Transit

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Fall des Eisernen Vorhangs, beschleunigte Globalisierung, Erweiterung der Union – all dies hat Europa tiefgreifend verändert. Seit 1990 setzt sich die am IWM herausgegebene Zeitschrift Transit: Europäische Revue mit den neuen Herausforderungen für den alten Kontinent auseinander. Transit will die Ungleichzeitigkeiten, die Unterschiede in den Erfahrungen, Sichtweisen und Werten produktiv machen, welche die lange Teilung Europas hervorgebracht hat. Es will ein Ort zur Selbstverständigung der Europäer nach der Wiederentdeckung ihrer gemeinsamen Geschichte und Zukunft sein. Transit erscheint zwei Mal jährlich im Verlag Neue Kritik in Frankfurt am Main (Impressum).

Heft 48: Rückkehr der illiberalen Demokratie?

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Der Begriff der „illiberalen Demokratie“ – einst zur Beschreibung der Umbrüche nach 1989 verwendet – erlebt heute ein Comeback. Illiberale Regime, wie sie in Ungarn oder Polen an die Macht gekommen sind, arbeiten daran, Möglichkeiten für einen offenen und fairen politischen Wettbewerb einzuschränken, indem sie öffentlich-rechtliche Medien unter ihre Kontrolle bringen und Verfassungsänderungen anstreben. Im Blickpunkt der nunmehr 48. Ausgabe von Transit stehen somit Regierungen, die von sich behaupten, den Willen der Bevölkerung losgelöst von den Fesseln des Rechtsstaats zu vollziehen. Neben historischen Bezugspunkten beinhaltet das Heft Fallsstudien zu unterschiedlichen Ländern wie der Türkei, Ungarn, Russland oder der Ukraine.
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Heft 47: Russland Nacheuropa Religion

Transit 47
Themen in diesem Heft sind unter anderem Museums- und Seelenlandschaften des heutigen Russland, das Ende Europas, Philosophie im Ersten Weltkrieg, das Verhältnis von Vernunft und Religion sowie von Christentum und Gewalt. Ein kleiner Schwerpunkt gibt Einblick in das spannungsvolle Verhältnis zwischen den heutigen orthodoxen Kirchen und der Moderne. Der Photoessay zeigt verlassene Orte des Widerstands. Ein Gespräch mit der polnischen Schriftstellerin Olga Tokarczuk und ein Fragment aus ihrem neuen Roman beschließen das Heft.
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Heft 46: Krise Kritik Kapitalismus

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2015 geht die Zeitschrift Transit in ihr fünfundzwanzigtes Jahr. Die Herausgeberschaft übernimmt, nach Krzysztof Michalski, nun die Sozialanthropologin und Soziologin Shalini Randeria, die im Januar das Amt der Rektorin des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) angetreten hat. Das vorliegende Heft versammelt Beiträge, die aus den Aktivitäten des IWM in den letzten beiden Jahren hervorgegangen sind.
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Heft 45: Maidan – Die unerwartete Revolution

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Ihre Unabhängigkeit war den Ukrainern 1991 zugefallen, erkämpft haben sie sie erst auf dem Maidan. Sie stürzten ihr korruptes Regime, doch nur, um sich mit einem weitaus mächtigeren Gegner konfrontiert zu sehen, der mit allen Mitteln versucht, ihnen die neu gewonnene Chance zu nehmen.
Im Moment der tiefsten Krise der Europäischen Union werden wir Zeugen einer Bewegung, die Werte einfordert, die wir selbst mehr und mehr aus den Augen verloren haben.
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Heft 44: Zukunft der Demokratie

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Während sich in den letzten drei Jahrzehnten im Rest der Welt mehr Menschen als je zuvor an demokratischen Wahlen beteiligten, hat in vielen europäischen Ländern die Mehrheit der Bevölkerung den Glauben daran verloren, mit ihrer Stimme etwas bewirken zu können. Hier sinkt die Wahlbeteiligung seit langem, vor allem bei den Unterschichten – eine Entwicklung, die den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährdet. Die Beiträge in diesem Heft beschäftigen sich mit der gegenwärtigen Malaise der Demokratie, sie versuchen, Diagnosen zu stellen und machen Therapievorschläge.
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Heft 43: Demokratie und Krise / Balkan

