Europa und die Ukraine: Vergangenheit und Zukunft

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14.04.2014

Die Geschichte der Staatlichkeit auf dem Gebiet der Ukraine beginnt mit zwei archetypisch europäischen Begegnungen. Zum mittelalterlichen Staat auf dem Gebiet der heutigen Ukraine gehört wie in Frankreich und England eine Begegnung mit den Wikingern. Die Männer aus dem Norden versuchten, eine Handelsroute zwischen der Ostsee und dem Schwarzen Meer herzustellen und benutzten das am Dnjepr gelegene Kiew als Handelsstation. Ihre Ankunft fiel mit dem Zusammenbruch eines früheren Chasaren-Staats zusammen, und ihre Führer heirateten Frauen aus der einheimischen slawischsprachigen Bevölkerung. So entstand das Gebilde, das als Kiewer Rus bekannt ist.

Wie alle Staaten im mittelalterlichen Osteuropa war die Rus eine heidnische Region, die sich weniger zum Christentum bekehrte, als dass sie zwischen dessen westlicher und östlicher Variante wählte. Wie alle ihre Nachbarn zögerte sie zwischen Rom und Byzanz, bis ihre Herrscher sich für letzteres entschieden. Die Rus wurde durch Nachfolgestreitigkeiten ernsthaft geschwächt, bevor sie in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die Ankunft der Mongolen zerstört wurde.

An diesem Punkt zerfällt die Geschichte der Rus in verschiedene Teile. Die meisten Gebiete der Rus übernahm das Großfürstentum Litauen, ein riesiger Kriegerstaat mit der Hauptstadt Vilnius. Die litauischen Großfürsten stilisierten sich zu Erben der Rus und übernahmen zahleiche kulturelle Errungenschaften des Landes, zum Beispiel das Slawische als Hofsprache und Rechtstraditionen. Die Großfürsten waren zwar heidnische Litauer, ihre Untertanen jedoch in der Mehrzahl Ostchristen. Als die Großfürsten von Litauen in Personalunion auch Könige von Polen wurden, gehörten die meisten Teile der Ukraine dem größten europäischen Staat an. Durch die Verfassungsreform von 1569 konstituierte sich dieser Staat zu einer Adelsrepublik, dem Doppelstaat Polen-Litauen. In dieser »Republik beider Völker« gehörten die ukrainischen Lande zur polnischen Krone, die weißrussischen zum Großfürstentum Litauen. So wurde innerhalb der alten Rus eine neue Trennungslinie geschaffen.

Dies war die erste Epoche eines oligarchischen Pluralismus in der Ukraine. Ukrainische Adelige hatten Sitz und Stimme in den Vertretungsorganen der Republik, doch die große Mehrheit des Volkes war in riesigen Landgütern organisiert, die Getreide für den Export produzierten. Zu den örtlichen Kriegsherren gesellten sich polnische Adlige hinzu wie auch Juden, die halfen, eine Feudalordnung im Lande zu errichten. In dieser Zeit beteiligten Juden sich an der Schaffung von Kleinstädten, die als Schtetl in die Geschichte eingingen.

Das politische System führte zum Kosakenaufstand von 1648, in dem Freie, die sich dem System entzogen hatten, dessen Ordnung in Frage stellten. Sie schlossen ein schicksalhaftes Bündnis mit einem rivalisierenden Staat, der gleichfalls seine Wurzeln in der alten Rus hatte, dem Großfürstentum Moskowien. Die Stadt Moskau hatte an der Ostgrenze der Rus gelegen, und anders als die meisten Teile der Rus blieb sie unter direkter mongolischer Herrschaft. Während die Gebiete des heutigen Weißrussland und der Ukraine über Vilnius und Warschau mit der Renaissance und der Reformation in Berührung kamen, erreichte keine dieser Entwicklungen Moskau. Die Loslösung Moskaus von der mongolischen Herrschaft wird herkömmlich auf das Jahr 1480 datiert. Die Großfürsten von Moskau stilisierten sich wie die von Litauen zu Erben der Kiewer Rus. Aber nach der Zerstörung dieses mittelalterlichen Staates übten sie fast ein halbes Jahrtausend lang keine Herrschaft über dieses Gebiet aus. Die meiste Zeit wurde Kiew von Vilnius und Warschau aus regiert.

Mit den Kosakenaufständen begann der Niedergang des Doppelstaats Polen-Litauen; sie schufen die Voraussetzungen dafür, dass die Herrschaft über Kiew von Polen auf Moskowien überging. 1667 wurde das Territorium der heutigen Ukraine zwischen Polen-Litauen und Moskowien aufgeteilt, wobei Kiew an Moskau ging. Das ermöglichte den Kontakt zwischen Moskowien und Europa, und gebildete Eliten aus der Universität Kiew gingen nach Norden, um als Beamte und Fachleute in dem wachsenden Reich zu arbeiten. Dasselbe Muster wiederholte sich, als Polen-Litauen Ende des 18. Jahrhunderts vollständig zwischen Moskowien (nun das Russische Reich), Preußen und der Habsburger Monarchie aufgeteilt wurde. Das Russische Reich, das auf dem Gebiet der Höheren Bildung keine Tradition besaß, nutzte die in Vilnius und Kiew ausgebildeten Männer für seine Zwecke.

Im 19. Jahrhundert folgte die ukrainische Nationalbewegung gleichfalls recht typisch europäischen Mustern. Einige dieser gebildeten Leute, Laien und Geistliche, begannen gegen ihre eigenen Biographien zu rebellieren und erklärten, nicht die Eliten, sondern die Massen seien das Subjekt der Geschichte. Diese Entwicklung begann in Charkiv und breitete sich von dort nach Kiew und über die russisch-habsburgische Grenze nach Lviv (Lemberg) aus. Ukrainische Historiker des 19. Jahrhunderts gehörten zu den führenden Vertretern der europaweiten, in der Ukraine als Populismus bezeichneten Tendenz, das einfache Volk zu romantisieren. Dieser intellektuelle Schachzug ermöglichte auch die Vorstellung einer gemeinsamen ukrainischen Nation über die Grenzen des Russischen Reichs (wie Moskowien nun genannt wurde) und der Habsburger Monarchie hinweg (wo in einem kleinen, Ostgalizien genannten Gebiet Menschen lebten, die, wie wir heute sagen würden, ukrainisch sprachen).

Wie im übrigen Osteuropa brachte der Erste Weltkrieg das Ende überkommener Reiche und zugleich Bestrebungen, auf der Grundlage des Wilson’schen Prinzips der Selbstbestimmung Nationalstaaten zu schaffen. Doch in der Ukraine kam es gleich zu zwei Versuchen dieser Art, einem auf dem Gebiet der Habsburger Monarchie und einem auf dem des Russischen Reiches. Der erste wurde von den Polen vereitelt, denen es gelang, Ostgalizien ihrem neuen Staat einzuverleiben. Der zweite musste sowohl gegen die Rote Armee als auch gegen deren weiße Gegner fechten, die zwar gegeneinander kämpften, aber darin übereinstimmten, dass die Ukraine Teil einer größeren politischen Einheit bleiben sollte. Obwohl die ukrainische Nationalbewegung mit denen in anderen osteuropäischen Regionen vergleichbar war und obwohl mehr Menschen für die Ukraine kämpften und starben als für die meisten anderen nach 1918 entstehenden Nationalstaaten, scheiterte der Versuch auf der ganze Linie. Nach einer äußerst komplizierten Serie von Ereignissen, in deren Verlauf Kiew ein Dutzend Mal besetzt wurde, trug die Rote Armee den Sieg davon, und 1992 entstand eine sowjetische Ukraine als Teil der neuen Sowjetunion.

Gerade weil die ukrainische Nationalbewegung so schwer zu unterdrücken war und weil die sowjetische Ukraine die westliche Grenzregion der Sowjetunion bildete, war die Frage ihrer europäischen Identität von Anfang an von zentraler Bedeutung für die sowjetische Geschichte. In der sowjetischen Politik bestand eine ambivalente Einstellung gegenüber Europa: Die sowjetische Modernisierung sollte die kapitalistische Moderne Europas nachahmen – allerdings nur, um sie zu überflügeln. Dabei konnte Europa je nach Zeit, Perspektive und Stimmung der Führer als fortschrittlich oder als rückschrittlich dargestellt werden. In den 1920er Jahren förderte die sowjetische Politik die Entwicklung einer intellektuellen und politischen Klasse in der Ukraine, weil man glaubte, aufgeklärte Ukrainer würden sich für die sowjetische Zukunft entscheiden. In den 1930er Jahren versuchte die sowjetische Politik, die ländlichen Regionen der Ukraine zu modernisieren, indem man den Boden in Kollektiveigentum überführte und die Bauern zu Angestellten des Staates machte. Das führte zu massivem Widerstand in der Bauernschaft, die an das Privateigentum glaubte, sowie zu sinkenden Ernteerträgen.

