Aleš Havlíček – In Memoriam

Havlicek2Mit großer Bestürzung nimmt das IWM Abschied von Aleš Havlíček, der am 22. Juli 2015 plötzlich und unerwartet im Alter von 59 Jahren in Prag verstorben ist.

Aleš Havlíček lebte in der Philosophie und für die Philosophie. Ihm eigen war eine unnachahmliche Gabe, sich und andere zu begeistern für die Schönheit des philosophischen Denkens. Er war ein Mann des Handelns – unermüdlicher Antreiber, Organisator und Spiritus Rector für eine Vielzahl von Initiativen in der tschechischen Philosophie der vergangenen Jahrzehnte. Alle, die ihn erlebt haben, wissen, welche Gunst es war, mit ihm für die gemeinsame Sache zu kämpfen.

Seit dem Jahr 2011 war Havlíček Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Ústí nad Labem. Von 1991 bis zu seinem Tode leitete er den Prager Verlag Oikúmené. Etwa 500 Titel wurden in dieser Zeit verlegt, darunter auch Jan Patočkas Ausgewählte Schriften (Sebrané Spisy). Zusammen mit Ladislav Hejdánek, dessen Schüler er war und dem er sich philosophisch besonders verbunden fühlte, gründete er die Zeitschrift Reflexe. Er war Mitbegründer der tschechischen Platon-Gesellschaft. Platon und der politischen Philosophie galt die einzigartige Begeisterung seines Denkens. Regelmäßig versammelte er die Platon-Forscher in Prag zu Konferenzen, die weithin Beachtung fanden und deren Atmosphäre von der großzügigen Freundlichkeit seiner Person geprägt wurde.

Im Jahr 1995 war Havlíček Visiting Fellow des Instituts. Seit dieser Zeit blieb er ein geschätzter Kooperationspartner in vielen Dingen und ein immer wieder gern gesehener Gast, dessen Mitwirken jede Konferenz bereicherte. Zuletzt war er im Dezember 2013 Gast des Instituts bei einem Vortrag über den tschechischen Underground der 1970er Jahre. Er zeigte an diesem Abend auch einen seiner Filme aus dieser Zeit, ein großartiges Dokument über die tschechische Rockmusik im Untergrund – noch so eines seiner vielen Talente!

Für das Jahr 2016 hatte das IWM Aleš Havlíček im Rahmen des Patočka-Fellowships zu einem dreimonatigen Aufenthalt an das Institut eingeladen. Gerade hatten wir uns auf den Termin seines Aufenthalts verständigt.

Wir vermissen schon jetzt seinen mitreißenden Enthusiasmus, seine Leichtigkeit, seine zuverlässige Freundschaft und die unerschütterliche Hingabe an die Philosophie. Er hatte noch so viel vor.

Ludger Hagedorn
Wien, 30.07.2015