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Gegenwärtig erlebt die Europäische Union die Erosion ihrer Fundamente: die gemeinsame Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg, der geopolitische Pakt in Abgrenzung zur Sowjetunion sind nicht mehr von entscheidender Bedeutung. Mit der Verringerung des allgemeinen Wohlstands verliert die Europäische Union scheinbar ein weiteres Kernstück ihrer politischen Legitimität. Doch „Schlicht anzunehmen, dass die Union gar nicht zerfallen könne, weil das die Beteiligten teuer zu stehen käme“ ist für Ivan Krastev kein Argument einer tragfähigen Diskussion. Die Artikel des zweiten Teils widmen sich der Rolle des Balkans, im Kontext der Entwicklung Gesamteuropas im 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Die eigentümliche, manchmal paradoxe Kombination normativ unvereinbarer Positionen und ideologischer Hybride - so Diana Mishkova - verleiht dem Balkan eine Originalität und Kreativität im Prozess des Transfers der Moderne, die im Guten wie im Schlechten, etwas über das Wesen der Moderne selbst sichtbar werden läßt. Webb Kean spricht in seinem Beitag zu dem von Charles Taylor geleiteten IWM-Forschungsprojekt 'Religion und Säkularismus' von einem „moralischen Narrativ der Moderne“, in dem der Säkularismus als wichtiger Aspekt enthalten ist. Auch David Martin sieht dem Kampf gegen die Religion eine säkulare Meistererzählung zugrunde liegen, „die der Idee des Fortschritts verpflichtet ist und Umstände und Entwicklungen übergeht, die ihr widersprechen.“ Gemeinsam ist diesen beiden Beiträge eine Untersuchung der bisher undurchschauten, normativen Voraussetzungen der Säkularisierungsprozesse.

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Heft 42: Russland: Rückkehr der Politik?

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Alexej Slapovskys Roman Der Marsch zum Kreml (2010) beginnt mit dem Tod eines jungen Schriftstellers, der versehentlich Opfer der Polizei wurde. Ihren toten Sohn in den Armen, macht sich die verzweifelte Mutter auf den Weg, den Schuldigen zu finden. Die Freunde des Schriftstellers schließen sich an, dann ein alter Trinker, überzeugt davon, dass sein in der Nacht zuvor verstorbener Bruder ein Grab an der Kreml-Mauer verdient. Zur Gruppe gesellt sich eine vorbeiziehende Begräbnisprozession, im Glauben, die Kreml-Mauer stehe nun für Privatbegräbnisse zur Verfügung. Passanten schließen sich an. Der kleine Trauermarsch erregt schnell die Aufmerksamkeit der Opposition, die ihre Chance gekommen sieht…
Es sollte nicht lange dauern, bis Slapovskys Szenario Wirklichkeit wurde, freilich mit noch offenem Ende. Man spricht von Demokratie und Wandel, doch wer hört hin? Kaum ein gemeinsamer Traum, kein Programm, kein Anführer. Was die Bewegung zusammenhält ist eine Überzeugung: Genug ist genug. Was sie vereint, ist der Unmut über das Bestehende, was ihnen fehlt, ist eine Vision für die Zukunft;

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Heft 41: Kunst – Gesellschaft – Politik

