Focus VIII: Sources of Inequality


Deutsch

Modernization and globalization have not only aggravated existing social inequalities but have also produced new forms of inequality. The latter, and their underlying causes, lie at the core of the research focus Sources of Inequality. This project concentrates on crucial issues of social policy: the care for children and adolescents, the sick and the elderly as well as people with disabilities. Since the emergence of capitalist industrial society, those areas have been defined as “unproductive”. They were excluded from the economic system and placed within the private sphere of the family, most often putting the strain of unpaid care work on the women of the household—the “house-wives”.

This solution, which saved capitalist economies the ‘costs of living’—of its coming into being and ceasing to be, i.e. the “weaknesses” of mankind: natality, morbidity and mortality—entailed enormous overlapping problems of inequality between gender and class. In the course of the 20th century, the welfare state model was developed in order to resolve or mitigate these issues (invoking public responsibility for at least some of this care work).

However, the notion of the welfare state has been challenged in the last decades (as shown by the crisis of the welfare system under the impact of globalization and (neo-)liberalization). More recently, commercial organizations that deal specifically with these areas of life have been conceived, implicating a change from viewing what used to be seen as a burdensome cost as a profitable enterprise. Which opportunities, as well as risks, are created by these developments? Can the whole process of life really be subordinated to the cash nexus?

Which consequences does this have for the individual and the “good life” of society? How do these developments affect problems of inequality? What are the alternatives? Given that the various solutions hitherto devised are insufficient and strongly influenced by social and gender biases, this latter question poses itself with particular urgency.

Ursachen von Ungleichheit

English

Modernisierung und Globalisierung haben nicht nur bestehende soziale Ungleichheiten verschärft, sondern auch neue Formen von Ungleichheit hervorgebracht. Der Forschungsschwerpunkt Ursachen von Ungleichheit fragt nach den Gründen für diese Entwicklungen und beschäftigt sich vorwiegend mit sozialpolitischen Kernfragen wie der Sorge für Kinder, Jugendliche und Kranke sowie für Behinderte und Alte. Mit der Entstehung der kapitalistischen Industriegesellschaft wurden diese Bereiche als „unproduktiv“ aus dem Wirtschaftssystem ausgegliedert und in die Privatsphäre, das heißt an die Familien, überwiesen. Konkret wurde das meiste davon zur unbezahlten Arbeit von so genannten „Haus-Frauen“ (Care-Arbeit).

Mit dieser Lösung, die der kapitalistischen Wirtschaft die Kosten für das Leben – von seinem Entstehen bis zu seinem Vergehen und mit all seinen „Schwächen“ (Natalität, Morbidität und Mortalität) – ersparte, waren gewaltige, sich überschneidende Ungleichheitsprobleme zwischen den Geschlechtern und Klassen verbunden. Zu ihrer Lösung oder Milderung wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts das wohlfahrtsstaatliche Modell entwickelt, das diese Aufgaben zumindest teilweise in öffentlicher Regie übernahm. Dieser Ansatz ist in den letzten Jahrzehnten unter Druck geraten (exemplarisch hierfür steht die Krise des Sozialstaats unter dem Eindruck der Globalisierung und (Neo-)Liberalisierung). In Folge entwickelten und entwickeln sich gegenwärtig Ansätze zur privatwirtschaftlichen Organisation dieser Bereiche. Das bedeutet eine Umstellung von bislang als Belastung aufgefassten Lebensführungskosten auf Profitorientierung.

Welche Chancen und Risiken bringen diese Entwicklungen mit sich? Lässt sich der gesamte Lebensprozess von Menschen dem cash nexus unterstellen? Welche Folgen hat das für das Leben der Individuen und das „gute Leben“ der Gesellschaft? Welchen Einfluss hat diese Entwicklung fürdie Ungleichheitsproblematik? Welche Alternativen gibt es? Diese letzte Frage stellt sich mit besonderer Dringlichkeit, da alle bislang entwickelten Modelle unzulänglich und mit gravierenden sozialen Ungleichgewichten und Gerechtigkeitsproblemen behaftet sind.

 

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