwendigkeit einer Mittlerrolle Europas bzw. Deutschlands. Von daher urteilen wir dann, dass sie von der deutschen Politik ins Gegenteil verkehrt wurde. Aber gab es überhaupt eine Alternative? Musste das deutsche Reich nicht zwischen den Mühlsteinen der Großmächte zermahlen werden? Ist das nicht eben aus seiner Mittelstellung zu erklären? Handelte es sich bei seiner Politik nicht um den von vornherein vergeblichen Versuch, zwischen den Stühlen einen Platz zu finden? Man kann in der Tat fragen, ob die Mittlerrolle, die wir hier ins Auge fassen, nicht schon vom Zweiten und Dritten Reich gespielt und verspielt worden ist. Der Gegensatz zwischen Ost und West bestimmte ja schon das Geschehen, und die deutsche Politik suchte schon damals eine dritte Position zu behaupten: Man denke an Bismarck oder an Stresemann. War nicht sogar ihr Machtstreben insofern notwendig, als sie dies wirksam tun wollten? Worin bestand also die Verkehrung? Sie bestand nicht nur im Machtstreben, sondern zumal im verspäteten, banalen, zynischen Charakter dieses Strebens. Diese Politik war nur Nachholen und Auf-die-Spitze-Treiben des Nationalismus und Imperialismus der anderen Großmächte. Ihr Anliegen war die Ausnutzung der sich abzeichnenden Rivalität, gar nicht ihre Überwindung bzw. der Ausgleich. Und damit hing zusammen ihr orientierungsloses Schwanken zwischen den Polen, am deutlichsten sichtbar in den Weltkriegen. Sie konnte sich nur nach beiden Seiten hin abgrenzen, aber keinen eigenen Lösungsentwurf für die Menschheitsprobleme anbieten, daher nicht wirklich vermitteln. Wir werden auf diesen Punkt zurückkommen.

Ursprung der Ideologien der Systeme

Dass das deutsche Volk in besonderer Weise unter der bedrohlichen Polarisierung der Menschheit leidet, steht in einem hintergründigen Zusammenhang damit, dass die Ursprünge der Sendungsideologien der Großmächte beide in der deutschen Tradition liegen: Protestantismus und Marxismus. Wirken die geistigen Anstöße, die aus dem deutschen Raum gekommen sind, nun in Widersprüchlichkeit massiv auf ihn zurück? Nehmen die Großmächte, indem sie beide uns zu bevorzugten Bündnispartnern machen, uns gewissermaßen beim Wort? Haben wir der Menschheit gleichsam ein Rätsel aufgegeben, das sie schon ungeheure Opfer gekostet hat und das wir nun endlich, bei Strafe unseres Untergangs, lösen müssen?

Widerspruch von Geist und Macht

Die Spaltung und Gefährdung Deutschlands heute ist natürlich unmittelbar auf den brutalen Realismus und Zynismus seiner Politik in diesem Jahrhundert zurückzuführen. Angesichts dessen, dass so starke geistige Impulse von Deutschland ausgegangen sind, hat er immer wieder Verwunderung und Entsetzen hervorgerufen. Beides, der Zynismus wie jene Gefährdung hängen aber zusammen mit dem Fehlen einer glaubwürdigen Identität der Deutschen nicht erst heute, sondern schon im Dritten und Zweiten Reich. Schon Bismarcks Reich war „eine Großmacht ohne Staatsidee”: „Das neue Reich appellierte nicht wie Frankreich und England an die Phantasie der Völker, an ihre Zukunftserwartungen, ihren Menschheitsglauben. Es diente keinem werbenden Gedanken …” (Plessner)

Der Nationalsozialismus mit seiner Verachtung von Internationalität, Vernunft und Moral hat diese Linie nur bis zum bitteren Ende ausgezogen. Die Deutschen hatten, als sie einig waren und Weltpolitik trieben, der Welt nichts mehr zu sagen, obwohl sie ihr sehr viel zu sagen hatten, als sie 100 Jahre zuvor noch uneinig waren und nicht Weltpolitik trieben. Wir stoßen damit auf den tiefen Widerspruch zwischen „Geist” und „Macht”, der schon vielfach als charakteristisch für die Deutschen erkannt worden ist, und der sich in diesem Jahrhundert offenbar vollendet hat.

Wenn wir in Bezug auf Deutschland diesen Widerspruch zwischen Geist und Macht konstatieren, so setzen wir voraus, dass es glücklichere Staaten gibt, die Geist und Macht zu verbinden wissen. Wenn wir z. B. den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung” verstehen, dann setzen wir voraus, dass die heutigen Großmächte solche Staaten waren: Ihr Sieg war ja nicht nur ein Sieg der Stärke, sondern auch einer der Freiheit und Gerechtigkeit. In der Tat: Während die Deutschen die Wahrheiten, die sie entdecken durften – die der Reformation und die des Kommunismus – nicht zu verwirklichen wussten, haben die Völker des Westens und des Ostens sie aufgegriffen und konnten nun mit dem Anspruch auftreten, sie verwirklicht zu haben und noch umfassender verwirklichen zu wollen. Insofern war der 8. Mai wahrhaftig kein Tag der Kapitulation, sondern ein Tag der Befreiung der Deutschen zu sich selbst, ein Tag des Sieges des guten über das böse Deutschland, die große Chance der endlichen Identitätsfindung. Die Deutschen konnten jetzt die Macht der Vernunft erfahren, die sie erst nur behauptet und dann verleugnet hatten.

Die Großmächte schienen nicht mit dem Makel der Diskrepanz zwischen Geist und Macht behaftet zu sein. Sie schienen beide vernünftige Macht darzustellen bzw. machtvoll die Vernunft zu vertreten. Aber inzwischen erheben sie diesen Anspruch, indem sie sich wechselseitig – und damit die Menschheit überhaupt – mit Vernichtung bedrohen! Inzwischen läuft die Verwirklichung der Vernunft, die beide anstreben, auf die Vernichtung des Lebens hinaus! Und gegenüber dem, was der Menschheit damit bevorsteht, war der Nationalsozialismus noch ein idyllisches Vorspiel. Gewiss will keiner von beiden geradezu den Krieg mit Massenvernichtungsmitteln, sondern man will die Verhinderung des Krieges z.B. durch Abschreckung mit diesen Mitteln. Der Widerspruch ist jedoch, dass man, soll die Abschreckung glaubwürdig sein, natürlich auch den Krieg wollen Muss. Man will ihn also nicht und will ihn faktisch zugleich doch. Man weiß nicht, was man will. Das ethisch-politische Wollen versagt. Dem korrespondiert die Labilität des Gleichgewichts der Abschreckung. D. h., dass nicht erst der Krieg, sondern schon die Rüstungsdynamik sich der ethisch-politischen Vernunft entzieht und zum „Schicksal” verselbständigt. Der Rüstungswettlauf ist das Symbol der Entfremdung beider Mächte von der Vernunft und vom Leben. Mit ihm untergraben beide das Vertrauen in die Vernunft.

Auch bei den heutigen Großmächten ist somit der Abgrund zwischen Geist und Macht aufgebrochen. Er zeigt sich zunächst bei beiden zusammen, in außenpolitischer Hinsicht: je mächtiger beide werden, desto fragwürdiger erscheint ihre geistige Legitimation; glaubwürdig erscheint sie nur noch dadurch, dass die Macht der einen durch die jeweils andere auch gefährdet ist. – Er zeigt sich aber auch bei jeder für sich, innenpolitisch und sozial: Sind die Menschenrechte in den USA und ihrem Machtbereich verwirklicht? Ist der reale Sozialismus im Machtbereich der Sowjetunion überhaupt Sozialismus? Hat die Verwirklichung beider Ideen je für sich nicht zu ihrer Ideologisierung und Verkehrung geführt? Und musste die getrennte Verwirklichung nicht zur Verkehrung führen?

Die Großmächte haben also jene „Ideen” (des Protestantismus und Marxismus) zwar zur „materiellen Gewalt” werden lassen, aber damit zugleich ihren Gegensatz. Wenn dieser Gegensatz nicht vernünftig überwunden wird, dann bleibt nur der ideenlose Mechanismus der Macht; dann werden die Menschen das „Leben” gegen die zerstörerische „Vernunft’ verteidigen wollen, wird man erneut im „Geist” den „Widersacher der Seele” sehen und in eben den Irrationalismus hineintreiben, den die Deutschen schon praktiziert haben.