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So wenig wie es die/eine Kunst, Gesellschaft oder Politik gab, gibt oder jemals geben kann, so wenig kann es die/eine Theorie der gesellschaftlich engagierten, politischen Kunst geben, und entsprechend heterogen sind die im projektierten Band versammelten Texte. Im Verhältnis zu den anderen, sich in funktional unterschiedene Subsysteme ausdifferenzierenden Gebieten der modernen Gesellschaft entwickelt die Sphäre der Kunst einen höheren Grad an Autonomie und in weiterer Folge Alterität, das heißt Andersartigkeit, Fremdheit gegenüber der Gesellschaft. Gleichzeit ist zu sehen, dass Kunst trotz der ihr eigenen Distanz zur modernen Gesellschaft nicht aufhört, deren Züge zu tragen, so dass der Anspruch von Kunst auf das ›richtige‹ Leben immer auch am ›falschen‹ teilhat.
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Heft 40: Zeitalter der Ungewissheit

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Der Zusammenbruch des Sowjetimperiums ließ das herrschende Narrativ des 20. Jahrhunderts, insbesondere das Bild des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit, über Nacht überholt erscheinen. 1991 traf sich in Wien am Institut für die Wissenschaften vom Menschen eine Gruppe von Historikern aus dem Westen und aus Osteuropa, um über eine europäische Geschichtsschreibung nach dem Ende der Teilung Europas nachzudenken. Daraus erwuchs das Forschungsprojekt Rethinking Post-War Europe, das von 1993 - 1998 unter der Leitung des Historikers Tony Judt am IWM verfolgt wurde. Es markiert einen Paradigmenwechsel in der Historiographie des 20. Jahrhunderts. Tony Judt starb am 6. August 2010. Dieses Heft ist seinem Gedächtnis gewidmet.
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Heft 39: Den Säkularismus neu denken

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Es ist noch nicht so lange her, dass die Säkularisierung als unvermeidliche Begleiterscheinung der Modernisierung galt. Säkularisierung wurde als Fortschritt wahrgenommen, der die Religion nach und nach durch rationale Vernunft ersetzt. Nun scheint es an der Zeit, den Säkularismus neu zu denken. Bilden die Prinzipien der Säkularisierung nicht ihrerseits eine Ideologie, der bestimmte Prämissen zugrunde liegen? Ist der Säkularismus nicht selbst zu einem quasi-religiösen Dogma geworden? Im Zuge einer Neubestimmung des Orts der Religion in der Gesellschaft, sollen auch die Antworten der Religionen auf die Säkularisierung untersucht werden.
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Heft 38: Geteilte Geschichte / Zwanzig Jahre 1989

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„Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, das ganze Gewicht von Nazi- und Sowjetterror anzuerkennen.", schreibt Timothy Snyder in Transit 28. Dass wir nach wie vor noch weit davon entfernt sind, zeigen ein Essay Snyders, der das vorliegende Heft eröffnet, sowie die anschließenden Beiträge. Bis heute identifizieren wir das Grauen jener Zeiten mit Auschwitz und dem Gulag und übersehen daher, dass es Osteuropa war, das in dem Zeitraum zwischen 1933 und 1944 den Schauplatz für die nationalsozialistische und sowjetische Politik des Terrors lieferte, dem an die zwölf Millionen Menschen zum Opfer fielen.
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Heft 37: Politik der Vielfalt

Transit 37
„In Vielfalt geeint“ heißt das Motto der Europäischen Union. Es symbolisiert ein Programm, das mit einer Diversität konfrontiert ist, die ungleich komplexer ist als die schlichte Vielfalt nationaler Kulturen. Womit sich die Vereinigten Staaten schmücken, scheint Europa aber immer noch nicht wahrhaben zu wollen: dass es längst ein Einwanderungskontinent ist. Zumindest scheint Europa vergessen zu haben, dass es eine Jahrhunderte lange Geschichte innerer Arbeitsmigration hat. Es ist eine Geschichte, in der ethnische Gruppen, die heute zum Kernbestand des Alten Kontinents gehören, Gewalt und Hass ausgesetzt waren. Vielleicht wäre es hilfreich, wenn die Europäer sich heute daran erinnerten, wie sie ihre Ressentiments überwunden haben. Diversität ist stets eine Herausforderung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der Schwerpunkt dieses Heftes beschäftigt sich daher mit den Antworten der Politik auf die wachsende Vielfalt unserer Gesellschaften.
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Heft 36: Klimapolitik und Solidarität

