Transit 30

Anatomie einer Krise.
Das Scheitern der EU-Verfassung und die Dilemmata der Osterweiterung

Seit ihrer Osterweiterung im Mai 2004 ist die Europäische Union in eine manifeste Identitätskrise geraten, zu der mit der Ablehnung des Verfassungsvertrages in Frankreich und den Niederlanden eine politische Vertrauenskrise hinzugekommen ist, wobei beide Krisen sich wechselseitig verschärfen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Charles Kupchan in seinem Buch über das …
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Transit 30: Editorial

Die Osterweiterung hat die Europäische Union nicht nur beträchtlich vergrößert, sondern tiefgreifend verändert. Sie hat an Gewicht gewonnen, gleichzeitig sind aber auch ihre inneren Spannungen gewachsen. Heute steht sie vor ganz neuen Herausforderungen, in Bezug auf ihren Zusammenhalt ebenso wie auf ihre internationale Rolle. Die Verabschiedung einer Verfassung sollte dieser Metamorphose Gestalt und Richtung geben. …
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Heft 30: Europäische Krise? / Geschichte und Gedächtnis

Transit 30

Die Osterweiterung hat die Europäische Union nicht nur beträchtlich vergrößert, sondern tiefgreifend verändert. Sie hat an Gewicht gewonnen, gleichzeitig sind aber auch ihre inneren Spannungen gewachsen. Heute steht sie vor ganz neuen Herausforderungen, in Bezug auf ihren Zusammenhalt ebenso wie auf ihre internationale Rolle. Die Verabschiedung einer Verfassung sollte dieser Metamorphose Gestalt und Richtung geben. Der Schock ihres (vorläufigen) Scheiterns hat einen intensiven Nachdenkprozess über das Selbstverständnis, die internationale Verantwortung und die Zukunftsperspektiven der Union ausgelöst.
Vor 70 Jahren sprach Edmund Husserl in Wien über »Die Philosophie in der Krisis der europäischen Menschheit«. Für seinen Schüler, den tschechischen Denker Jan Patocka, steht die Idee Europas – Inbegriff von Freiheit und Verantwortung – im Zentrum jeder Philosophie des Politischen und der Geschichte. Doch wohnt der europäischen Idee zugleich eine widersprüchliche Dynamik inne, die im destruktiven Potential des technischen Rationalismus kulminiert. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts sind der Idee Europas nicht äußerlich, auch sie entspringen ihrer inneren Logik. Was bedeutet angesichts dessen die von Husserl geforderte »Selbstbesinnung« für die Europäer des 21. Jahrhunderts?

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