Indem die Großmächte nun Deutschland weiterhin spalten, an jener vernunftlosen Dynamik in besonderer Weise teilnehmen lassen und an den Rand des Selbstmordes bringen, halten sie es im Grunde auf diesem Standpunkt fest, konservieren sie das böse Deutschland (und zwar weltweit) und kann der 8. Mai nun auch als Tag der Erneuerung und Vertiefung des Widerspruchs erscheinen, an dem dieses Land schon lange krankte.

Ursprung des Widerspruchs der Ideologien

Wenn „Geist” heute im wesentlichen repräsentiert wird durch die beiden Lehren, die im deutschen Sprachraum geboren wurden und die Menschheit offenbar überzeugt haben, dann rührt dieser Widerspruch vermutlich daher, dass diese Lehren im deutschen politischen Raum nicht vereinigt und so verwirklicht werden konnten. Eine wesentliche Seite des Widerspruchs zwischen Geist und Macht in Deutschland ist jedenfalls der Widerspruch innerhalb des Geistes zwischen Protestantismus und Marxismus. Hat er zur Verzweiflung am Geist überhaupt geführt und die Deutschen in den Irrationalismus und die Machtpolitik hineingetrieben? Oder haben sie deshalb diese Lehren nicht vereinigen können, weil sie dem Irrationalismus der Macht schon verfallen waren? Auch der Widerspruch, in dem die Sendungsideologien der Großmächte zueinander stehen, ist in der deutschen Tradition schon angelegt. Der Widerspruch besteht zunächst darin, dass beide universelle Wahrheitsansprüche erheben und sie damit zugleich widerlegen. Aufgrund ihrer beherrschenden Stellung gerät nun die Wahrheit überhaupt unter Ideologieverdacht. Der Widerspruch innerhalb des Geistes, an dem schon die Deutschen gescheitert sind, bleibt so nach wie vor ungelöst, und die Frage lautet für die Großmächte heute nicht anders als einst für sie: Wird dies zum Verlust ihrer Sendung, zur Verzweiflung an der Wahrheit überhaupt und zum Sieg der irrationalen Machtpolitik führen? Oder können sie jene Ideen deshalb nicht vereinigen, weil sie sie nur als Ideologien benutzen und dem Irrationalismus der Macht schon verfallen sind? Während Deutschland die „Zerstörung der Vernunft” (Lukács) allein und offen betrieben hat, scheinen die heutigen Großmächte sich in dieses Werk teilen zu wollen, wobei heuchlerisch der eine dem jeweils anderen den schwarzen Peter zuschieben kann.

Der Widerspruch besteht sodann – im Hinblick auf die Überzeugungskraft der Ideologien – darin, dass beide eine Lebensform für die Menschheit anbieten, dass aber auf absehbare Zeit ein Übergang der USA zum Kommunismus ebenso wenig zu erwarten ist wie ein Übergang der SU zu einer liberalen Ordnung. Und das hat nicht nur äußere Gründe, also z. B. die eskalierende militärische Abgrenzung gegeneinander oder die so unterschiedlichen historischen Ausgangsbedingungen der Mächte, sondern hier stoßen Prinzipien aufeinander: Überall dort, wo die bürgerlichen Freiheiten fest verankert sind (und wo der radikale Protestantismus prägend war), ist das Anliegen des Kommunismus nie eigentlich ernst genommen worden. Und überall dort, wo der Kommunismus Fuß gefasst hat, haben die bürgerlichen Freiheiten nie eigentlich eine Chance gehabt, sich durchzusetzen.

Im Kontext der deutschen Geschichte sind nun sowohl die letzten Grundlagen bürgerlicher Freiheit als auch die des Kommunismus artikuliert worden und zwar nicht zufällig und beziehungslos nacheinander, sondern die entwickelteste Theorie des Kommunismus ist in der Auseinandersetzung mit der entwickeltesten Theorie des Liberalismus entstanden (Marx-Hegel). Weiter haben in Deutschland sowohl der radikale Protestantismus (im Unterschied zum Osten) als auch der radikale Marxismus (im Unterschied zum Westen) Resonanz gefunden, konnten sich jedoch beide nicht durchsetzen, sondern mussten nach dem Westen bzw. Osten auswandern.

Nicht nur die universalen Ansprüche beider Theorien sind in Deutschland zu finden, auch ihre Grenzen und ihr Scheitern. Es ist hier weder zu einem tragfähigen Kompromiss noch gar zu einer Verbindung zwischen beiden Positionen gekommen, und so war das Land längst geistig gespalten, bevor es infolge der Spaltung der Welt auch politisch gespalten wurde.

Was ist die Ursache? Warum konnten beide nicht vereinigt und so verwirklicht werden? Zunächst einfach deshalb, weil in Deutschland bis 1945 eine dritte, sowohl antiliberale als auch antisozialistische Tradition dominierte, die sich im Bündnis des lutherischen Protestantismus mit den feudalabsolutistischen Gewalten anbahnte und über die verschiedenen Gestalten des Konservativismus schließlich zum Nationalsozialismus führte. In ihr wurde immer schon die Macht höher geschätzt als die Vernunft und die gewordene, gegebene Ordnung höher als ihre Veränderung im Sinne von Freiheit und Gerechtigkeit. Insofern Muss die alte Anbetung der Macht in Deutschland als die Ursache der Spaltung der Vernunft (auch über Deutschland hinaus) angesehen werden.

Nun ist allerdings zu beachten, dass mit dem Vordringen des Liberalismus und dann des Sozialismus sich im Konservativismus ein bedeutsamer Wandel vollzog: er passte sich nämlich – seiner Denkweise durchaus treu – den neuen Gegebenheiten an, ohne freilich deren geistige Voraussetzungen anzuerkennen. Er machte zunehmend Konzessionen, aber so, dass er genau die Elemente beider Bewegungen aufnahm, die weniger ihre Überzeugungskraft als vielmehr ihre Durchsetzungskraft ausmachten. Er zeigte sich flexibel genug, seine Anbetung der traditionellen Macht mit der Benutzung der inzwischen bereitstehenden modernen Machtmittel zu verbinden. Er kombinierte gleichsam das fragwürdig gewordene Alte mit den fragwürdigen Seiten des Neuen und unterschlug natürlich dessen gewinnende Seiten.

Dieser Wandel begann schon mit den Befreiungskriegen, als aus Frankreich zwar nicht die bürgerlichen Freiheiten, aber der Nationalismus importiert wurde. Er setzte sich fort im Wilhelminischen Reich, das den Liberalismus niederhielt, gleichzeitig aber das Großbürgertum hofierte; das die Sozialdemokratie verbot, gleichzeitig aber mittels Sozialgesetzgebung den Staat zum eigentlichen Sachwalter der Arbeiterklasse machte.

Er gipfelte schließlich im Dritten Reich, in dem Liberalismus wie Sozialismus gänzlich „ausgeschaltet” wurden, das Regime sich aber auf ein Bündnis zwischen Großkapital und totalem Staat gründete.

Diese politischen Kunststücke konnte der Konservativismus freilich nur vollbringen, weil die beiden anderen Strömungen solche fragwürdigen Seiten tatsächlich aufwiesen: eben Kapitalismus und Tendenz zum totalen Staat. Sie wurden ja von ihnen selber auch deutlich genug beim Namen genannt! Der Hauptgegner des Liberalismus war ja bald nicht mehr der Konservativismus, sondern der Sozialismus, und dessen Hauptgegner war trotz der Stärke des Konservativismus schließlich doch der Liberalismus. Man denke an die gegenseitige Paralysierung von Demokraten (einschließlich Sozialdemokraten) und Kommunisten, die zum Ende der Weimarer Republik führte! Indem Demokraten wie Kommunisten ihren gemeinsamen Gegner nicht mehr ernst nahmen, offenbarten sie ihren eigenen Konservativismus. Und der Konservativismus konnte ihren Gegensatz nicht nur ausnützen, aus ihm Kapital schlagen, sondern aus ihm auch sein Recht herleiten und eine verlorene Harmonie vor-industrieller Zeiten beschwören.