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Der Klimawandel stellt die bestehenden demokratischen Institutionen und das Instrumentarium herkömmlicher Politik vor nie gekannte Herausforderungen. Zum einen in räumlicher und zeitlicher Hinsicht: der Klimawandel ist ein globales, ebenso akutes wie langfristiges Phänomen, dem nur mit Maßnahmen beizukommen ist, die die nationalen Grenzen und den nur bis zu den nächsten Wahlen reichenden Horizont von Parteipolitik überschreiten; zugleich wirft er die Frage nach globaler Gerechtigkeit und Generationengerechtigkeit auf. Zum andern in struktureller Hinsicht: der Klimawandel macht Denken in politischen Ressorts obsolet, denn er hat nicht nur ökologische, sondern untrennbar davon auch ökonomische, soziale und sicherheitspolitische Konsequenzen.
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Heft 35: Gedächtnispolitik / Mai 1968 / Russland

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Der erste Schwerpunkt des Heftes beschäftigt sich Europäischer Gedächtnispolitik. "Die Zukunft der europäischen Solidarität hängt von der Neubewertung und -erzählung der jüngeren Vergangenheit Europas ab." schrieb Timothy Snyder vor einiger Zeit in dieser Zeitschrift. Zu einer solchen Neubewertung und -erzählung wollen die AurorInnen des ersten Teils beitragen. Heidemarie Uhl leitet den ersten Teil mit einer kritischen Reflexion über die europäische Erinnerungskultur ein. Burkhard Olschowsky kartographiert die Brüche in der Erinnerungslandschaft des alten Kontinents und sucht nach einem verbindenden Gedächtnis. Aleksander Smolar unterzieht die jüngste polnische Gedächtnispolitik einer kritischen Bilanz. Timothy Snyder erinnert an den vergessenen Holocaust in Osteuropa, und Dirk Rupnow diagnostiziert einen tiefgreifenden Wandel im Gedächtnis des Holocaust. Den Schwerpunkt schließt eine Diskussion zwischen Alexander Motyl und Timothy Snyder über die unterschiedliche Bewertung totalitärer Verbrechen ab.

Der zweite Schwerpunkt stellt den "Mai '68" in den Ost-West-Kontext. Jacques Rupnik vergleicht den Prager mit dem Pariser Frühling und bringt ein Interview über das Missverständnis von 1968 mit, das er zehn Jahre später mit Rudi Dutschke führte. Aleksander Smolar resümiert 1968 aus der Perspektive eines Exilanten, der Polen, wie so viele andere Juden, in jenem Jahre verlassen musste. Mykola Riabchuk schließlich berichtet über die Wahrnehmung der damaligen Ereignisse in Ost- und Westeuropa durch die ukrainischen Dissidenten.

Die letzten beiden Artikel sind Russland gewidmet: Ivan Krastev untersucht die Krise der europäischen Nachkriegsordnung und den neue Konfrontationskurs Russlands mit dem Westen. Henrike Schmidt dokumentiert, wie die neuen Technologien zur Imagebildung von Putin und Medwedjew genutzt werden.

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Heft 34: Leszek Kolakowski / Anna Politkowskaja

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2001 verbrachte die russische Journalistin Anna Politkowskaja im Rahmen eines Milena Jesenská-Fellowships drei Monate am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien und arbeitete an ihrem Buch über den zweiten Tschetschenienkrieg (deutsch 2003 erschienen unter dem Titel Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg). Sie wurde schon damals massiv bedroht. Als wir sie zu einem Treffen der Jesenska-Alumni im September 2006 einluden, antwortete sie nicht. Am 7. Oktober wurde sie in Moskau ermordet.