Joseph Stalin verwandelte diese gescheiterten Bemühungen in einen Sieg, indem er ukrainische Nationalisten und deren ausländische Unterstützer für den Misserfolg verantwortlich machte. Er requirierte weiterhin Nahrungsmittel in der Ukraine, obwohl er sehr genau wusste, dass er damit Millionen von Menschen dem Hungertod überantwortete, und er vernichtete die ukrainische Intelligenz. Mehr als drei Millionen Menschen verhungerten in der sowjetischen Ukraine. Die Folge war eine neue sowjetische Einschüchterungskampagne, in der Europa nur als Bedrohung dargestellt wurde. Stalin stellte die absurde, aber wirkungsvolle Behauptung auf, Ukrainer hungerten sich auf Befehl aus Warschau willentlich zu Tode.

Später behauptete die sowjetische Propaganda, wer die Hungersnot erwähne, müsse ein Agent Nazideutschlands sein. So begann die Politik des Faschismus und Antifaschismus, in der Moskau der Verteidiger alles Guten war und seine Kritiker Faschisten sein mussten. Die äußerst wirkungsvolle rhetorische Pose schloss ein wirkliches sowjetisches Bündnis mit den wirklichen Nazis 1939 keineswegs aus. Angesichts des aktuellen Rückgriffs der russischen Propaganda auf den Antifaschismus ist dies ein wichtiger Punkt, an den man denken sollte: Der grandiose moralische Manichäismus sollte allein dem Staat dienen und setzte ihm daher keinerlei Grenzen. Der Rückgriff auf den Antifaschismus als Strategie ist etwas ganz anderes als der Kampf gegen wirkliche Faschisten.

Die Ukraine stand im Zentrum der Politik, die Stalin als »innere Kolonisierung« bezeichnete; und sie stand auch im Zentrum der Hitlerschen Pläne für eine äußere Kolonisierung. Sein »Lebensraum« war in erster Linie die Ukraine. Deren fruchtbare Böden sollten von sowjetischer Macht gesäubert und für Deutschland ausgebeutet werden. Man plante, Stalins kollektivierte Landwirtschaft beizubehalten, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aber von Ost nach West umzuleiten. Deutsche Planer erwarteten, dass dabei etwa dreißig Millionen Einwohner der Sowjetunion verhungern würden. Nach dieser Denkweise waren die Ukrainer natürlich Untermenschen, unfähig zu einem normalen politischen Leben und nur für eine Kolonisierung geeignet. Kein europäisches Land wurde einer so intensiven Kolonisierung unterworfen wie die Ukraine, und kein europäisches Land musste derart leiden. Zwischen 1933 und 1945 war die Ukraine der tödlichste Ort der Erde.

Im heutigen Deutschland bleibt der Aspekt der Kolonisierung weitgehend unbeachtet. Die Deutschen denken an die Verbrechen gegen die Juden und gegen die (fälschlich mit Russland gleichgesetzte) Sowjetunion, aber fast niemand in Deutschland erkennt an, dass der Hauptgegenstand des kolonialen Denkens und Tuns Deutschlands gerade die Ukraine war. So prominente deutsche Politiker wie Helmut Schmidt zögern selbst heute nicht, die Ukrainer von den normalen Regeln des Völkerrechts auszuschließen. Der Gedanke, wonach die Ukrainer keine Menschen seien, besteht fort, jetzt mit der böswilligen Wendung, dass die Ukrainer für die Verbrechen in der Ukraine verantwortlich gemacht werden, die in Wirklichkeit deutsche Politik waren und zu denen es ohne einen deutschen Krieg und ohne eine deutsche Kolonisierungspolitik niemals gekommen wäre.

Obwohl Hitlers Hauptziel die Vernichtung der Sowjetunion war, erkannte er die Notwendigkeit eines Bündnisses mit der Sowjetunion, um den bewaffneten Konflikt beginnen zu können. Als klar war, dass Polen kämpfen würde, gewann Hitler Stalin 1939 für eine doppelte Invasion. Stalin hatte seit Jahren auf solch eine Einladung gehofft, denn seit Jahren zielte die sowjetische Politik auf eine Zerschlagung Polens. Außerdem sah Stalin in einem Bündnis mit Hitler, also einer Kooperation mit der extremen europäischen Rechten, den Schlüssel zur Zerstörung Europas. Ein deutsch-sowjetisches Bündnis, so hoffte er, werde Deutschland gegen seine europäischen Nachbarn stellen und zu einer Schwächung oder gar zur Vernichtung des europäischen Kapitalismus führen. Diese Vorstellung unterscheidet sich, wie wir noch sehen werden, gar nicht so sehr von einer Berechnung, die Wladimir Putin heute anstellt.

Das Ergebnis der gemeinsamen deutsch-sowjetischen Invasion war die Niederlage Polens und die Zerschlagung des polnischen Staates, aber auch eine wichtige Entwicklung innerhalb des ukrainischen Nationalismus. In den 1930er Jahren hatte es in der Sowjetunion keine ukrainische Nationalbewegung gegeben; das wäre ganz unmöglich gewesen. In Polen gab es jedoch eine terroristische Untergrundbewegung namens Organisation Ukrainischer Nationalisten. In normalen Zeiten war sie kaum mehr als ein Ärgernis, aber mit dem Krieg wuchs ihre Bedeutung. Die OUN wandte sich gleichermaßen gegen die polnische und die sowjetische Herrschaft über die in ihren Augen ukrainischen Gebiete und sah daher in einer deutschen Besetzung des Ostens die einzige Möglichkeit, mit dem Aufbau eines ukrainischen Staates zu beginnen. So unterstützte denn die OUN Deutschland 1939 bei der Invasion Polens und dann erneut 1941, als Deutschland seinen Verbündeten verriet und die UdSSR angriff.

Auch die sowjetische Besetzung Ostpolens von 1939 bis 1941 begünstigte den ukrainischen Nationalismus. Die herrschende Klasse Polens und die Führer der überkommenen politischen Parteien der Ukraine wurden deportiert oder ermordet. Ukrainische Nationalisten, die es gewohnt waren, im Untergrund zu leben, kamen da besser weg. Linksgerichtete ukrainische Revolutionäre, von denen es vor dem Krieg recht viele gegeben hatte, gingen nach den Erfahrungen mit der sowjetischen Herrschaft oft zur radikalen Rechten über. Außerdem ermordeten die Sowjets selbst den Führer der ONU, was wiederum zu einem Machtkampf zwischen zwei jüngeren Männern, Stepan Bandera und Andrij Melnyk, führte.

1941 erprobten ukrainische Nationalisten eine politische Kollaboration mit Deutschland und scheiterten. Hunderte ukrainische Nationalisten beteiligten sich als Kundschafter und Dolmetscher am deutschen Angriff auf die Sowjetunion, und einige von ihnen halfen den Deutschen bei der Organisation von Pogromen. Ukrainisch-nationalistische Politiker versuchten, den Lohn für diese Kollaboration einzustreichen, indem sie im Juni 1941 eine unabhängige Ukraine ausriefen. Aber Hitler war an solch einer Aussicht absolut nicht interessiert. Viele Nationalistenführer wurden getötet oder inhaftiert. Stepan Badura verbrachte den Rest des Krieges in Sachsenhausen. Manche Ukrainer kollaborierten weiterhin mit den Deutschen, um militärische Erfahrung zu sammeln, oder in der Hoffnung auf eine politische Wende für den Fall, dass die Deutschen sie doch einmal brauchen sollten. Aber wie überall in Europa hatte die praktische Kollaboration zum überwiegenden Teil kaum etwas mit Politik zu tun.