In der Tat: Konnte denn für die Deutschen um 1930 die westliche Demokratie überzeugend sein, da sie doch mit dem Kapitalismus unlöslich verbunden schien, dessen Verheerungen gerade extrem spürbar waren? Und konnte sie andererseits der östliche Sozialismus überzeugen, in dem sich gerade das stalinistische System etabliert hatte und die brutale Kollektivierung der Landwirtschaft vollzog? Hatte nicht überhaupt der liberale und neuerdings sozialistische Zivilisationsprozess der Menschheit auch maßloses Leid gebracht: die Zerstörung alter Kulturen, die Vernichtung des alten Handwerks- und Bauernstandes, die Verwüstung der Natur? – Insofern erscheint umgekehrt die Spaltung (und Halbierung) der Vernunft als die Ursache der Vergötzung der Macht (im neueren Konservativismus)!

Dadurch nun, dass der Konservativismus die moderne Welt zwar innerlich nach wie vor ablehnte, sich ihr aber äußerlich mehr und mehr anpasste, wurde er eine immer zweideutigere Größe, kam er zunehmend in die verzweifelte Lage, das Gegenteil von dem tun zu müssen, was er wollte bzw. das Gegenteil von dem wollen zu müssen, was er tat. Er wollte die moderne Welt aufheben, aber er musste es mit den Mitteln eben dieser Welt tun. Er musste also die Mittel der modernen Welt bejahen, ohne ihre Zwecke zu bejahen, d.h. aber die Mittel zum Zweck machen! Daher die Zweideutigkeit solcher Kennzeichnungen wie „konservative Revolution”, „Revolution von rechts” oder „revolutionäre politische Romantik”! Daher auch der bis heute nicht beigelegte Streit unter den Historikern, ob der Nationalsozialismus einfach reaktionär oder nicht vielmehr eine „Modernisierungsstrategie” war. War sein Kern nun die Verneinung der modernen Welt oder die Vergötzung ihrer Mittel? War er Romantik oder Pragmatismus der Macht? Man kann diesen Streit jedoch beenden, sobald man erkennt, dass beides zwei Seiten einer Sache sind: Wer sich allein zu den Mitteln der modernen Welt bekennt, Muss die Zerstörung dieser Welt wollen. Und wer romantisch diese Welt rückgängig machen will, braucht tatsächlich nur der Logik ihrer Mittel zu folgen. Denn Vergötzung und Verneinung der modernen Produktivkräfte sind nur Reflex dessen, dass diese Produktivkräfte für sich genommen, isoliert von ihren Zwecken, tatsächlich zugleich Destruktivkräfte sind.

Es schien, dass mit der Anti-Hitler-Koalition die Ursache der Anbetung der Macht, eben die Spaltung der Vernunft, endlich beseitigt werden würde. Aber die Alliierten waren sich nur einig gegenüber der Unvernunft des Nationalsozialismus, und sobald sie beseitigt war, trat der Gegensatz zwischen ihnen erst in voller Schärfe hervor. D. h. aber, dass die Spaltung der Vernunft, die Ursache der Machtvergötzung, die Wurzel von „revolutionärer politischer Romantik” nicht nur nach wie vor vorhanden, sondern sogar stärker als je zuvor ist!

Zunächst werfen ja die Großmächte (und mit ihnen die deutschen Staaten) selber einander vor, die Ursachen des Nationalsozialismus nicht beseitigt zu haben, also zu analogen Erscheinungen zu tendieren. Wir können nur hoffen, dass es sich dabei um ideologische Übertreibung handelt. Nur wenn der Westen nicht allein von monopolkapitalistischen, sondern auch noch von demokratischen Kräften bestimmt ist, und wenn der Osten nicht allein von etatistischen, sondern auch noch von sozialistischen Kräften geprägt ist, besteht nach wie vor Hoffnung auf eine „Koalition der Vernunft” (Honecker). Falls jedoch beide mit diesen Vorwürfen recht haben, so müssten wir davon ausgehen, dass die internationale Politik heute einer der nationalsozialistischen Politik ähnliche Tendenz aufweist. Und das nicht ohne Grund! Denn wenn wir den Nationalsozialismus – vereinfacht – als eine Kombination von Kapitalismus und totalem Staat auffassen, dann ist diese Kombination heute zwar aufgelöst, aber ihre Elemente sind nach wie vor vorhanden. Man Muss sich sogar fragen, ob die Großmächte sich nicht nur deshalb gegenüber dem Nationalsozialismus einig waren, weil sie ihre eigenen Schwächen in ihm wie in einem Spiegel wiedererkannten: die westliche Demokratie ihre kapitalistische Grundlage, der östliche Sozialismus seine despotische. Das Wesen des Nationalsozialismus ist danach gleichsam zerlegt und seine Attribute sind aufgeteilt worden. Oder es erscheint nicht mehr eine zwischen ihnen waltende Beziehung. Dieselbe Zweideutigkeit, die wir am Nationalsozialismus festgestellt haben, ist auch dem Gleichgewicht des Schreckens eigen: Es soll den Frieden sichern, den Krieg verhindern; d. h. es soll nur den Nicht-Krieg sichern, den wir haben, nicht etwa positiv Frieden schaffen; es geht nur noch konservativ darum, zusammenzuhalten, was jeder an Macht erworben hat, nicht etwa progressiv um die Durchsetzung von Recht und Gerechtigkeit; es geht nur noch um die Mittel der modernen Welt, gar nicht mehr um ihre Zwecke; „glaubwürdig” Muss man darum nur sein in der Fähigkeit und dem Willen, den anderen in Schrecken zu versetzen und womöglich zu vernichten, nicht etwa im konstruktiven Entgegenkommen; man Muss, indem man die Zerstörung der modernen Welt nicht will, sie doch zugleich wollen, weil man eben auf die Mittel der modernen Welt fixiert ist und ihre Zwecke im Grunde vergessen hat; man Muss politischer Romantiker sein, weil man Pragmatiker der Macht ist.

Dem ursprünglichen Liberalismus und Sozialismus galt der Krieg als eine Institution der alten, vom Konservativismus repräsentierten Welt. Der heutige Liberalismus und Sozialismus hält zwar an dieser Auffassung fest, paradoxerweise jedoch zugleich an dieser Institution.

Beide haben zwar den Konservativismus der Deutschen besiegt, aber nur um den Preis, nun ihren eigenen Konservativismus offenbaren zu müssen. Gemessen am ursprünglich liberalen bzw. sozialistischen Anspruch ist die heutige Außenpolitik der Großmächte ein modern aufgeputztes Relikt aus der alten, vorbürgerlichen Welt.

Die Sackgasse, in die beide in ihrem Verhältnis zueinander geraten sind, bestätigt so, was der deutsche Konservativismus mit seinem Primat der Außenpolitik richtig erkannt und brutal ausgenutzt hat: dass die Menschheit international sich nach wie vor im Hobbesschen „Naturzustand” befindet. Eine wahrhafte „Entnazifizierung”, ein durchgeführter Antifaschismus kann daher nicht weniger bedeuten als die Überwindung des Naturzustandes in den internationalen Beziehungen.

Und da die widersprüchliche Einheit von Pragmatismus und Romantik, von Vergötzung und Verneinung der modernen Produktivkräfte nur der Ausdruck dessen ist, dass diese tatsächlich zugleich Destruktivkräfte sind, Muss sie auch noch einhergehen mit einer Umgestaltung der Struktur dieser Kräfte, d. h. des Verhältnisses zur Natur. Billiger ist der Antifaschismus nicht zu haben. Nur wenn mit den Liberalen und sozialistischen Prinzipien in diese Dimensionen vorgestoßen wird, kann ihnen wieder Geltung verschafft werden.

II. Die Wahrheit der Nachkriegszeit, ihre Verdrängung und Wiederkehr

Freiheitlicher Sozialismus

Es ist ein starkes Argument für unsere These und geradezu erstaunlich, wie weitgehend die antifaschistische deutsche Intelligenz und die neugegründeten Parteien unmittelbar nach Kriegsende in der innenpolitisch-sozialen Orientierung übereinstimmten. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass jedenfalls in den Grundzügen Klarheit darüber bestand, was Umkehr gegenüber dem nationalsozialistischen Weg bedeuten müsste.