Im Oktober 2007 wurde Leszek Kolakowski achtzig Jahre alt. 1959 an die Universität Warschau berufen, war er Verfechter einer Reform des Kommunismus, bis er 1966 aus der Partei ausgeschlossen wurde, 1968 seinen Lehrstuhl verlor und in den Westen emigrierte. Mit der Idee des Sozialismus hat Kolakowski sich schon früh beschäftigt. In seinem 1957 geschriebenen und von der Zensur unterdrückten ironischen Pamphlet "Was ist Sozialismus?" hält er dem kommunistischen Regime einen Spiegel vor. Fast fünf Jahrzehnte nach diesem – hier wiederabgedruckten – Meisterstück politischer Satire zieht Kolakowski in seinem Essay "Was vom Sozialismus bleibt" noch einmal Bilanz: "Dass sich der Marxismus in so gut wie allem geirrt hat", schreibt Kolakowski, "macht noch lange nicht die sozialistische Tradition obsolet. Und dass die sozialistischen Ideale missbraucht wurden, diskreditiert sie nicht schon. Schließlich haben sich sozialistische Werte mit liberalen verbunden und wurden im Rahmen demokratischer Marktwirtschaft verwirklicht." Sozialismus „als Ausdruck der Solidarität mit den Unterdrückten und sozial Benachteiligten" und als Korrektiv „das uns daran erinnert, dass es etwas jenseits von Konkurrenzkampf und Gier gibt, aus all diesen Gründen ist der Sozialismus – das Ideal, nicht das System – immer noch von Nutzen."

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Heft 33: Tod in der Gesellschaft / Patocka / Populismus

Transit 33
Unter den Bedingungen des Planeten Erde wird zu allen Zeiten und an allen Orten gestorben. Dennoch hängt die Frage, was es heißt zu sterben, in hohem Maße davon ab, an welchem Ort und zu welcher Zeit dies geschieht. Das invariante physiologische Faktum ist offen für fast unendlich viele Varianten von Deutungen, Verhaltens- und Handlungsweisen. Die Frage nach dem Tod ist eine Grundfrage, insofern als sie zugleich die Frage nach dem Leben enthält. In den Antworten spiegelt sich jeweils ein Konzept, ein Begriff, eine Vision der conditio humana wider. Die Artikel zum Schwerpunkt "Tod" im vorliegenden Heft sollen zu einer Theorie des Todesverständnisses und seiner gesellschaftlichen Auswirkungen beitragen.

Der tschechische Philosoph Jan Patocka gilt heute als einer der interessantesten Vertreter der zweiten Generation von Phänomenologen nach Husserl und Heidegger, bei denen er in den 30er Jahren in Freiburg studierte. Er verband sein phänomenologisches Denken in innovativer Weise mit Fragen von Politik und Geschichte, Kunst und Literatur. Patocka war Mitbegründer und erster Sprecher der Bürgerrechtsbewegung Charta 77 . Am 13. März 1977 starb er nach einer Reihe von Polizeiverhören. Die Bedeutung seines Werks für das politisch-historische Selbstverständnis Europas wird erst heute sichtbar. Im Jahre 2007 feiern wir nicht nur Patockas hundertsten Geburtstag, auch sein Todestag und die Veröffentlichung der Charta 77 jähren sich zum dreißigsten Mal. Anlässlich dessen präsentiert das Heft eine Hommage an den tschechischen Denker und Bürgerrechtler.

Der dritte Schwerpunkt des Heftes ist dem Phänomen des Populismus gewidmet, der heute ein gesamteuropäisches Phänomen darstellt, sich jedoch, anders als in den dreißiger Jahren, nicht als Alternative zur Demokratie sieht und im Rahmen der Europäischen Union agiert. Der Aufstieg des illiberalen Populismus ist der eigentliche Test für die vieldiskutierte „Aufnahmekapazität“ der EU.
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Heft 32: Solidarität