Als der Krieg seinen Lauf nahm, bereiteten viele ukrainische Nationalisten sich auf einen Aufstand vor für den Zeitpunkt, da die deutsche durch die sowjetische Macht ersetzt würde. Sie sahen in der UdSSR ihren Hauptgegner, teilweise aus ideologischen Gründen, aber vor allem, weil sie den Krieg gewann. In Wolhynien schufen ukrainische Nationalisten eine Ukrainische Aufständische Armee, deren Aufgabe es war, irgendwie die Sowjets zu besiegen, nachdem diese die Deutschen besiegt hatten. 1943 unternahm sie eine massive und mörderische ethnische Säuberung unter den Polen und tötete zugleich eine Reihe von Juden, die sich bei den Polen versteckt hatten. Dabei handelte es sich keineswegs um eine Kollaboration mit den Deutschen, sondern um den mörderischen Teil einer, wie ihre Führer es verstanden, nationalen Revolution. Danach bekämpften die ukrainischen Nationalisten die Sowjets in einem grauenhaften Partisanenkrieg, in dem beide Seiten die brutalsten Mittel einsetzten. Es war Chruschtschow, der den Befehl gab, die Sowjets sollten die Nationalisten noch an Brutalität übertreffen, um die einheimische Bevölkerung einzuschüchtern.

Die politische Kollaboration und der Aufstand ukrainischer Nationalisten stellten letztlich in der Geschichte der deutschen Okkupation nur ein Element von untergeordneter Bedeutung dar. Infolge des Krieges wurden auf dem Gebiet der heutigen Ukraine etwa sechs Millionen Menschen getötet, darunter etwa 1,5 Millionen Juden. Die Deutschen erprobten ihre Techniken der Massenvernichtung in Kamenez Podolsk und Babyn Jar, wo mehr als zwanzigtausend bzw. dreißigtausend Juden in Massenerschießungen ermordet wurden. In der gesamten besetzten sowjetischen Ukraine kollaborierten Einheimische mit den Deutschen, wie sie es auch in der besetzten Sowjetunion und im ganzen besetzten Europa taten.

Aber in der Ukraine wurden sehr viel mehr Menschen von den Deutschen ermordet, als mit ihnen kollaborierten, und das gilt für kein anderes besetztes Land in Westeuropa. Deshalb kämpften sehr viel mehr Menschen aus der Ukraine gegen die Deutschen als auf der Seite der Deutschen, und auch das gilt für kein anderes besetztes westeuropäisches Land. Die große Mehrheit der Ukrainer, die im Krieg kämpften, tat dies in der Uniform der Roten Armee. Im Kampf gegen die Wehrmacht kamen mehr Ukrainer ums Leben als amerikanische, britische und französische Soldaten zusammengenommen. In Deutschland werden diese Tatsachen nicht gesehen, weil die Rote Armee fälschlich als russische Armee angesehen wird – eine Gleichsetzung, um die sich auch die Propaganda im heutigen Russland bemüht. Wenn die Rote Armee eine russische Armee ist, müssen die Ukrainer Feinde gewesen sein. Diese Denkweise erfand Stalin selbst Ende des Krieges. Die Idee des Großen Vaterländischen Krieges diente drei Zielen: Sie ließ die Handlung 1941 statt 1939 beginnen, so dass das deutsch-sowjetische Bündnis in Vergessenheit geriet; sie stellte Russland ins Zentrum des Geschehens, obwohl die Ukraine in weitaus höherem Maße im Zentrum des Krieges stand; und sie ignorierte vollkommen das Leid der Juden.

Das heutige politische Gedächtnis wird weitaus stärker von der Nachkriegspropaganda geprägt als von der Erfahrung des Krieges. Keiner der heutigen Machthaber erinnert sich noch an den Zweiten Weltkrieg, auch wenn manche führenden russischen Politiker die Geschichtsversion zu glauben scheinen, die man sie als Kind gelehrt hat. Die gegenwärtigen politischen Führer Russlands sind Kinder der 1970er Jahre und damit des Breschnew’schen Kults des Krieges. Der Große Vaterländische Krieg wurde zu einer Sache der Russen, ohne Berücksichtigung der Ukrainer und Juden. Die Juden litten mehr als jede andere sowjetische Bevölkerungsgruppe, aber der Holocaust als solcher hatte keinen Platz in der sowjetischen Geschichte. Er erschien allenfalls in der antiwestlichen Propaganda, in der man das Leid der Juden gänzlich ukrainischen und anderen Nationalisten in die Schuhe schob – Menschen, die in Gebieten lebten, die Stalin im Krieg als Hitlers Verbündeter erobert hatte, und Menschen, die Widerstand gegen die Sowjetmacht geleistet hatten, als die 1945 zurückkehrte. An diese Tradition knüpfen die russischen Propagandisten in der gegenwärtigen Ukraine-Krise an: vollkommene Gleichgültigkeit gegenüber dem Holocaust, soweit sie ihn nicht als politisches Instrument zur Manipulation der Menschen im Westen benutzen können.

In den 1970er Jahren wurde die Sowjetunion russifiziert, und zwar auf eine ganz spezielle Weise. Man gelangte zu dem ideologischen Schluss, dass nur innerhalb der Sowjetunion selbst, nicht aber innerhalb der einzelnen Nationen Klassen existierten. So brauchte die Sowjetunion nur eine einzige denkende Klasse und nicht mehrere nationale Klassen dieser Art. In der Folge wurde die ukrainische Sprache aus den Schulen und insbesondere aus der Höheren Bildung verbannt. Sie behielt ihre Bedeutung als eine Sprache niederer und paradoxerweise zugleich sehr hoher Kultur, denn damals bestritt in der Sowjetunion niemand die Existenz einer eigenständigen ukrainischen Tradition in Kunst und Geisteswissenschaften. In dieser Atmosphäre entwickelten ukrainische Patrioten und selbst ukrainische Nationalisten ein zivilgesellschaftliches Verständnis der ukrainischen Identität. Unterstützt wurden sie darin von emigrierten polnischen Intellektuellen, die in den 1970er und 1980er Jahre eine Außenpolitik für die Zeit nach dem Kommunismus konzipierten.

Diese um Jerzy Giedroyc und die Zeitschrift Kultura in Paris versammelten Intellektuellen erklärten, die Ukraine sei im selben Sinne eine Nation wie Polen, und ein zukünftiges unabhängiges Polen solle eine zukünftige unabhängige Ukraine anerkennen – ohne die Grenzen in Frage zu stellen. Das war damals umstritten, weil Polen im Gefolge des Krieges die heute als Westukraine bezeichnete Region verloren hatte. Im Rückblick war dies der erste Schritt der Ukraine wie auch Polens in Richtung der rechtlichen und institutionellen Normen des Nachkriegseuropa. Die vorweggenommene Anerkennung der Ukraine innerhalb der bestehenden Grenzen wurde 1989 zur Grundlage einer polnischen Außenpolitik nach »europäischen Standards«. In der entscheidenden Phase zwischen 1989 und 1991 und zum ersten Mal in der Geschichte hatten die ukrainischen nationalistischen Aktivisten nur einen Gegner: die Sowjetunion. Im Dezember 1991 stimmten mehr als 90 Prozent der Einwohner (und die Mehrheit aller Regionen) der sowjetischen Ukraine für die Unabhängigkeit.

Danach gingen Russland und die Ukraine getrennte Wege. Privatisierung und Gesetzlosigkeit führten in beiden Ländern zu einer Oligarchie. In Russland wurden die Oligarchen durch einen zentralisierten Staat unterdrückt, während sie in der Ukraine eine eigene Form von Pluralismus schufen. Bis in die allerjüngste Zeit schwankten alle Präsidenten der Ukraine in der Außenpolitik zwischen Ost und West und in der Innenpolitik zwischen verschieden Oligarchen-Clans. Ungewöhnlich an Viktor Janukowitsch war, dass er jeglichem Pluralismus ein Ende zu setzen versuchte, nicht nur dem im Volk, sondern auch dem der Oligarchen. In der Innenpolitik schuf er eine Scheindemokratie, in der sein Lieblingsgegner die weit rechts stehende Svoboda-Partei war. Dadurch führte er eine Situation herbei, in der er Wahlen gewinnen und ausländischen Beobachtern sagen konnte, er sei immerhin besser als die nationalistische Alternative. In der Außenpolitik sah er sich zu Wladimir Putins Russland hingedrängt, und das nicht, weil er dies gewünscht hätte, sondern weil seine eigene Art des Regierens eine substanzielle Zusammenarbeit mit der Europäischen Union schwierig machte. Janukowitsch scheint so viel aus der Staatskasse gestohlen zu haben, dass der Staat 2013 kurz vor dem Bankrott stand, und das machte ihn auch anfällig für russischen Druck.