So veröffentlichte z. B. schon am 13. 4. 1945 eine Gruppe der gerade befreiten Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald ein Manifest „Für Frieden, Freiheit und Sozialismus”, das auf Diskussionen im Lager zurückging und Lehren aus der Geschichte der Weimarer Republik und der Arbeiterbewegung zu ziehen suchte. In ihm wurde sowohl die Wiederherstellung der „bürgerlichen Freiheiten der Person, des Glaubens, des Denkens, der Rede und Schrift, der Freizügigkeit und des Koalitionsrechts” als auch die Sozialisierung der Banken, der Bergwerke, der Schwerindustrie und des Großgrundbesitzes gefordert.

Ein „neuer Typ von Demokratie” wurde ins Auge gefasst, der den Massen eine „effektive Betätigung in Politik und Verwaltung” ermöglichen würde. Dem sollte z. B. die Abschaffung des „privilegierten Berufsbeamtentums” und eine Vereinfachung der Verwaltung dienen, oder eine „vom Staat unabhängige Gewerkschaftsorganisation”, die „die Selbstverwaltung und Selbstverantwortung” der Arbeiter und Angestellten erneuern und stärken sollte. Mutig der Satz im Abschnitt über die notwendigen geistigen Veränderungen: „Uns kann niemand umerziehen, wenn wir es nicht in Freiheit selbst tun”.[2]

Hermann Brill, ein maßgebender Mitverfasser des Manifests, wurde im Mai 1945 unter amerikanischer Besatzung zum ersten Ministerpräsidenten in Thüringen, gründete Anfang Juli einen „Bund demokratischer Sozialisten”, der Sozialdemokraten und Kommunisten vereinigen sollte, wurde jedoch im selben Monat von der inzwischen eingerückten Sowjetarmee wieder abgesetzt, weil seine Pläne der Gegenwart nicht angemessen seien.[3]

Im Unterschied zu Brill lehnte zwar die unter Kurt Schumacher sich formierende SPD einen Zusammenschluss der Arbeiterparteien von vornherein ab, vertrat aber ähnliche Ziele. Schumacher 1946: „Entweder wird es uns gelingen, Deutschland in seiner Ökonomie sozialistisch und in seiner Politik demokratisch zu formen, oder wir werden aufhören, ein deutsches Volk zu sein.”[4] Wir erleben in dieser Zeit eine Sozialdemokratie, die noch (oder wieder) ernstlich sozialistische Forderungen stellte! Die kapitalistische Marktwirtschaft wurde abgelehnt, denn sie biete „keine Gewähr gegen eine Wiederkehr krisenhafter Störung, keine Gewähr gegen imperialistische Tendenzen, … keine Gewähr gegen faschistische Entwicklung”.’ Und es gelang der SPD in mehreren Ländern der Westzonen sogar, die Sozialisierung der Schlüsselindustrien verfassungsmäßig zu verankern (Hessen, Bremen) bzw. zum Gesetz zu erheben (Nordrhein-Westfalen)! Jedoch wurden auch diese Vorstöße von den Besatzungsmächten unterbunden.

Andererseits erleben wir 1945 eine KPD, die noch ernstlich demokratische Ziele verfolgt! Bekanntlich strebte die KPD ja zunächst nicht eine sozialistische, sondern eine antifaschistisch-demokratische Ordnung an. Im Gründungsaufruf vom 11. 6. 1945 heißt es: „Wir sind der Auffassung, dass der Weg, Deutschland das Sowjetsystem aufzuzwingen, falsch wäre, denn dieser Weg entspricht nicht den gegenwärtigen Entwicklungsbedingungen in Deutschland.” Zu beschreiten sei vielmehr der „Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk.”[5] Allerdings führte die Tatsache, dass „die demokratische Umwälzung im Osten Deutschlands untrennbar mit dem von der Sowjetunion geführten Kampf gegen das imperialistische System verbunden war”[6] und die KPD nicht die erhofften Mehrheiten gewinnen konnte (vergleiche auch die Wahlen in Österreich und Ungarn November 1945!), die Partei sehr bald von diesem Weg ab.

Wie die SPD also aufgrund des Eingriffs der Westmächte ihre sozialistischen Ziele nicht verwirklichen konnte, so konnte die KPD aufgrund ihrer Abhängigkeit von der Sowjetunion ihre demokratischen Ziele nicht beibehalten.

Zu allem Überfluss haben wir aber in diesen Jahren sogar eine CDU vor uns, die in ihrer Kritik des Kapitalismus den anderen Parteien nicht nachstand! Die Liberal-Konservativen um Adenauer bestimmten noch keineswegs das Bild, vielmehr warben alle drei zunächst wichtigen Gruppierungen in der Partei – die rheinisch-westfälischen christlichen Gewerkschafter um Johannes Ambers und Karl Arnold, die Frankfurter Gruppe um Walter Birks und Eugen Kogon und die Berliner Richtung um Jakob Kaiser und Ernst Lemmer – für einen christlichen Sozialismus! „Wer soll der Träger der geplanten Wirtschaft sein? Nicht eine Clique (von Kapitalisten, Nazis, Bürokraten, Parteiführer), nicht der Staat (er nur federführend, jeweils vorläufig, stellvertretend und partiell), sondern das Volk. Das bedeutet technisch-organisatorisch so etwas wie ,Wirtschaftsdemokratie`. Wir haben nicht vergessen, dass die Demokratie von 1918 auch deshalb machtlos war, weil sie nur den Staat, nicht aber die Wirtschaft zu demokratisieren unternahm.”[7] Sozialismus sei einerseits nicht bloß Sozialpolitik, die „unsystematisch” immer nur „Teile angreift”, sondern er gehe „aufs Ganze des sozialen Lebens”; er sei andrerseits aber auch nicht „Etatismus”, „Verstaatlichung”, sondern sozialisieren bedeute „vergenossenschaften, vergesellschaften”. Solche Vorstellungen haben sich – schon abgeschwächt – noch im „Ahlener Programm” der CDU von 1947 niedergeschlagen: Es sprach sich für die Vergesellschaftung der Grundstoffindustrien, die Entflechtung der Grundstoffindustrien, die Entflechtung von Monopolen und Kartellen, staatliche Wirtschaftslenkung und eine stärkere Mitbestimmung der Arbeiter aus.[8] Freilich wurde dieses Konzept bald durch das der „Sozialen Marktwirtschaft” verdrängt.

Humanisierung der Technik

Was nun den Grund der bisherigen Unvereinbarkeit von demokratischer Innenpolitik und sozialistischer Ökonomie betrifft, die Irrationalität unseres Produzierens, so hat es auch davon in der Nachkriegszeit ein waches (wenn auch weniger verbreitetes) Bewusstsein gegeben.