Transit 32
Ist der Wohlfahrtsstaat im Zeitalter der Globalisierung obsolet geworden? Alterung der Gesellschaft, Strukturwandel der Familie, wachsende Arbeitslosigkeit und Niedergang der Gewerkschaften - dies sind nur einige Faktoren, die den Wohlfahrtsstaat heute allenthalben unter gewaltigen Druck setzen. Zugleich sind soziale Sicherheit und Solidarität wesentliche Voraussetzungen für ein funktionierendes demokratisches Gemeinwesen. Die Beiträge im neuen Heft von Transit vergleichen die Sozialmodelle im erweiterten Europa und in den USA: Welche sozialpolitischen Optionen gibt es, um den Wohlfahrtsstaat in die Zukunft zu retten? Was steht für die Demokratie auf dem Spiel? Die Mehrzahl der Beiträge in diesem Heft gehen zurück auf die Konferenz Cultural and Political Conditions for the Reform and Modernisation of Social Models in Europe and the U.S., die am 19. und 20. Mai 2006 vom Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien organisiert wurde. Gastgeber war das österreichische Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, mit Unterstützung durch die Generaldirektion Beschäftigung, Soziales und Chancengleichheit der Europäische Kommission.
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Heft 31: Religion und politische Kultur / Exkursionen

Transit 31
Es sind vor allem zwei Faktoren, die heute dazu zwingen, über ein "postsäkulares" Verhältnis von Religion und politischer Öffentlichkeit nachzudenken: zum einen das wachsende Bewusstsein, dass Europas Säkularismus nicht paradigmatisch für moderne Gesellschaften ist, sondern eher einen Sonderweg darstellt; zum andern die in der letzten Zeit dramatisch zunehmende Spannung zwischen diesem Säkularismus und dem – selbst in einem Transformationsprozess befindlichen – Religionsverständnis und -gebrauch des Islam.
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Heft 30: Europäische Krise? / Geschichte und Gedächtnis

Transit 30
Die Osterweiterung hat die Europäische Union nicht nur beträchtlich vergrößert, sondern tiefgreifend verändert. Sie hat an Gewicht gewonnen, gleichzeitig sind aber auch ihre inneren Spannungen gewachsen. Heute steht sie vor ganz neuen Herausforderungen, in Bezug auf ihren Zusammenhalt ebenso wie auf ihre internationale Rolle. Die Verabschiedung einer Verfassung sollte dieser Metamorphose Gestalt und Richtung geben. Der Schock ihres (vorläufigen) Scheiterns hat einen intensiven Nachdenkprozess über das Selbstverständnis, die internationale Verantwortung und die Zukunftsperspektiven der Union ausgelöst.
Vor 70 Jahren sprach Edmund Husserl in Wien über »Die Philosophie in der Krisis der europäischen Menschheit«. Für seinen Schüler, den tschechischen Denker Jan Patocka, steht die Idee Europas – Inbegriff von Freiheit und Verantwortung – im Zentrum jeder Philosophie des Politischen und der Geschichte. Doch wohnt der europäischen Idee zugleich eine widersprüchliche Dynamik inne, die im destruktiven Potential des technischen Rationalismus kulminiert. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts sind der Idee Europas nicht äußerlich, auch sie entspringen ihrer inneren Logik. Was bedeutet angesichts dessen die von Husserl geforderte »Selbstbesinnung« für die Europäer des 21. Jahrhunderts?

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Heft 29: Ukraine / Dimensionen der Ungleichheit

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Die wachsende Ungleichheit ist nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern sie gefährdet das Funktionieren der Demokratie und stellt eine Bedrohung für die Stabilität der Gesellschaft dar.
Mit der zunehmenden Erosion des Wohlfahrtsstaats verschärfen sich die sozialen Probleme. Ähnlich wie lange schon in den USA dringt Armut zunehmend in die erwerbstätige Bevölkerung vor.
Während sich in postsozialistischen Länder (und zwischen ihnen) neue Formen sozialer Polarisierung sowie eine zunehmende Ethnisierung sozialer Konflikte entwickeln, vertiefen sich in den Ländern kapitalistischer Tradition bestehende Ungleichheiten hinsichtlich Einkommen, Chancen und politischer Partizipation. Die Artikel korrespondieren mit dem von Cornelia Klinger initiierten Forschungsschwerpunkt "Ursachen von Ungleichheit", der 2003 am IWM eingerichtet wurde.