Nun war es nicht länger möglich, zwischen Russland und dem Westen zu schwanken. Aber 2013 stand Moskau nicht mehr für einen russischen Staat mit mehr oder weniger berechenbaren Interessen, sondern für ein weitaus grandioseres Projekt einer eurasischen Integration. Das eurasische Projekt bestand aus zwei Teilen: der Schaffung einer Freihandelszone zwischen Russland, der Ukraine, Weißrussland und Kasachstan und der Zerstörung der Europäischen Union durch eine Unterstützung der extremen Rechten in Europa. Der imperiale soziale Konservatismus lieferte den ideologischen Deckmantel für ein höchst einfaches Ziel. Das Putin-Regime ist abhängig vom Verkauf des Erdöls und Erdgases, die über Pipelines nach Westeuropa transportiert werden. Ein einiges Europa könnte unter dem Druck russischer Unberechenbarkeit oder der globalen Erwärmung oder beider Faktoren zu einer gemeinsamen Energiepolitik finden. Ein uneiniges Europa bliebe dagegen abhängig von den russischen Energielieferungen. Einzelne Nationalstaaten wären fügsamer als die EU. Im gesamten Jahr 2013 widmeten sich die kremlnahen Medien geradezu obsessiv dem Thema europäischer Dekadenz, insbesondere im Bereich der Sexualität.

Aber kaum waren diese ehrgeizigen Ziele formuliert, zerschellte die stolze eurasische Pose an der Realität der ukrainischen Gesellschaft. Ende 2013 und Anfang 2014 führte der Versuch, die Ukraine in den eurasischen Machtbereich hereinzuholen, zum genau entgegensetzten Ergebnis. Zuerst brachte Russland Janukowitsch mit politischen Mitteln davon ab, ein Handelsabkommen mit der EU zu unterzeichnen. Das führte zu Protesten in der Ukraine. Dann bot Russland einen großen Kredit und günstige Gaspreise als Lohn für eine Zerschlagung des Protests an. Im Januar nach russischem Vorbild eingeführte Gesetze machten den Protest zu einer Massenbewegung. Millionen von Menschen, die sich zu friedlichen Demonstrationen versammelt hatten, wurden plötzlich zu Kriminellen gestempelt, und einige von ihnen begannen, sich gegen die Polizei zu wehren. Schließlich machte Russland sowohl privat als auch öffentlich deutlich, dass Janukowitsch Kiew von Demonstranten säubern musste, wenn er das Geld erhalten wollte. Im Februar folgte dann das Scharfschützenmassaker, das einen eindeutigen moralischen und politischen Sieg für die Revolutionäre darstellte und Janukowitsch zur Flucht nach Russland zwang. Die Eurasische Union konnte nur ein Club von Diktatoren sein, aber der Versuch, in der Ukraine eine Diktatur zu errichten, bewirkte genau das Gegenteil: die Rückkehr zu parlamentarischer Herrschaft, die Ankündigung von Präsidentschaftswahlen und eine auf Europa ausgerichtete Außenpolitik. Nichts von alledem wäre geschehen ohne die spontane Selbstorganisation von Millionen Ukrainern auf dem Majdan in Kiew und im ganzen Land.

Das machte die Revolution in der Ukraine nicht nur zu einem Desaster für die russische Außenpolitik, sondern auch zu einer Gefahr für das russische Regime im Inland. Die Schwäche der Putinschen Politik liegt darin, dass sie mit dem Handeln freier Menschen, die sich als Reaktion auf unvorhersehbare historische Ereignisse selbst organisieren, nichts anzufangen weiß. Ihre Stärke liegt in ihrem taktischen Geschick und ihrer ideologischen Schamlosigkeit. So wurde denn Eurasien sehr schnell modifiziert: Es war nun kein Club von Diktatoren mehr und der Versuch, die EU zu zerstören, sondern der Versuch, den ukrainischen Staat und die EU gleichermaßen zu destabilisieren. Die russische Propaganda stellte die ukrainische Revolution als Nazi-Staatsstreich dar und warf den Europäern vor, diese angeblichen Nazis zu unterstützen. Diese Version war zwar lächerlich, aber in Putins mentaler Welt weitaus komfortabler, weil sie das Debakel der russischen Außenpolitik aus dem Blickfeld rückte und die spontane Aktion der Ukrainer durch eine ausländische Verschwörung ersetzte.

Die russische Invasion und Besetzung der ukrainischen Provinz Krim war ein frontaler Angriff auf die europäische Sicherheitsordnung und auf den ukrainischen Staat. Sie brachte die Deutschen und andere in Versuchung, in die traditionelle Welt kolonialen Denkens zurückzufallen, Jahrzehnte des Rechts zu ignorieren und die Ukrainer als eines eigenen Staates unwürdig zu erachten. Bei der Annexion der Krim bediente Putin sich bezeichnenderweise der Hilfe seiner extremistischen Verbündeten in ganz Europa. Keine angesehene Organisation durfte die Wahlfarce beobachten, bei der angeblich 97 Prozent der Einwohner der Krim für die Annexion stimmten. Aber eine bunt zusammengewürfelte Delegation aus rechtsgerichteten Populisten, Neonazis und Mitgliedern der deutschen Partei Die Linke war gerne bereit zu kommen und die Ergebnisse zu bestätigen. Die deutsche Delegation auf der Krim bestand aus vier Mitgliedern der Linken und einem Mitglied der Neuen Rechten – eine aufschlussreiche Kombination.

Die Linke agiert im Rahmen einer von der russischen Propaganda geschaffenen virtuellen Realität, die der europäischen Linken aus Moskauer Sicht die Aufgabe zuweist, die ukrainische, aber nicht die europäische und ganz gewiss nicht die russische Rechte zu kritisieren. Nun entbehrt solch eine Kritik keineswegs jeglicher Grundlage. Die Ukraine besitzt eine extreme Rechte, und deren Mitglieder haben einen gewissen Einfluss. Janukowitschs hauseigene Opposition Svoboda befreite sich von dieser Rolle in der Revolution. In der gegenwärtigen ukrainischen Regierung stellt sie vier von zwanzig Ministern. Angesichts ihres Wähleranteils von 3 Prozent und ihrer Vertretung im Parlament ist sie damit überrepräsentiert. Unter denen, die während der Revolution gegen die Polizei kämpften, gehörten einige, wenn auch keineswegs die meisten, einer neuen Gruppe namens Rechter Sektor an. Deren Präsidentschaftskandidat liegt in Umfragen unter 2 Prozent, und die Gruppe selbst hat um die dreihundert Mitglieder. Die extreme Rechte findet also eine gewisse Unterstützung in der Ukraine, wenn auch weniger als in den meisten Mitgliedsstaaten der Europäischen Union.

Revolutionäre Situationen begünstigen stets Extremisten, und gewiss ist hier Wachsamkeit geboten. Es ist jedoch erstaunlich, dass Kiew und die Ukraine unmittelbar nach der Revolution zur Ordnung zurückkehrten und dass die neue Regierung angesichts der russischen Invasion eine nahezu unglaubliche Ruhe bewahrt hat. Das einzige Szenario, in dem ukrainische Extremisten in den Vordergrund treten, ist eines, in dem Russland tatsächlich versucht, auch den Rest des Landes zu besetzen. Falls im Mai die Präsidentschaftswahlen stattfinden, wird sich zeigen, wie wenig populär und wie schwach die extreme Rechte in der Ukraine ist. Deshalb ist Moskau gegen diese Wahlen.

Menschen, die nur die ukrainische Rechte kritisieren, übersehen häufig zwei wesentliche Dinge. Erstens ging die ukrainische Revolution von der Linken aus. Ihr Gegner war ein autoritärer Kleptokrat, und ihr zentrales Programm waren soziale Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Initiiert wurde sie von einem Journalisten afghanischer Herkunft, ihre ersten beiden Todesopfer waren ein Armenier und ein Weißrusse, und sie wurde sowohl von muslimischen Krimtataren als auch von zahlreichen Juden unterstützt. Ein jüdischer Veteran der Roten Armee gehörte zu den beim Scharfschützenmassaker Getöteten. Und zahlreiche Veteranen der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte kehrten aus Israel in die Ukraine zurück, um für die Freiheit zu kämpfen.

Der Majdan war zweisprachig, ukrainisch und russisch, weil Kiew eine zweisprachige Stadt, die Ukraine ein zweisprachiges Land und die Ukrainer ein zweisprachiges Volk sind. Die gegenwärtige Regierung ist ganz selbstverständlich multiethnisch und multilingual. Die Ukraine ist ein kosmopolitisches Land, in dem Sprache und ethnische Zugehörigkeit weniger Bedeutung haben, als wir meinen. Tatsächlich beherbergt die Ukraine heute die größten und wichtigsten freien Medien in russischer Sprache, da alle wichtigen Medien der Ukraine auch in Russisch erscheinen und Meinungsfreiheit herrscht. Putins Behauptung, er wolle die Russischsprachigen in der Ukraine schützen, ist in mehrfacher Hinsicht absurd, aber in einer Hinsicht ganz besonders: In der Ukraine können die Menschen auf Russisch sagen, was sie wollen; in Russland selbst können sie das nicht.