Zu erinnern ist hier zunächst an den Übergang Horkheimers und Adornos von der Kapitalismuskritik zur „Kritik der instrumentellen Vernunft”, der sich freilich schon unter dem Eindruck der amerikanischen Lebensweise angebahnt hatte.[9] Aber ihre Einsichten sind in Deutschland damals weithin unbekannt geblieben. Den treffendsten Beleg für jenes Bewusstsein habe ich in dem programmatischen Aufsatz von Alexander Mitscherlich „Entwicklungsgrundlagen eines freiheitlichen Sozialismus” aus dem Jahre 1946 gefunden. Im Hinblick auf den Westen erfasst Mitscherlich die Tendenzen, die über den Monopolkapitalismus hinausgehen: Die Produktion ist nicht mehr von der Konsumentennachfrage bestimmt, auch nicht mehr nur vom Verwertungsinteresse des Kapitals, sondern vom Rüstungsinteresse des Staats. Die Produkte verwandeln sich zunehmend aus Gebrauchs- in Vernichtungsgüter. An die Stelle des Konkurrenzkampfes, des Wettlaufs um künftige Märkte und der Aneignung fremder Märkte tritt der Wirtschaftskrieg, der Rüstungswettlauf und die Zerstörung fremden Wirtschaftsraums. Von dieser Entwicklung sind nicht mehr nur die Besitzlosen, auch die Besitzenden betroffen. „Die technische Entwicklung bringt den Übergang vom Klassenkampf zur Existenzbedrohung aller Menschen.” „Die Technik ist in den Zustand des explosiven Zerfalles übergegangen.” Seltsamerweise haben sich aber auch die sozialistische Bewegung und die Sowjetunion bisher von Technik und sogenanntem Fortschritt faszinieren lassen. Die Kehrseite dieser Faszination ist, dass unter den Bedingungen des Staatseigentums sich an der Art der Arbeit gar nichts ändert: Ob Privat- oder Staatseigentum, „in beiden Fällen sind Arbeitsteilung, Arbeitsform, Unselbständigkeit, Einflusslosigkeit des Arbeiters auf das Produkt gleich groß… Das Produkt wird nicht im Hinblick auf den Menschen, sondern der Mensch im Hinblick auf das Produkt gesehen”.[10] Die jetzt in Deutschland aktuelle Umstellung von Kriegs- auf Friedensproduktion sollte daher in einem radikaleren Sinne als Umgestaltung der Art des Produzierens selber begriffen werden! Nur so kann dem Misstrauen der Siegermächte Rechnung getragen werden, dass aus Friedens- ja leicht wieder Kriegsproduktion werden könne. Das Ziel muss eine Gesellschaft sein, „die sich nach den Gesetzen menschlicher Bedürftigkeit (…) bestimmt”. Es müssen „Rationalisierung und Humanisierung der Technik zu einer festen Verbindung, zur Legierung gebracht werden, denn es gibt kein Zurück aus der industriell-technisch-rationalisierten Lebensform.”. „Hinter dem nationalen Zusammenbruch Deutschlands (…) muss die Chance der Wiedergewinnung der menschlichen Vorherrschaft im technischen Raum gesehen werden. Nur wenn dies gelingt, können wir die angestrebte Demokratie vom Wunschtraum zur Wirklichkeit entwickeln.« Die Tatsache, dass dies nicht gelungen ist, ist der tiefere Grund dafür, dass die Verbindung von Demokratie und Sozialismus in Deutschland ein Wunschtraum blieb, denn auf die Eigendynamik der Technik ist letztlich auch die Konfrontation der Großmächte zurückzuführen.

Ein Wunschtraum?

Wenn ich von der „Wahrheit der Nachkriegszeit” spreche, so gehe ich von der alten Beobachtung aus, dass Leiden tiefere Erkenntnis beschert als Sattheit. Dennoch muss man natürlich fragen, ob jene Wahrheit nicht von vornherein ein Wunschtraum war, weil die Masse der Deutschen für einen freiheitlichen Sozialismus gar nicht reif war oder weil der Konflikt der Großmächte der Verwirklichung im Wege stand.

Was nun die Reife der Deutschen betrifft, so ist ein hinlänglich klares Urteil darüber m. E. gar nicht möglich, weil die Herrschaft der Besatzungsmächte es gar nicht erlaubte, solche Reife zu entwickeln und zu bewähren.

Ich bin also wie (wohl) die Mehrheit der Historiker der Auffassung, dass die Eingriffe der Siegermächte die deutsche Nachkriegsentwicklung in höherem Grade bestimmt haben als Meinung und Wille der Deutschen. Immerhin zeigten die Deutschen Reife, als sie sofort nach Kriegsende an vielen Orten spontan antifaschistische Ausschüsse aus Kommunisten, Sozialdemokraten und unterschiedlichen Bürgerlichen bildeten, die Verwaltungsaufgaben übernahmen. Die Ausschüsse wurden jedoch von den Besatzungsmächten überall wieder aufgelöst. – Man denke auch an die Wiederaufnahme des in den zwanziger Jahren entwickelten Konzepts der Wirtschaftsdemokratie durch die Gewerkschaften, das aufgrund der Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Betriebsführung in der Demokratisierung des Betriebes einen neuen Schwerpunkt erhielt.[11] Bekanntlich konnte die Mitbestimmung nur in der rheinischen Montanindustrie infolge günstiger Umstände (britische Laborregierung) verwirklicht und später aufgrund der Reife der Gewerkschaften behauptet werden.” Sonst jedoch wurde eine entsprechende Gesetzgebung hauptsächlich durch die amerikanische Militärregierung hinausgezögert und vereitelt.[12] In der sowjetischen Besatzungszone wurden die Betriebsräte mit ihren ohnehin schon geringeren Rechten 1948 beseitigt. – Bei der Begründung der beiden deutschen Staaten wurde nach jener Reife schon gar nicht mehr gefragt.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik wurde nach Direktiven der Militärgouverneure ohne öffentliche Diskussion von Vertretern der Länderparlamente ausgearbeitet und trat ohne Volksabstimmung in Kraft. In der sowjetischen Zone fand zwar eine öffentliche Diskussion statt und wurde ein Volkskongress gewählt, der über die Verfassung abstimmte; sowohl die Diskussion als auch der Volkskongress standen aber infolge der Eingriffe der sowjetischen Militäradministration, der gefallenen sozialökonomischen Vorentscheidungen und der Blockpolitik längst alternativlos unter dem Einfluss der SED. (Diese hatte 1948 übrigens schon begonnen, sich zur stalinistischen „Partei neuen Typs” umzubilden.)

Was andererseits den Konflikt der Großmächte betrifft, so musste er sich wohl zunächst in seiner ganzen Tragweite entfalten. Der erneute Kalte Krieg Anfang der 80er Jahre hat jedoch deutlich gemacht, dass der Konflikt nicht durch ein System der Abschreckung stillgestellt werden kann. Demnach führt er entweder in die Katastrophe oder er wird vernünftig reguliert. Im letzteren Fall müssen sich die Bedingungen der Verwirklichung jener Wahrheit aber notwendig verbessern. Mir scheint also, dass jene Wahrheit uns heute einholt und aufgrund der Erfahrungen seit 1945 konkreter entfaltet werden kann.

Konstruktive Zivilisationskritik

Was der deutschen Intelligenz in den Leiden der Nachkriegszeit aufging, war zunächst, dass Umkehr gegenüber dem Nationalsozialismus Hinwendung zu liberalen und sozialistischen Prinzipien zugleich bedeuten musste; und zwar einfach deshalb, weil der Nationalsozialismus beide zugleich verneint hatte und eine Verbindung von Despotie und Kapitalismus darstellte. Die Wahrheit, die nur wenige Tieferblickende sahen, war sodann, dass die damit anvisierte neue Gestalt des Zusammenlebens auch ein ganz neues Verhältnis zur Natur voraussetzen würde; dies aber deshalb, weil der Nationalsozialismus die Leichtigkeit des Umschlags von Friedens- in Kriegsproduktion bzw. allgemeiner: von Industrialismus in Romantik, von Unterwerfung der Natur in Unterwerfung unter die Natur demonstriert hatte.

