Bereits das siebte Jahr in Folge bringt Vienna meets Prague ein facettenreiches Kulturprogramm aus Österreichs Nachbarland nach Wien. Gemeinsam mit den Partnerinstitutionen präsentiert das IWM über fünf Tage hinweg Literatur, Poesie, Film und Musik aus Tschechien an verschiedenen Veranstaltungsorten. Der Eintritt ist frei.
Fester Bestandteil des Festivals ist seit der ersten Auflage die Kooperation mit dem Národní filmový archiv (NFA) in Prag. Auch in diesem Jahr gibt es Klassiker des tschech(oslowak)ischen Kinos wieder zu entdecken: zwei der bekanntesten Werke des ungemein produktiven Otakar Vávra, der mehr als fünf Jahrzehnte lang wirkte und als Regisseur ein Faible für die großen Stoffe der tschechischen Literatur und Geschichte hatte. Gezeigt wird am 25. April Krakatit (1948), basierend auf der gleichnamigen Science-Fiction-Story von Karel Čapek, gefolgt von Hexenjagd aus dem Jahr 1969, der auf Ereignissen im Böhmen des 17. Jahrhunderts beruht, aber Parallelen zu zeitgenössischen Schauprozessen evoziert. Überhaupt frappieren beide Filmgeschichten mit ihrer Aktualität auch im heutigen Kontext, was jedoch kaum eigens betont werden muss, weil gerade das ihren Rang als Meisterwerke ausmacht.
Steht das Kino am Ende des Festivals, so beginnt es wie schon in früheren Jahren mit einem Konzert in der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien. Vanda Šabaková und Luděk Šabaka (Vater und Tochter) spielen am 22. April ein Programm für Harfe und Klavier, das Werke vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart präsentieren wird. Eine besonders schöne Koinzidenz ist, dass erneut ein Stück des zeitgenössischen Komponisten Pavel Trojan gegeben wird, dessen Viennese Counterpoint schon im letzten Jahr einen Konzerthöhepunkt bildete.
Und dann gibt es zwei Festivaltage mit Literatur – mit Poesie, Musik, Geräuschen, Bildern, Filmen und Performances. Mit Anna Luňáková, Pavel Novotný und Jaromír Typlt haben hierfür drei Autor:innen zugesagt, die sehr unterschiedliche Texte schreiben, sich aber in ihrer Vorliebe und Begeisterung für die Performancekunst ähneln. Ihre Literatur besticht auch gedruckt – und wurde vielfach prämiert, ausgezeichnet, rezensiert und gelobt. Aber dann ist es nochmal eine eigene Sache, das poetische Wort zu lesen, zu deklamieren und zu zelebrieren. Das tun sie alle auf ihre eigene, unnachahmliche Weise. Den Auftakt macht am 23. April der Essayist und Performer Jaromír Typlt, der seine surrealistischen Dichtungen auf Tschechisch und Deutsch liest, gefolgt von Texten und Gedichten von Pavel Novotný aus seinem letzten Band Procedura (2022). Am 24. April stellt Schriftstellerin Anna Luňáková unter dem Titel City Amalgam mit Tonfragmenten verwobene Gedichte vor, bevor im Anschluss Jaromír Typlt und Pavel Novotný ihre Fassung von Kurt Schwitters' Ursonate zum ersten Mal in Wien aufführen.
Das gesamte Programm ist auf viennameetsprague.com verfügbar.
Vienna meets Prague ist ein Projekt des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Kooperation mit der Botschaft der Tschechischen Republik in Wien, dem Tschechischen Zentrum, dem Nationalen Filmarchiv (NFA) in Prag und der Österreichischen Gesellschaft für Literatur, gefördert von der Stadt Wien Kultur.