Der zweite Punkt, der übersehen wird, ist dieser: Die autoritäre extreme Rechte in Russland ist unendlich gefährlicher als die autoritäre extreme Rechte in der Ukraine. Zum einen, weil sie an der Macht ist. Zum anderen, weil sie keine ernstzunehmenden Rivalen hat. Drittens braucht sie keine Rücksichten auf internationale Erwartungen zu nehmen. Und sie verfolgt heute eine Außenpolitik, die offen auf eine Ethnisierung der Welt setzt. Es spielt keine Rolle, was ein Mensch in rechtlicher Hinsicht oder nach seinen eigenen Präferenzen sein mag. Die Tatsache, dass er russisch spricht, macht ihn zu einem »Volksgenossen«, der russischen Schutz und das heißt eine Invasion verlangt.

Das russische Parlament hat Putin autorisiert, die gesamte Ukraine zu besetzen und deren soziale und politische Strukturen zu verändern: ein extrem radikales Ziel. Es hat auch ein Schreiben an den polnischen Außenminister geschickt mit dem Vorschlag, die Ukraine aufzuteilen. Im populären russischen Fernsehen werden Juden für den Holocaust verantwortlich gemacht; in der großen Tageszeitung Iswestija wird Hitler als vernünftiger Staatsmann rehabilitiert, der auf einen unvernünftigen westlichen Druck reagierte. Die Demonstranten, die sich für einen Krieg und eine Invasion der Ukraine einsetzten, trugen einfarbige Uniformen und marschierten in Formation. Die russische Intervention in der Ostukraine verhindert keine ethnische Gewalt, sondern schürt sie. Der Mann, der in Donezk die russische Fahne hisste, war ein Mitglied der Neonazi-Partei.

All das steht im Einklang mit den grundlegenden ideologischen Prämissen Eurasiens. Während die europäische Integration von der Prämisse ausgeht, dass Nationalsozialismus und Stalinismus negative Beispiele waren, geht die eurasische Integration von der abgenutzten postmodernen Prämisse aus, die Geschichte sei ein Wühltisch nützlicher Ideen. Während die europäische Integration eine freiheitliche Demokratie voraussetzt, lehnt die eurasische Ideologie sie ausdrücklich ab. Der wichtigste Eurasien-Ideologe Alexander Dugin, der einmal einen Faschismus, »so rot wie unser Blut«, forderte, erhält heute mehr Aufmerksamkeit als jemals zuvor. Seine drei politischen Grundideen – die Notwendigkeit, die Ukraine zu kolonisieren, die Dekadenz der Europäischen Union; und der Wunsch nach einem alternativen eurasischen Projekt, das von Lissabon bis Wladiwostok reicht – werden heute offiziell als russische Außenpolitik formuliert, wenn auch natürlich nicht in so wilder Form wie bei ihm. Präsident Putin stellt Russland heute als eingekreistes Heimatland nicht der Revolution, wie einst die Kommunisten es taten, sondern der Konterrevolution dar. Er zeichnet Russland als eine besondere Kultur, die um jeden Preis verteidigt werden müsse, obwohl seine Macht in Europa und der Welt auf einer weit verbreiteten Sammlung reaktionärer Mantras und dem zufälligen Besitz von Erdöl und Erdgas basiert.

Mehr als irgendetwas sonst verbindet die russische Führung und die extreme europäische Rechte eine elementare Unaufrichtigkeit, eine derart fundamentale und auf Selbsttäuschung basierende Lüge, dass sie das Potential besitzt, eine ganze Friedensordnung zu zerstören. Obwohl die russische Führung Hohn und Spott über ein Europa ausgießt, das sie als schwules Amüsierlokal darstellt, ist die Elite Russlands doch auf allen erdenklichen Ebenen von der Europäischen Union abhängig. Ohne die Berechenbarkeit, Rechtstaatlichkeit und Kultur Europas könnten die Russen nirgendwo ihr Geld waschen, ihre Vorzeigeunternehmen gründen, ihre Kinder auf Schulen schicken oder ihre Ferien verbringen. Europa ist sowohl die Basis des russischen Systems als auch dessen Sicherheitsventil. Ganz ähnlich nimmt der durchschnittliche Strache- oder Le-Pen-Wähler zahllose Elemente des Friedens und des Wohlstands, die das Ergebnis der europäischen Integration darstellen, als gegeben hin. Das Paradebeispiel dafür ist die Möglichkeit, am 25. Mai in freien und fairen demokratischen Wahlen das Europaparlament zu bestimmen – und diese Möglichkeit haben auch Menschen, die von sich behaupten, gegen die Existenz des Europaparlaments zu sein.

Wie Putin, so verfangen sich auch Strache und Le Pen in einem offenkundigen Widerspruch: Alle Vorzüge des Friedens und Wohlstands in Europa sollen irgendwie erhalten bleiben, auch wenn Europa zu irgendeiner Form von Nationalstaat zurückkehrt. Aber das ist natürlich eine ebenso dümmliche wie farblose Utopie. Es gibt keinen Nationalstaat, zu dem irgendjemand zurückkehren könnte. Die einzigen Alternativen in einer globalisierten Welt sind verschiedene Formen der Interaktion. Für Länder wie Frankreich oder Österreich oder auch wie Griechenland, Bulgarien und Ungarn bedeutet eine Abkehr von der Europäischen Union die Hinwendung zu Eurasien.

Das ist eine einfache objektive Realität: Ein vereintes Europa kann und wird wahrscheinlich auch angemessen auf einen aggressiven russischen Petrostaat reagieren, während eine Ansammlung zerstrittener Nationalstaaten dies nicht kann. Die Führer der rechtsgerichteten europäischen Parteien versuchen nicht einmal mehr zu verheimlichen, dass ihre Abkehr von Brüssel sie direkt in Putins Armee treibt. Mitglieder ihrer Parteien fahren auf die Krim und preisen die dortige Wahlfarce als Vorbild für Europa. Dabei gilt ihre Treue nahezu ausschließlich Putin und nicht der angeblich rechtsgerichteten ukrainischen Regierung. Selbst der Führer der United Kingdom Independence Party (UKIP) teilt heute in einer TV-Debatte Putins Propaganda im Blick auf die Ukraine mit Millionen britischen Fernsehzuschauern.

Die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine sollen am 25. Mai stattfinden, und es ist durchaus kein Zufall, dass sie mit den Wahlen zum Europäischen Parlament zusammenfallen. Die fortdauernde russische Intervention in der Ostukraine soll diese Wahlen verhindern. In den nächsten Wochen bedeutet Eurasien die Zusammenarbeit zwischen dem Kreml und der extremen europäischen Rechten, wobei Russland versucht, die Wahlen in der Ukraine zu verhindern, und europäische Nationalisten sich bemühen, die Europawahlen zu gewinnen.

Eine Stimme für Strache oder Le Pen oder auch für Farage ist unter diesen Umständen eine Stimme für Putin, und eine Niederlage für Europa ist ein Sieg für Eurasien. Die Rückkehr zum Nationalstaat ist unmöglich. Deshalb wird die Integration in der einen oder anderen Form weitergehen. Nur die Form steht zu Wahl. Politiker und Intellektuelle sagten früher gern, es gebe keine Alternative zum europäischen Projekt, aber jetzt gibt es eine: Eurasien.

Die Ukraine hat keine Zukunft ohne Europa, aber Europa hat auch keine Zukunft ohne die Ukraine. Über die Jahrhunderte haben sich in der Ukraine die Wendepunkte der europäischen Geschichte gezeigt. Das scheint auch heute noch zu gelten. Wie die Dinge sich wenden werden, hängt natürlich zumindest in den nächsten sechs Wochen von den Europäern ab.

Aus dem Amerikanischen übersetzt von Michael Bischoff.

Timothy Snyder ist Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. Mit seiner Unterstützung wollen sich russische, ukrainische und westliche Intellektuelle vom 16.-19. Mai in Kiew versammeln.

Zuerst erschienen in der FAZ vom 14. April 2014.