Um diesen Zusammenhang noch einmal aus heutiger Sicht zu erläutern: Der Nationalsozialismus war die Vollendung und das Ende einer in Deutschland herrschenden zivilisationskritischen Tradition, die den Krieg als eine notwendige Reaktion auf die Hybris des Friedens verstand: Der Krieg lehrt die Menschen, was sie im Frieden gern vergessen: ihre Angewiesenheit aufeinander und auf die Natur. Spätestens seit der Entwicklung der Atombombe wissen wir, dass der Krieg, wenn er diese zivilisationskritische Funktion je wirklich erfüllt hat, sie jedenfalls nun nicht mehr haben kann. Dass damit aber zugleich die Frage nach einer neuen Gestalt des Friedens gestellt war, scheinen wir bis heute nicht recht begriffen zu haben. Wollte man nach 1945 zu einem Frieden kommen, so durfte das nicht wieder die alte, auf Konkurrenz in der Naturunterwerfung abgestellte Ordnung sein, durfte man nicht den zivilisatorischen „Fortschritt” blind weitertreiben! Genau das hat man aber getan! Kein Wunder also, dass man die Gefahr einer letzten, äußersten Reaktion der Natur heraufbeschwor: die der atomaren Vernichtung der Zivilisation überhaupt. Nicht nur der „Naturzustand” der internationalen Beziehungen ist in sein kritisches Stadium getreten, auch der Zustand unserer „zweiten” Natur. – Kein Wunder daher auch, dass wir Deutschen bis heute keinen Friedensvertrag haben! Es konnte ihn im traditionellen Sinne gar nicht mehr geben, weil nach diesem Krieg eben eine neue Epoche begann. Die alte deutsche Zivilisationskritik hatte sich überlebt, aber eine neue, -instruktive Zivilisationskritik war weder gefunden noch überhaupt gefragt. Sie zeichnete sich nur in der Philosophie ab und gewinnt erst heute Gestalt im öffentlichen Bewusstsein. In ihr liegt aber die deutsche Identität, nach der wir heute wieder fragen! Solange sie von uns nicht wenigstens ansatzweise konkretisiert wird, kann die Welt mit uns nicht Frieden schließen. Ein Friedensvertrag mit Deutschland verlangt im Grunde nicht nur den Übergang zu einem Rechtszustand in den internationalen Beziehungen, sondern auch den Übergang zu einer naturgemäßeren Produktionsweise. Weil das nach dem Krieg nicht gelang, aus Hilflosigkeit gegenüber dieser völlig neuen und übergroßen Herausforderung, konnte man Deutschland nur teilen und in die Krise einbeziehen. So folgte aus der Verselbständigung der instrumentellen gegenüber der kommunikativen Vernunft die Spaltung der letzteren und die Spaltung Deutschlands. Das führte dann zu dem paradoxen Ergebnis, dass die Wahrheit der Nachkriegszeit bald kaum noch jemand erkennen wollte bzw. konnte. Im Rausch zweier „Wirtschaftswunder” war da bald in Deutschland kaum noch einer, der seine Schuld und Schuldigkeit bekannte; waren da nur noch Gerechte, die andere beschuldigten!

Die Logik der Verdrängung

Hätte die bedrohliche Situation Anfang der 80er Jahre uns nicht endlich von den Halbwahrheiten freimachen müssen, bei denen wir in der Auseinandersetzung mit unserer Vergangenheit stehengeblieben waren (sind)?

Wenn in der Bundesrepublik der Nationalsozialismus immer noch als Form des Totalitarismus diagnostiziert wird (vgl. den „Historikerstreit”!)[13], dann will man sich offenbar von der eigenen Vergangenheit entlasten und ihre Last allein der DDR zuschieben. Und wenn in der DDR der Nationalsozialismus als Form des Monopolkapitalismus begriffen wird, dann ist das derselbe Vorgang der Selbstrechtfertigung und Fremdbeschuldigung. Schon dies macht beide Diagnosen fragwürdig. Im alltäglichen Umgang miteinander würde man solche Kontrahenten auffordern, sich zunächst einmal an der eigenen Nase zu zupfen, oder schärfer: den Balken im eigenen Auge zu entdecken.

Darüber hinaus entlasten diese Diagnosen aber uns Deutsche auch insofern, als ja beide besagen, dass es letztlich nicht um unsere Schuld und Verantwortung zu tun ist, sondern um die der Systeme, dass es gleichsam Krankheiten der Menschheit sind, von denen wir befallen waren. Und daraus folgt für heute, dass wir nichts tun können als zu warten, bis die Menschheit von diesen Krankheiten genesen oder an ihnen zugrundegegangen ist. Dies letztere, dass die Menschheit und zumal Deutschland an ihnen zugrundegehen würde, zeichnete sich nun Anfang der 80er Jahre wieder deutlich ab.

Zu fragen war daher, ob nicht beide Diagnosen zusammen gerade als belastend, als Ausdruck von Schuld verstanden werden müssen. Wenn die doppelte Negation wieder Bejahung ist, so sind die Antifaschisten, die sich gegenseitig zu „negieren” trachten, wieder Faschisten! Wenn keiner von beiden mehr eingestehen möchte, am faschistischen Erbe zu tragen, dann tragen alle beide faschistische Züge! Wenn die Ansichten über den Faschismus sich derart widersprechen, dass man beim besten Willen nicht wissen kann, was der Faschismus nun war, dann gibt es jedenfalls bis heute auch keinen Antifaschismus. Hing das Entlastende beider Theorien und die Unbußfertigkeit, mit der sie vertreten wurden, nicht damit zusammen, dass da nur noch in Machtkategorien gedacht wurde? Und hatte das nicht in Deutschland schon seit dem vorigen Jahrhundert Tradition? Von eigener Schuld kann man ja nur sprechen, wenn man von der Kraft des Geistes etwas hätte.

Täte man dies, so würde man zunächst einmal diskutieren können, ob der Nationalsozialismus nicht von vornherein beides zugleich war: eine explosive Verbindung gleichsam von kapitalistischer Ökonomie und totalitärer Politik. Man würde damit dem Spezifischen des Nationalsozialismus jedenfalls insofern auf die Spur kommen, als man wieder verstehen könnte, wieso er gegen Sozialismus und Liberalismus gerichtet war und von deren Repräsentanten in Ost und West gemeinsam bekämpft werden konnte. Er war ein Angriff auf die moderne Zivilisation im Ganzen, und die entsprechende geistige Zivilisationsfremdheit war in Deutschland schon seit der Romantik zu Hause. – Zugleich würde man damit allererst den Begriff von Zivilisation wiedergewinnen, der der Anti-Hitler-Koalition und der Schaffung der Vereinten Nationen zugrundelag.

Allerdings müsste man dabei eben eingestehen, dass jene die Zivilisation gefährdenden Größen beide nach wie vor vorhanden sind! Vertreter der DDR müssten über die stalinistischen, „totalitären” politischen Formen in ihrem Land offen sprechen, und Vertreter der Bundesrepublik über deren monopolkapitalistische Ökonomie. Warum ist das heute kaum vorstellbar?

Beide können den Balken im eigenen Auge deshalb nicht erkennen, weil sie damit dem jeweiligen Gegner Recht geben und sich ihm übergeben würden. Ein Schuldgeständnis würde ja nicht vor einem unparteiischen Richter erfolgen, sondern nur die Auslieferung an die andere, in anderer Weise schuldige Partei bedeuten. Wir leben so in einem System wechselseitiger Verhinderung von Schulderkenntnis und Umkehr! Indem die DDR von ihrer stalinistischen Herrschaft frei werden sollte, würde sie fürchten, dafür nur eine monopolkapitalistische Ökonomie einzutauschen. Und indem die Bundesrepublik diese ihre Ökonomie selbst infragestellen wollte, würde sie befürchten, die bürgerlichen Freiheiten preisgeben zu müssen. Es scheint, dass der Kapitalismus von der Demokratie und die Despotie vom Sozialismus nicht abzutrennen sind. (Dies letztere versucht man inzwischen in der Sowjetunion – ein Versuch von welthistorischer Bedeutung!) Das ist das Dilemma des Kalten Krieges und der Spaltung Deutschlands. Das Positive, das man ihm abgewinnen kann, ist immerhin, dass es im Gegensatz zum Nationalsozialismus, die Trennung der beiden die Zivilisation gefährdenden Faktoren bedeutet. Und wenn darüber hinaus jeder der Kontrahenten es ertragen lernt, vom anderen infragegestellt zu werden, so gelangt man sogar zu einer gewissen „Entspannung” oder „friedlichen Koexistenz”: Es bleibt zwar dabei, dass keiner sich selbst infragestellt, aber wenigstens lässt sich nun jeder vom anderen infragestellen. Die militärische Seite dessen ist das Konzept der Abschreckung: Jeder gesteht dem anderen eine Zweitschlagekapazität zu, mit der er, falls der eine schuldig wird, auch als Toter noch Vergeltung üben, d. h. Richter sein kann. Fiat iustitia, pereat mundus! Jeder ist gewissermaßen Angeklagter und Richter zugleich, und so wird das Urteil vertagt.

Durch diese wechselseitige Infragestellung wird also wieder die Vereinigung der beiden die Zivilisation untergrabenden Größen, die eine dem Nationalsozialismus analoge Erscheinung wäre, verhindert. Die despotische politische Form ist demnach notwendig nur, insofern sie die kapitalistische Ökonomie wirksam in die Schranken weist. Und diese wiederum ist notwendig nur, insofern sie die Despotie wirksam infragestellt.

