START-Preis geht an Kristina Stoeckl

DSC_0217_webFür ihr Projekt zur Erforschung post-säkularer Konflikte ist Kristina Stoeckl in diesem Jahr als einzige Geistes- und Sozialwissenschaftlerin mit einem der begehrten START-Preise des österreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) ausgezeichnet worden. Das sechsjährige Forschungsvorhaben untersucht am Beispiel der Russisch Orthodoxen Kirche, welche Allianzen konservative Akteure eingehen, wenn es um die Verteidigung „traditioneller Moral- und Wertvorstellungen“ geht. Der mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotierte Preis ist die höchste Auszeichnung für Nachwuchswissenschaftler in Österreich.

Fragen rund um die rechtliche Gleichstellung von Homosexuellen, Geschlechtergerechtigkeit, Abtreibung, Sterbehilfe und die öffentliche Rolle der Religion führen in vielen Gesellschaften zu Konflikten, selbst in säkularisierten westeuropäischen Ländern. Sie werden nicht nur in nationalen Parlamenten diskutiert, sondern beschäftigen zusehens auch internationale Institutionen wie den Beirat für Menschenrechte der Vereinten Nationen oder den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Das mit dem START-Preis ausgezeichnete Projekt analysiert diese neu entstandenen Konfliktlinien und fragt nach den Argumenten, Strategien und politischen Agenden, die konservative Kreise im Kampf gegen liberale Tendenzen ins Feld führen.

Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einem Schlüsselakteur der transnationalen Moralpolitik, der Russisch Orthodoxen Kirche, so Krisitina Stoeckl. Während das Naheverhältnis zwischen dem russischen Patriarchen und Putin immer wieder in den Medien thematisiert wird, ist die Rolle der Kirche in der russischen Außenpolitik und auf der internationalen Bühne bisher auf wissenschaftlicher Ebene wenig untersucht worden. Um das zu ändern, will die gebürtige Salzburgerin, die seit 2012 als APART-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ihr Habilitationsprojekt am Institut für Politikwissenschaft der Universität Wien verfolgt, eine post-säkulare Konflikttheorie entwickeln.

In den nächsten sechs Jahren wird sie – zusammen mit einem Team an Doktoranden und Post-Doktoranden – an der Umsetzung des multidisziplinären Projekts arbeiten. Neben der Publikation der Forschungsergebnisse und der Einrichtung einer eigenen Website sind internationale Konferenzen und Vortragsreihen geplant.

Am IWM, wo Kristina Stoeckl bereits mehrere Mal als Visiting Fellow tätig war,  leitete sie das Forschungsprojekt “Religious Traditionalism and Politics“.

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Copyright: FWF / Klaus Ranger