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    The Kremlin presented Ukraine with two options, both of which were mousetraps. Were Ukraine to allow Samoylova to enter the country, it would violate its own law and tacitly recognize the “Russian status” of Crimea. Were Ukraine to stick to the rule of law and ban her – and this is what happened – it would indirectly tarnish its image as a country that adheres to European values.
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  • Crimea as a Glimpse into a Post-American World

    Fareed Zakaria’s “post-American world” may not be as benign as the author envisaged back in 2008. Other centers of power may follow Russia’s lead and start exploiting the cracks in the international order rather than engage in helping to patch them up.
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  • Die Idee des Intermariums: Ein mittelosteuropäischer Pakt gegen russischen Neoimperialismus

    Die Sicherheitsinteressen Zwischeneuropas und vor allem der Ukraine verlangen nach einem Intermarium-Block – einer Koalition der Staaten zwischen Ostsee und Schwarzem Meer.
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  • The Warsaw NATO Summit and beyond

    Obama’s criticism and the embarrassing act of censorship of his speech notwithstanding, the NATO Warsaw Summit proved on balance to be successful for Poland’s foreign policy goals, as well as those of NATO’s other Eastern Allies, as they have managed to secure NATO’s increased presence on the Eastern flanks as part of a defence against, and a deterrent to, Putin’s Russia. Nevertheless, with the UK gradually losing its influence following the Brexit referendum and most likely leaving the EU within a few years, Poland and NATO’s Eastern Allies are losing an important ally that provided significant political support for these countries in the EU and NATO. Law and Justice may also face growing isolation on the European level, especially if it does not find an acceptable solution for the constitutional crisis and continues questionable practices in the media sphere.
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  • Between ‘the Russian World’ and ‘the Ukrainian Nation’: Kyiv Pride before and after Euromaidan

    Ukrainian LGBT movement is the logical product of the Ukrainian social, economical, and political context. For queer politics to appear in Ukraine, different conditions and possibilities have to be created. It will take years for currently isolated queer activists to rearticulate the existing heteronormative order through many scattered tactical interventions into the public sphere.
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  • Self-Reflection Through the Visual: Notes on Some Maidan Documentaries

    On a formal level, the images win a subjectivity of their own, in a similar way to the people -- the main protagonist of all the abovementioned films -- who gain their political subjectivity during the course of revolutionary struggle. If there is any universal truth about Maidan, then it can be articulated like this: people with their own hands, their own efforts and will ousted the oppressive political regime from power.
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  • Student Protest as the Trigger for the Revolution of Dignity in Ukraine

    By now it has been nearly forgotten how the events started that led to Yanukovych relinquishing power. Nevertheless, it was exactly on the grassroots level that some of the most interesting developments took place such as the appearance of a student protests movement which became crucial for the Euromaidan movement and whose fate paradoxically directly triggered the Revolution.
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  • Declaration of the School of Kyiv – Kyiv Biennial 2015

    The School of Kyiv is a newly invented biennial subject that chose the model of forum as its method of functioning and interacting. The Kyiv biennial has a clear political intention reflected in its social and artistic structure and channeled through its educational form. This is what binds biennial, school, and Kyiv to the intersecting triad of art, knowledge, and politics.
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  • When Empires Collapse – Reflections on the Crisis in Ukraine

    Despite the many obvious differences, the current turmoil in the Middle East and the Ukrainian crisis have something in common: both reflect the problematic legacies left behind when centuries-old empires collapse and the successor states appear less stable and viable than originally imagined.
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  • Ein Historiker im “Information-War”: Karl Schlögel im Interview

    Die russische Annexion der Krim und der "unerklärte Krieg" in der Ukraine haben selbst Experten überrascht. So auch den Historiker und Russland-Kenner Karl Schlögel. Der russische Präsident Wladimir Putin verfolge heute eine völkische Politik, die an das "Dritte Reich" erinnert, sagte er in einem Interview.
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Tr@nsit Online Authors

  • Bradley F. Abrams

    History, Stanford University
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  • Thomas Ahbe

    Thomas Ahbe studierte Philosophie, Ökonomie und Soziologie. Seit 1998 wirkt er freischaffend als Sozialwissenschaftler und Publizist. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Diskurs- und Kulturgeschichte der deutschen Zweistaatlichkeit und der ostdeutschen Transformation sowie die Generationengeschichte der DDR und Ostdeutschlands.   Print

  • Karl Aiginger

    Karl Aiginger is Director of WIFO (Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung), Professor of Economics and Coordinator of the project A new growth path for Europe within the 7th European Framework Program.   Print

  • Huercan Asli Aksoy

    Ph.D. candidate in Political Science, University of Tübingen
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  • Sorin Antohi

    Sorin Antohi is Professor of History at Central European University, Budapest.   Print

  • Timothy Garton Ash

    History, Oxford
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  • Roumen Avramov

    Program director for economic research at the Center for Liberal Strategies, Sofia
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  • Adam Baczko

    PhD Candidate in Political Science, EHESS, Paris
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  • Rainer Bauböck

    Rainer Bauböck is professor of social and political theory at the European University Institute in Florence. In 2006 he was awarded the Latsis Prize of the European Science Foundation for his work on immigration and social cohesion in modern societies. Among his many publications are Immigration and Boundaries of Citizenship (1992), Transnational Citizenship: Membership and …
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  • Steven Beller

    Geschichte, Cambridge
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  • Naja Bentzen

    Freelance journalist, Wien
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  • Luiza Bialasiewicz

    Professor of European Governance, University of Amsterdam
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  • Muriel Blaive

    Advisor to the Director, in Charge of Research and Methodology, Institute for the Study of Totalitarian Regimes, Prague

    EURIAS Visiting Fellow
    (June 2018 – March 2019)
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  • András Bozóki

    Professor of Political Science, Central European University, Budapest
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  • José Casanova

    Professor für Soziologie, New School for Social Research, New York
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  • Daniel Chirot

    Soziologie, Seattle
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  • Robert Cooper

    Robert Cooper ist britischer Diplomat und derzeit als Sonderberater des Europäischen Auswärtigen Dienstes (European External Action Service, EEAS) tätig. Er ist zudem Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR).   Print

  • Peter Demetz

    Sterling Professor Emeritus of German and Comparative Literature, Yale University; Korrespondierendes Mitglied des IWM
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  • James Dodd

    Associate Professor of Philosophy, Special Advisor to the Dean on Faculty Affairs, New School for Social Research
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  • Martin Endreß

    Martin Endreß ist Professor für Soziologie an der Universität Trier.   Print

  • Mischa Gabowitsch

    Mischa Gabowitsch (gabowitsch.net) is a research fellow at the Einstein Forum in Potsdam. He is the author of Putin kaputt!? (Suhrkamp, 2013), a study of the 2011-13 Russian protests for fair elections, and maintains protestrussia.net, which collects academic resources for the study of protest in Russia.   Print

  • Charles Gati

    Charles Gati is Senior Acting Director of Russian and Eurasian Studies and Foreign Policy Institute Senior Fellow at the School of Advanced International Studies at the Johns Hopkins University, Washington, D.C.     Print

  • Dessy Gavrilova

    Dessy Gavrilova is the founding Director of The Red House – Center for Culture and Debate in Sofia, Bulgaria.     Print

  • Keith Gessen

    Keith Gessen is a freelance writer living in Cambridge, MA.   Print

  • Gerhard Gnauck

    Warsaw correspondent for Die Welt
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  • Katya Gorchinskaya

    Managing Editor for Investigative Programming, Radio Free Europe/Radio Liberty (REF/RL), Kyiv
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  • John Gray

    John Gray is Professor of European Thought at the London School of Economics.   Print

  • Rainer Gries

    Rainer Gries lehrt und forscht als Universitätsprofessor am Historischen Institut der Friedrich-Schiller-Universität Jena, am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien sowie an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien. Zu seinen Forschungsschwerpuntken zählen u.a. die Gesellschaftsgeschichte Deutschlands und Österreichs im 20. Jahrhundert und die Geschichte des Konsums in Europa.   Print

  • Eva Hahn

    Geschichte
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  • Gábor Halmai

    Professor of Law, Department of European Studies; Eötvös Loránd University, Budapest
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  • Elemer Hankiss

    Professor für Politikwissenschaft, Eötvös Lorand Universität, Budapest; Korrespondierendes Mitglied des IWM
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  • Miklós Haraszti

    Miklós Haraszti is a writer, journalist, human rights advocate and university professor. He served the maximum of two terms as the OSCE Representative on Freedom of the Media from 2004 to 2010. Currently he is Adjunct Professor at the School of International and Public Affairs of Columbia Law School, New York. Haraszti studied philosophy and …
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  • Sabine Hark

    Sabine Hark forscht an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam, Professur für Frauenforschung.   Print

  • Annemieke Hendriks

    Freelance journalist, Berlin
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  • Charles Hirschman