Mit dem Tod von Johannes Paul II hat das Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) einen Freund verloren. Johannes Paul II unterstützte die Idee des Instituts als einer unabhängigen, keinem Bekenntnis und keiner Ideologie verpflichtete Einrichtung von Anbeginn. Die Sympathie und geistige Unterstützung, mit der Johannes Paul II unsere Arbeit begleitet hat, werden wir in dankbarer Erinnerung behalten.
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Heft 28: “1984” – neu gelesen / Was hält Europa zusammen?

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Aus heutiger Sicht ist das fiktive Datum von Orwells near-future Dystopie Realität einer immer noch nahen Vergangenheit. Wir möchten einladen zum Nachdenken über die Zukunft des Zukunftsdenkens im Rückblick auf eine Zukunftsvision der Vergangenheit, die unsere Gegenwart offenkundig verfehlt und vielleicht doch trifft.

Die Europäische Union steht vor einer großen, vielleicht ihrer bisher größten Herausforderung. Zum einen erweitert sie sich, und zwar dramatisch: Mehr als 70 Millionen Menschen werden europäische Pässe bekommen. Zum anderen versucht sie, sich selbst – in einem Verfassungsbildungsprozess – radikal neu zu definieren, sich in eine neuartige politische Einheit zu verwandeln.
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Heft 27: Europäische Verbindlichkeiten II

Transit 27
Die Europäische Union steht vor einer großen, vielleicht ihrer bisher größten Herausforderung. Zum einen erweitert sie sich, und zwar dramatisch: Mehr als 70 Millionen Menschen werden EU-Pässe erhalten. Zum anderen versucht die Union, sich in einem Verfassungsbildungsprozess neu zu definieren. Vor diesem Hintergrund hat der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, das IWM gebeten, eine Reflexionsgruppe zur geistigen und kulturellen Dimension Europas ins Leben zu rufen. Weitere Ergebnisse ihrer Arbeit liegen nun mit Heft 26 von Transit – Europäische Revue vor.
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Heft 26: Europäische Verbindlichkeiten

Transit 26
Die Europäische Union steht vor einer großen, vielleicht ihrer bisher größten Herausforderung. Zum einen erweitert sie sich, und zwar dramatisch: Mehr als 70 Millionen Menschen werden EU-Pässe erhalten. Zum anderen versucht die Union, sich in einem Verfassungsbildungsprozess neu zu definieren.
Vor diesem Hintergrund hat der Präsident der Europäischen Kommission, Romano Prodi, das IWM gebeten, eine Reflexionsgruppe zur geistigen und kulturellen Dimension Europas ins Leben zu rufen. Erste Ergebnisse ihrer Arbeit liegen nun mit Heft 26 von Transit – Europäische Revue vor.
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Heft 25: Polen im neuen Europa / Populismus

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In dieser Ausgabe bieten wir unseren LeserInnen zwei Schwerpunkte: Ausführlich widmen wir uns der Zukunft Polens in einem neuen Europa. "Immer schon hat Polen den Osten vom Westen getrennt" schreibt Martin Krol, der in seinem Beitrag Polen als VermittlerIn sieht. Vermitteln und Übersetzen scheinen die Herausforderungen und Aufgaben zu sein, denen sich Polen aufgrund seiner geopolitischen Lage immer noch stellen muss.
In unserem 2. Schwerpunkt stellen wir uns dem Rechtspopulismus. Zunächst in Form einer Diskussion, sowie mit Beiträgen von Ralf Dahrendorf, Jacqueline Hénard und Paul Scheffer.
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Transit online

Tr@nsit is the online sister journal of Transit. Here, authors, fellows and friends of the IWM offer further articles, reflections and comments related to ongoing research and debates at the Institute.

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