Obwohl es unter diesem Gesichtspunkt keine Alternative zum Systemgegensatz gibt, sind hier immerhin sozialistische Ökonomie einerseits und liberale Politik andererseits noch als Zwecke vorausgesetzt und die mit ihnen verbundene totalitäre Politik bzw. kapitalistische Ökonomie nur als unumgängliche Mittel zu ihrer Erhaltung verstanden.

Aber können denn jene Zwecke diese Mittel heiligen? Sind die Despotie vom Sozialismus und der Kapitalismus von der Demokratie wirklich nicht abzutrennen? In der ursprünglichen Intention des Sozialismus wie der Demokratie lagen diese Mittel jedenfalls nicht! Von der ursprünglichen Intention her ist die Bindung an diese Mittel vielmehr als Verkehrung einzuschätzen! Kann man es also dabei belassen, dass keiner mehr von seiner eigenen Legitimationsbasis her sich selbst infragestellt? (Die Sowjetunion macht, wie gesagt, heute den Versuch dazu.) Und kann denn eine Verkehrtheit durch eine andere glaubwürdig infragegestellt werden? Können denn die Vertreter einer monopolkapitalistischen Ökonomie eine despotische Politik glaubwürdig kritisieren, und umgekehrt die Vertreter dieser Politik jene Ökonomie? Wenn sie sich aber gar nicht glaubwürdig kritisieren, dann tun sie es nur zum Schein, dann bestätigen sie sich womöglich sogar wechselseitig, sind sie Extreme, die in ihrem Widerspruch zusammengehören! Der jeweils eine braucht die Verkehrtheit des anderen, um als „richtig” erscheinen zu können. Jeder bezieht die eigene „Wahrheit” nur aus der Falschheit der anderen Position. Das Wahre wäre so am Ende nur ein Schein, der durch die Doppelung des Falschen zustande käme, und beide lebten ideell nur noch von dieser Täuschung.

Die inzwischen bekannte Kritik am Abschreckungskonzept und seinen Konsequenzen muss daher auch auf den sogenannten „friedlichen Wettstreit” der Systeme ausgedehnt werden. Wie die Art und Weise der Verhinderung des Krieges durch Abschreckung gerade die Kriegsgefahr erhöht, so verstärkt dieser friedliche Wettstreit gerade die Widersprüche in und zwischen den Systemen. Zwar wird dem Gegner eine Zweitschlagekapazität eingeräumt, im Grunde aber nicht nur ständig Kriegsbereitschaft demonstriert, sondern auch daran gearbeitet, den Krieg wieder führbar und gewinnbar zu machen. Entsprechend erträgt man zwar die Infragestellung des eigenen Systems durch den anderen, im Grunde jedoch ist man weiter damit beschäftigt, es zu erhalten und der übrigen Welt zu oktroyieren. Der beiderseitigen redlichen Absicht, den großen Krieg zu verhindern, entspricht eine gewisse wechselseitige Infragestellung von Kapitalismus und Despotie (man erinnere sich an die 60er Jahre!). Dem gleichzeitigen Zwang zur Kriegsbereitschaft (um der Glaubwürdigkeit der Abschreckung willen) entspricht ein Zwang zur wechselseitigen Steigerung von Kapitalismus und moderner Despotie. Je glaubwürdiger die Abschreckung, desto unglaubwürdiger daher das positive Friedensangebot (Demokratie bzw. Sozialismus), das die beiden der Menschheit machen können.

Wir kommen zu dem bestürzenden Ergebnis, dass die zwei die Zivilisation gefährdenden Faktoren nicht nur nach wie vor wirksam sind, sondern dass sie bei aller Gegensätzlichkeit untergründig in ähnlicher Weise miteinander verbunden sind wie es im Nationalsozialismus schon einmal der Fall war. Und zu diesem Ergebnis sind wir gekommen, indem wir nichts weiter getan haben, als versuchsweise einmal die Grundpositionen beider Lager ernst zu nehmen.

Worin steigern sich aber Kapitalismus und Despotie wechselseitig? Was macht ihre Zusammengehörigkeit aus? Es ist real die Verselbständigung der Mittel gegenüber den Zwecken, der Macht gegenüber dem Geist, der instrumentellen gegenüber der kommunikativen Vernunft, und ideell der entsprechende Götzendienst der Mittel und der Macht, der Industrialismus. Dass die Mittel nicht mehr durch politisch-moralische Zwecke kontrolliert sind, heißt aber nicht, dass die Zwecke einfach fehlen, sondern dass das Defizit durch Zwecke von gestern und vorgestern ausgefüllt wird. Wenn wir politisch-moralisch hinter unseren technischen Potenzen zurückgeblieben sind, dann ist damit eigentlich schon gesagt, dass die Kehrseite des Industrialismus eine politisch-moralische Romantik ist. Diese Romantik erhält ihre ganze Radikalität aber erst dadurch, dass die sogenannten Produktivkräfte als solche, losgelöst von übergeordneter Sinngebung und selber zum Sinn erhoben, gar nicht mehr eindeutig Produktivkräfte, sondern mindestens zugleich Destruktivkräfte sind, also durchaus gleichgültig sind gegenüber dieser Unterscheidung, eine „zweite” Natur in Analogie zur „ersten”. Ständig und unweigerlich droht daher der Umschlag von Produktion in Destruktion, von Faszination durch die zweite Natur in Sehnsucht nach der ersten Natur. Diese Romantik, die im Gleichgewicht des Schreckens (dem auf der Möglichkeit der Vernichtung der Zivilisation gegründeten Frieden!) versteckt enthalten war, brach in der Strategie eines begrenzten, damit führbaren und gewinnbaren Atomkriegs wieder offen hervor, und sie war eben die notwendige Folge des in der Zeit der Entspannung weitergetriebenen Industrialismus.

Sie war aber auch für den Nationalsozialismus und die ihn vorbereitende deutsche Tradition charakteristisch! Nur mit dem Unterschied, dass hier der Akzent offiziell auf der Romantik lag und der Industrialismus die Kehrseite war.[14] Kam also mit der Gefahr des begrenzten – und zwar wahrscheinlich auf Mitteleuropa begrenzten – Atomkriegs die verdrängte nationalsozialistische Vergangenheit wieder an den Tag der Gegenwart? Und in welchem Sinne? Als ungeheizte Krankheit der Menschheit oder als unabgegoltene Schuld der Deutschen?

Bei der Entscheidung dieser Frage konnte aber die Tatsache, dass die Bedrohung jetzt doch jedenfalls von außen kam, zumal deshalb nicht ausschlaggebend sein, weil sowohl die politische als auch die geistige Gestalt dieses Außen von Deutschland wesentlich mitbestimmt worden ist. Ohne die deutsche Machtpolitik dieses Jahrhunderts gäbe es die heutige Polarisierung der Menschheit nicht. Und andererseits: ohne Reformation und Marxismus keine moderne Demokratie und keinen modernen Sozialismus.


Anmerkungen

1. Im folgenden handelt es sich um Auszüge aus: Edelbert Richter, Zweierlei Land – eine Lektion. Konsequenzen aus der deutschen Misere. Mit einem Vorwort von Martin König, radix-blätter, Berlin 1989, 110 S.. Vgl. auch “Die Wahrheit der Nachkriegszeit”, in: Ders., Christentum und Demokratie in Deutschland. Beiträge zur geistigen Vorbereitung der Wende in der DDR, Leipzig / Weimar 1991, S. 193-201.

2. Overesch, Manfred, Deutschland 1945-1949, Königstein / Düsseldorf 1979, S. 171ff.

3. Ebenda, S. 37 und S. 70ff.

4. Ebenda, S. 87.

5.Die Errichtung der Arbeiter- und Bauernmacht in der DDR 1945-1949, Autorenkollektiv, Berlin 1983, S. 18f.

6. Ebenda, S. 19.

7. Dirks, W., Die zweite Republik, Frankfurt a.M. 1947, S. 27f.

8. Becker, Josef, Theo Stammen und Peter Waldmann (Hg.), Vorgeschichte der Bundesrepublik Deutschland, München 1979, S. 111.

9. Vgl. Horkheimers Zur Kritik der instrumentellen Vernunft (engl. 1947, dt. 1967) und beider Dialektik der Aufklärung von 1947.