    Charles Hirschman is Boeing International Professor at the Department of Sociology and the Daniel J. Evans School of Public Affairs, Washington University.     Print

  • Jennifer L. Hochschild

    Jennifer L. Hochschild is Professor of Government at the John F. Kennedy School of Government, and Professor of African and African-American Studies at the Faculty of Arts and Sciences, Harvard University.   Print

  • Yaroslav Hrytsak

    History, Central European University Budapest
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  • Richard Hyman

    Richard Hyman ist Professor für Politikwissenschaft an der London School of Economics.   Print

  • Vladislav Inozemtsev

    Professor of Economics at Higher School of Economics; Director, Centre for Post-Industrial Studies, Moscow
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  • Bruce P. Jackson

    Bruce P. Jackson is the founder and President of the Project on Transitional Democracies. The Project is a multi-year endeavour aimed at accelerating the pace of reform in post-1989 democracies and advancing the date for the integration of these democracies into the institutions of the Euro-Atlantic. Jackson has written extensively about the engagement of Russia …
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  • Tom Junes

    Visiting Researcher, Warsaw University, and Visiting Lecturer in Polish history, KULeuven, Belgium
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  • Alex J. Kay

    Alex J. Kay holds a PhD in History from the Humboldt University Berlin.   Print

  • Anatoly M. Khazanov

    Anatoly M. Khazanov ist Professor für Anthropologie an der University of Wisconsin, Madison.   Print

  • Cornelia Klinger

    Professor of Philosophy, University of Tübingen
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  • Gudrun-Axeli Knapp

    Professor of Social Sciences and Social Psychology, University of Hannover
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  • Jacek Kochanowicz

    Jacek Kochanowicz is Professor for Economic History at Warsaw University.       Print

  • Michal Kopecek

    International Relations, Charles University Prague
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  • János Kornai

    János Kornai is Prof. em. for Economics  at Harvard University and Permanent Fellow at the Collegium Budapest – Institute for Advanced Study. He is a member of the Hungarian Academy of Sciences and the Academia Europeae, and Foreign Member of the American, British, Bulgarian, Finnish, Russian and Swedish Academies. He has served as President of …
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  • Bilyana Kourtasheva

    Post-Doc in Theory and History of Literature, New Bulgarian University, Sofia
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  • János Mátyás Kovács

    IWM Permanent Fellow
    Lecturer, Department of Economics, Eötvös Lorand University, Budapest
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  • Ivan Krastev

    IWM Permanent Fellow
    Chair of the Board, Centre for Liberal Strategies, Sofia
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  • Yustyna Kravchuk

    PhD candidate in Film and Media Studies, National Academy of Sciences of Ukraine, Kyiv
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  • Jacek Kucharczyk

    Jacek Kucharczyk ist Head of Programs am Institute of Public Affairs in Warschau.   Print

  • Aleksander Kwasniewski

    Aleksander Kwasniewski war Präsident Polens. Seine Amtszeit verlief von 1995 bis 2005 über zwei Legislaturperioden.   Print

  • Mladen Lazic

    Professor of Sociology, University of Belgrade
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  • Claus Leggewie

    Professor für Politikwissenschaft, Justus-Liebig-Universität Giessen
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  • Mark Leonard

    Co-founder and Director, European Council on Foreign Relations
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  • André Liebich

    Honorary Professor of International History and Politics, Graduate Institute, Geneva
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  • Burkhard Liebsch

    Burkhard Liebsch ist Professor für Philosophie an der Ruhr-Universität Bochum.   Print

  • Michal Luczewski

    Ph.D. candidate in Sociology, Warsaw University
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  • Charles S. Maier

    Charles S. Maier ist Direktor des Center for European Studies, Harvard University.   Print

  • Andrey Makarychev

    Andrey Makarychev ist Professor und Research Fellow am Institut Osteuropäische Studien an der Freien Universität Berlin.   Print

  • Michał Maciej Matlak

    Ph.D. candidate, Department of Political and Social Sciences, European University Institute, Florence
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  • Erik Meyer

    Erik Meyer ist seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sonderforschungsbereich ‘Erinnerungskulturen’ an der Justus-Liebig Universität Gießen.   Print

  • Krzysztof Michalski

    IWM Founding Rector
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  • Hans J. Misselwitz

    Hans-Jürgen Misselwitz ist ein deutscher SPD-Politiker und Gründungsmitglied des Instituts Solidarische Moderne.   Print

  • Alessandro Monsutti

    Alessandro Monsutti is an associate professor of anthropology and development sociology at the Graduate Institute of International and Development Studies in Geneva, as well as research associate at the Refugee Studies Centre at the University of Oxford. He worked as a consultant for several nongovernmental and international organizations, icnluding UNHCR. His book War and Migration: Social Networks …
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  • Jan-Werner Müller

    Professor of Politics, Princeton University

    Visiting Fellow
    (September 2016 – August 2017)
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  • Rainer Münz

    Professor für Bevölkerungswissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin; Korrespondierendes Mitglied des IWM
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  • Sighard Neckel

    Professor of Sociology, Goethe-Universität, Frankfurt am Main
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  • Katherine Newman

    Katherine S. Newman is the James B. Knapp Dean of The Zanvyl Krieger School of Arts and Sciences. She is a widely published expert on poverty and the working poor who led major interdisciplinary initiatives at Princeton and Harvard universities.     Print

  • Pierre Nora

    Pierre Nora lehrt Geschichte an der École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris.   Print

  • Tereza Novotna

    Political Science, Boston University
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  • Ewald Nowotny

    Ewald Nowotny is Governor of the Austrian National Bank.   Print

  • Thomas Nowotny

    Thomas Nowotny teaches Political Science at the University of Vienna. He has been Austrian diplomat, private secretary to Austrian Chancellor Bruno Kreisky, senior political counselor to the European Bank for Reconstruction and Development, and consultant to the OECD.   Print

  • Vlad Odobescu

    Freelance journalist, Romanian Centre for Investigative Journalism, Bucharest
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  • Andrzej Paczkowski

    Professor für Geschichte, Institut für Politische Studien, Polnische Akademie der Wissenschaften, Warschau
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  • Emilia Palonen

    Politics, University of Essex
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  • Irina Papkova

    Irina Papkova is a Research Fellow of Georgetown University’s Berkley Center for Religion, Peace, and World Affairs. She spent five years teaching at the Department of International Relations and European Studies at Central European University, Budapest.   Print

  • Agnieszka Pasieka

    Ph.D. in Social Anthropology from the Martin Luther University, Halle/Saale
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  • Gleb Pavlovsky

    President, Center of Effective Policies; Member, Public Chamber of the Russian Federation; Editor-in-Chief, The Russian Journal, Moscow

    Guest, Russia in Global Dialogue
    (March 2019)
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  • György Péteri

    Professor of Contemporary European History, Norwegian University of Science and Technology, Trondheim
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  • Tanja Petrovic

    Tanja Petrovic works at the Scientific Research Center of the Slovenian Academy of Sciences and Arts, Ljubljana.   Print

  • David Petruccelli

    PhD candidate in History, Yale University
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  • Alexander von Plato

    Alexander von Plato ist ein deutscher Philosoph und Historiker. Er gründete das Instituts für Geschichte und Biographie an der Fernuniversität Hagen, das er bis 2007 leitete. Von 1996 bis 2000 war er Sekretär der International Oral History Association, von 2006 bis 2008 deren Vizepräsident. Er ist Mitherausgeber und Redakteur von BIOS – Zeitschrift für Biographieforschung, Oral …
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  • Andrei Pleșu

    Andrei Pleșu ist Rektor des New Europe College, Bukarest. 1989- 1991 war er rumänischer Kulturminister und 1997- 1999 rumänischer Außenminister.   Print

  • Martin Pollack

    Martin Pollack, geb. 1944 in OÖ, studierte Slawistik und osteuropäische Geschichte. Er war von 1987 bis 1998 Redakteur des “Spiegel” in Warschau und Wien und lebt heute als Schriftsteller und literarischer Übersetzer in Wien und Bocksdorf im Südburgenland. 2011 erhielt er den Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung und 2012 den Stanislaw-Vincenz-Preis. Zuletzt erschien von ihm …
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  • Krzysztof Pomian

    Krzysztof Pomian is Professor of History at the Nicolaus Copernicus University (Toruń) and Academic Director of the Museum of Europe in Brussels.   Print

  • Romano Prodi

    Romano Prodi war von September 1999 bis November 2004 Präsident der Europäischen Kommission.   Print

  • Lipin Ram

    PhD candidate and teaching assistant in Anthropology and Sociology of Development, Graduate Institute, Geneva
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  • Mykola Riabchuk

    Senior Research Fellow, Institute of Political and Nationalities’ Studies, Academy of Sciences, Kyiv
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  • Edelbert Richter

    Edelbert Richter ist deutscher Theologe, Politiker und war Mitglied des Deutschen Bundestages.   Print

  • Paul Ricoeur

    Paul Ricoeur ist Philosoph und war Professor Emeritus an der University of Chicago und an der Sorbonne. Er war Mitglied der Académie Francaise und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats des IWM. Er starb 2005.   Print

  • Michel Rocard

    Michel Rocard, former First Secretary of the French Socialist Party and a member of the European Parliament for 15 years, was Prime Minister of France from 1988 to 1991.   Print

  • Akos Rona-Tas

    Akos Rona-Tas is professor at the Sociology Department of the University of California, San Diego and a research associate at Met@risk, INRA, Paris. He is the author of the books Plastic Money: Constructing Markets for Credit Cards in Eight Postcommunist Countries (with Alya Guseva, 2014) and Surprise of the Small Transformation: Demise of Communism and …
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  • Lew Rubinstein

    Lew Rubinstein lebt als Poet und Essayist in Moskau. Nach dem Studium der Philologie war er als Bibliothekar tätig. Seit Ende der 1960er-Jahre verfasst er poetische Arbeiten, seit 1974 serielle Textzyklen als so genannte Kartotheken. Zusammen mit Andrej Monastyrskij, Dimitrij A. Prigov und Vladimir Sorokin gilt er als wichtigster Vertreter des Moskauer Konzeptualismus. Print

  • Jacques Rupnik

    Geschichte und Politikwissenschaft, Paris
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  • Claudia Šabic

    Claudia Šabi? ist Politikwissenschaftlerin und Ethnologin. Seit 1998 ist sie Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Goethe-Universität, Frankfurt am Main. Print

  • Ranabir Samaddar

    Distinguished Chair in Migration and Forced Migration Studies, Calcutta Research Group

    Guest
    (January - March 2019)
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  • Paul Sanders

    Paul Sanders is a historian and management scholar. He is a full-time professor at Reims Management School in Reims, France. He has published across the disciplines of history, international relations and leadership.   Print

  • Karl Schlögel

    Karl Schlögel war Professor für Osteuropäische Geschichte zuerst an der Universität Konstanz, dann an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder. Nach seiner Emeritierung arbeitet er an einer Archäologie des Kommunismus und einer Geschichte des Wolgaraumes. Zurzeit ist er City of Vienna/IFK Fellow am IFK in Wien.     Print

  • Thomas Schmid

    Thomas Schmid is the publisher of the WELT Group, Berlin. He worked for various newspapers, among them as editor of the Frankfurter Allgemeine Zeitung and the Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. From 2006 to 2010 he was Editor-in-Chief of Die Welt.   Print

  • Margit Schratzenstaller

    Margit Schratzenstaller is senior researcher at the Austrian Institute of Economic Research (WIFO) and is currently coordinating (together with Karl Aiginger and Stefan Ederer) ‘WWW for Europe’, a 4-year research project within the 7th Framework Program funded by the European Commission.   Print

  • Dieter Segert

    Dieter Segert ist Professor für Transformationsprozesse in Mittel-, Südost- und Osteuropa am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien. Seit September 2007 ist er Mitglied des Vorstandes des IDM Wien, seit Juni 2008 Mitglied der Leibniz-Sozietät der Wissenschaften zu Berlin.   Print

  • Victoriya Sereda

    Sociologie, Ivan-Franko-Universität, Lviv
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  • Michel Serres

    Michel Serres ist Philosoph und Mitglied der Académie Française.   Print

  • Anton Shekhovtsov

    PhD in Political Science
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  • Marci Shore

    Associate Professor of History, Yale University

    Visiting Fellow
    (June 2018 – August 2019)
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  • Sławomir Sierakowski

    Director, Institute for Advanced Study, Warsaw; Founder, "Krytyka Polityczna" movement
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  • Sara Silverstein

    Ph.D. Candidate in Modern European and International History, Yale University
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  • Ondřej Slačálek

    Assistant Professor of Political Science, Charles University, Prague
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  • Aleksander Smolar

    Political Science, Paris
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  • Timothy Snyder

    IWM Permanent Fellow
    Richard C. Levin Professor of History, Yale University
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  • George Soros

    George Soros is a pioneer of the hedge-fund industry, investor and philanthropist, he is the author of many books, including Financial Turmoil in Europe and the United States: Essays (2012), The Soros Lectures: At the Central European University (2010), The Crash of 2008 and What it Means: The New Paradigm for Finance Markets (2009).   …
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  • Robert Spaemann

    Robert Spaemann ist Professor em. für Philosophie an der Universität München.   Print

  • Pawel Spiewak

    Associate Professor of Sociology, Department of Sociology and Philosophy, Warsaw University
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  • Wilfried Stadler

    Wilfried Stadler ist Unternehmensberater, Wirtschaftspublizist und Honorarprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Bis 2009 war er Vorstandsvorsitzender einer österreichischen Spezialbank für Unternehmensfinanzierung.   Print

  • Rudolf Stamm

    Rudolf Stamm war von 1975 bis 1988 Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung für Osteuropa und Österreich, anschließend bis 1999 für Italien, dann bis zu seiner Pensionierung 2002 für die USA mit Sitz in Washington D.C. Er starb 2010 in der Schweiz. 1985 erscheinen seine NZZ-Reportagen aus Osteuropa in dem Band Alltag und Tradition in Osteuropa. …
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  • Paul Starr

    Paul Starr ist Professor für Soziologie an der Princeton University und Mitherausgeber von The American Prospect. Er ist Pulitzer-Preisträger.   Print

  • Martina Steer

    ÖAW APART Fellow (History)
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  • Kristina Stoeckl

    Research Director
    APART Fellow, Austrian Academy of Sciences; Department of Political Sciences, University of Vienna
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  • Roman Szporluk

    Roman Szporluk is Professor em. of Ukrainian History at Harvard and Professor em. of History at the University of Michigan. He is a foreign member of the National Academy of Sciences in Kiev, Ukraine. His research focuses on modern Ukrainian, Russian, and Polish history, and on Marxism and nationalism in Eastern Europe.   Print

  • Charles Taylor

    IWM Permanent Fellow
    Professor em. of Philosophy, McGill University, Montréal
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  • Maria Teteriuk

    PhD candidate in Mass Communications and senior lecturer in Media Studies, National University of 'Kyiv-Mohyla Academy', Ukraine
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  • Philipp Ther

    Junior Professor of Polish and Ukrainian Studies, Europa-Universität Frankfurt / Oder
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  • Maria Todorova

    Professor of History, University of Illinois at Urbana Champaign
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  • Balázs Trencsényi

    Balázs Trencsényi, Ph.D., is Associate Professor at the Department of History, CEU. His research focuses on the comparative history of political thought in East Central Europe and the history of historiography. He is co-director of Pasts, Inc., Center for Historical Studies at CEU and Associate Editor of the periodical East Central Europe (Brill). He was …
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  • Stefan Troebst

    .
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  • Marius Turda

    Lecturer in the Education Abroad Program, Eötvös Lorand University, Faculty of Humanities, Budapest
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  • Andreas Umland

    Andreas Umland ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Euro-Atlantische Kooperation Kiew sowie Herausgeber der Buchreihe Soviet and Post-Soviet Politics and Society, ibidem-Verlag Stuttgart. Print

  • Victoria Vasilenko

    Assistant Professor of Contemporary History and International Relations, Belgorod National Research University
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  • David G. Victor

    David G. Victor is a Professor at the School of International Relations and Pacific Studies at the University of California, San Diego, where he directs the Laboratory on International Law and Regulation.   Print

  • Harald Welzer

    Harald Welzer ist Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke und Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen.   Print

  • Karolina Wigura

    Adjunct of the History of Ideas, University of Warsaw; Co-Editor of Kultura Liberalna
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  • Volodymyr Yermolenko

    Volodymyr Yermolenko is a Ukrainian philosopher and essayist. He has a degree in Political Science from the EHESS, Paris, and teaches at Kyiv Mohyla Academy in Kyiv. He is the author of the book Narrator and Philosopher: Walter Benjamin and his time (2011, in Ukrainian). Print

  • Oksana Zabuzhko

    Free-lance writer, Kiev
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  • Tatiana Zhurzhenko

    IWM Research Director, Russia in Global Dialogue and Ukraine in European Dialogue
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