10. Mitscherlich, Alexander: “Entwicklungsgrundlagen eines freiheitlichen Sozialismus”, in: Freiheit – eine Utopie?, Büchergilde Gutenberg 1975, S. 19ff. und 23ff.

11. Schmidt, Eberhard, Die verhinderte Neuordnung 1945-1952. Zur Auseinandersetzung um die Demokratisierung der Wirtschaft in den westlichen Besatzungszonen und in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt a.M. 1970, S. 67.

12. Ebenda, S. 163.

13. 20 In diesem politischen Streit, der 1986/87 seinen Höhepunkt hatte, stritten westdeutsche Intel-lektuelle darüber, inwiefern der Nationalsozialismus einen singulären historischen Stellenwert einnimmt und ob ein Vergleich zwischen Nationalsozialismus und Kommunismus statthaft sei. In mehreren Beiträgen ist in diesem Zusammenhang zudem die deutsche Frage thematisiert worden.

14. Vgl. Horkheimer, M, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt a.M. 1967, S. 119.

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  • Lew Rubinstein

    Lew Rubinstein lebt als Poet und Essayist in Moskau. Nach dem Studium der Philologie war er als Bibliothekar tätig. Seit Ende der 1960er-Jahre verfasst er poetische Arbeiten, seit 1974 serielle Textzyklen als so genannte Kartotheken. Zusammen mit Andrej Monastyrskij, Dimitrij A. Prigov und Vladimir Sorokin gilt er als wichtigster Vertreter des Moskauer Konzeptualismus. Print

  • Jacques Rupnik

    Geschichte und Politikwissenschaft, Paris
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  • Claudia Šabi?

    Claudia Šabi? ist Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Seit 1998 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Print

  • Ranabir Samaddar

    Ranabir Samaddar is the Director of the Calcutta Research Group. His research focuses on migration and refugee studies, the theory and practices of dialogue, nationalism and post-colonial statehood in South Asia, and new regimes of technological restructuring and labour control. Among his many publications are Marginal Nation: Trans-border Migration from Bangladesh to India (1999), Politics of Dialogue: Living under …
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  • Paul Sanders

    Paul Sanders is a historian and management scholar. He is a full-time professor at Reims Management School in Reims, France. He has published across the disciplines of history, international relations and leadership.   Print

  • Karl Schlögel

    Karl Schlögel war Professor für Osteuropäische Geschichte zuerst an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach seiner Emeritierung arbeitet er an einer Archäologie des Kommunismus und einer Geschichte des Wolgaraumes. Zurzeit ist er City of Vienna/IFK Fellow am IFK in Wien.     Print

  • Thomas Schmid

    Thomas Schmid is the publisher of the WELT Group, Berlin. He worked for various newspapers, among them as editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung and the Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. From 2006 to 2010 he was Editor-in-Chief of Die Welt.   Print

  • Margit Schratzenstaller

    Margit Schratzenstaller is senior researcher at the Austrian Institute of Economic Research (WIFO) and is currently coordinating (together with Karl Aiginger and Stefan Ederer) ‘WWW for Europe’, a 4-year research project within the 7th Framework Program funded by the European Commission.   Print

  • Dieter Segert

    Dieter Segert ist Professor für Transformationsprozesse in Mittel-, Südost- und Osteuropa am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Seit September 2007 ist er Mitglied des Vorstandes des IDM Wien, seit Juni 2008 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.   Print

  • Victoriya Sereda

    Sociologie, Ivan-Franko-Universität, Lviv
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  • Michel Serres

    Michel Serres ist Philosoph und Mitglied der Académie Française.   Print

  • Marci Shore

    Associate Professor of History, Yale University
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  • Sławomir Sierakowski

    Director, Institute for Advanced Study, Warsaw; Founder, "Krytyka Polityczna" movement
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  • Sara Silverstein

    Ph.D. Candidate in Modern European and International History, Yale University
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  • Aleksander Smolar

    Political Science, Paris
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  • Timothy Snyder

    IWM Permanent Fellow
    Bird White Housum Professor of History, Yale University
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  • George Soros

    George Soros is a pioneer of the hedge-fund industry, investor and philanthropist, he is the author of many books, including Financial Turmoil in Europe and the United States: Essays (2012), The Soros Lectures: At the Central European University (2010), The Crash of 2008 and What it Means: The New Paradigm for Finance Markets (2009).   …
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  • Robert Spaemann

    Robert Spaemann ist Professor em. für Philosophie an der Universität München.   Print

  • Pawel Spiewak

    Associate Professor of Sociology, Department of Sociology and Philosophy, Warsaw University
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  • Wilfried Stadler

    Wilfried Stadler ist Unternehmensberater, Wirtschaftspublizist und Honorarprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bis 2009 war er Vorstandsvorsitzender einer österreichischen Spezialbank für Unternehmensfinanzierung.   Print

  • Rudolf Stamm

    Rudolf Stamm war von 1975 bis 1988 Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung für Osteuropa und Österreich, anschließend bis 1999 für Italien, dann bis zu seiner Pensionierung 2002 für die USA mit Sitz in Washington D.C. Er starb 2010 in der Schweiz. 1985 erscheinen seine NZZ-Reportagen aus Osteuropa in dem Band Alltag und Tradition in Osteuropa. …
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  • Paul Starr

    Paul Starr ist Professor für Soziologie an der Princeton University und Mitherausgeber von The American Prospect. Er ist Pulitzer-Preisträger.   Print

  • Martina Steer

    ÖAW APART Fellow (History)
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  • Kristina Stoeckl

    Research Director
    APART Fellow, Austrian Academy of Sciences; Department of Political Sciences, University of Vienna
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  • Roman Szporluk

    Roman Szporluk is Professor em. of Ukrainian History at Harvard and Professor em. of History at the University of Michigan. He is a foreign member of the National Academy of Sciences in Kiev, Ukraine. His research focuses on modern Ukrainian, Russian, and Polish history, and on Marxism and nationalism in Eastern Europe.   Print

  • Charles Taylor

    IWM Permanent Fellow
    Professor em. of Philosophy, McGill University, Montréal
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  • Maria Teteriuk

    PhD candidate in Mass Communications and senior lecturer in Media Studies, National University of 'Kyiv-Mohyla Academy', Ukraine
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  • Philipp Ther

    Junior Professor of Polish and Ukrainian Studies, Europa-Universität Frankfurt / Oder
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  • Maria Todorova

    Professor of History, University of Illinois at Urbana Champaign
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  • Balázs Trencsényi

    Balázs Trencsényi, Ph.D., is Associate Professor at the Department of History, CEU. His research focuses on the comparative history of political thought in East Central Europe and the history of historiography. He is co-director of Pasts, Inc., Center for Historical Studies at CEU and Associate Editor of the periodical East Central Europe (Brill). He was …
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  • Stefan Troebst

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  • Marius Turda

    Lecturer in the Education Abroad Program, Eötvös Lorand University, Faculty of Humanities, Budapest
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  • Andreas Umland

    Andreas Umland ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew sowie Herausgeber der Buchreihe Soviet and Post-Soviet Politics and Society, ibidem-Verlag Stuttgart. Print

  • Victoria Vasilenko

    Assistant Professor of Contemporary History and International Relations, Belgorod National Research University
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  • David G. Victor

    David G. Victor is a Professor at the School of International Relations and Pacific Studies at the University of California, San Diego, where he directs the Laboratory on International Law and Regulation.   Print

  • Harald Welzer

    Harald Welzer ist Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.   Print

  • Karolina Wigura

    Adjunct of the History of Ideas, University of Warsaw; Co-Editor of Kultura Liberalna
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  • Volodymyr Yermolenko

    Volodymyr Yermolenko is a Ukrainian philosopher and essayist. He has a degree in Political Science from the EHESS, Paris, and teaches at Kyiv Mohyla Academy in Kyiv. He is the author of the book Narrator and Philosopher: Walter Benjamin and his time (2011, in Ukrainian). Print

  • Oksana Zabuzhko

    Free-lance writer, Kiev
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  • Tatiana Zhurzhenko

    Research Director, Russia in Global Dialogue / Ukraine in European Dialogue
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