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Krzysztof Michalski

Inequality and Solidarity

Transit

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Thomas Ahbe

Die DDR im Rücken.
Die sozialisatorische Mitgift der Ostdeutschen und der aktuelle Konflikt von Erinnerungen und Leit-Erzählungen im vereinigten Deutschland

Einleitung: Die DDR im Rücken – Erwartungen und Erfahrungen

Der Titel Die DDR im Rücken hat drei Bedeutungsebenen.

Die erste umschreibt, dass man Menschen oder Verhältnissen „den Rücken kehrt“, sich von ihnen distanziert oder sie hinter sich lässt. Das ist eine Bewegung, die ein großer Teil der DDR-Bevölkerung vorgenommen hatte: zuletzt in den Jahren 1988/1989, als viele Zehntausende flüchteten und dann zur Volkskammerwahl am 18. März 1990, als eine deutliche Mehrheit der Noch-DDR-Bürger ein Parteienbündnis wählte, das für ein sofortiges Aufgehen der DDR in der Bundesrepublik eintrat.

Zweitens verweist die titelgebende Phrase darauf, dass man etwas durchlebt, „hinter sich gelassen“ und dabei Erfahrungen gesammelt hat, die auch künftig eine Rolle spielen können. Auch das trifft auf die Ostdeutschen zu. Es zeigte sich nämlich bald, dass sie aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer DDR-Sozialisation im Vergleich zu ihren westdeutschen Landsleuten oft zu anderen Bewertungen des Kapitalismus der 1990er und 2000er Jahre kamen und dass sie auch besondere Umgangsformen mit dessen ostdeutschen Erscheinungsweisen entwickelten.

Drittens schließlich spielt die Titel-Metapher darauf an, dass man jemandem „den Rücken stärken kann“. Auch das trifft in gewissen Maße zu, beispielsweise in den arbeiterlichen Verteilungs- und Statuskämpfen der frühen 1990er Jahren, als bestimmte Fragmente der DDR-Ideologie auch von jenen aktualisiert wurden, die diesen Ideen bislang eher fern gestanden hatten. Heute wiederum, wo mit zunehmender Schärfe um den moralischen Stellenwert einer ,durchschnittlichen’ DDR-Biographie gestritten wird, findet ein großer Teil der Ostdeutschen im Rückbezug auf Werte und Narrative der DDR-Leiterzählung Unterstützung.

Doch im Moment der deutschen Vereinigung spielte die erstgenannte Dimension die wichtigste Rolle. Denn zunächst waren die Ostdeutschen mit ihren Identifikationen und Sehnsüchten sehr stark auf die bundesdeutschen Verhältnisse und das erwartetet vereinigten Deutschland ausgerichtet. Zwei Drittel der Noch-DDR-Bürger fühlten sich März 1990 „im allgemeinen eher als Deutsche“ und nur ein Drittel „als Ostdeutsche“. Diese großen Erwartungen wurden bald frustriert. Schon zwei Jahre später kehrte sich das Muster der Identifikation spiegelverkehrt um – und verfestigte sich für Jahre. (Siehe Abbildung)

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Abbildung: Identifikationen der Ostdeutschen
Quelle: Noelle-Neumann, Elisabeth; Köcher, Renate (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie. 1984-1992 (Bd. 9). München / Allensbach: K.G. Saur / Verlag für Demoskopie, 1993, S. 486 sowie Noelle-Neumann, Elisabeth; Köcher, Renate (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie. 1993-1997 (Bd. 10). München: K.G. Saur, 1997, S. 560)

Die Erfahrungen, die seit der Vereinigung gesammelten wurden, wie auch die im Lichte dieser aktuellen Erfahrungen neu angeeigneten Erinnerungen aus der DDR-Zeit ließen offensichtlich einen großen Teil der Ostdeutschen zu der Überzeugung kommen, dass sie doch keine (West-)Deutschen, sondern Ostdeutsche sind.

Diese seit 1990 fortbestehende – nun wohl als ,innere Spaltung’ zu bezeichnende – Teilung Deutschlands wird verständlicher, wenn die Konkurrenz-Geschichte der beiden deutschen Nachkriegsgründungen in den Blick genommen und versucht wird, die ideologischen und mentale Tiefenschichten der deutschen Gesellschaft(en) zu beschreiben.

Zwei rivalisierende deutsche Staaten und zwei konkurrierende Leit-Erzählungen

Nach 1945 wurde in Deutschland der anstehende Konflikt um den politischen und wirtschaftlichen Entwicklungspfad auf die zwischenstaatliche Ebene gehoben. Das jeweilige Ordnungskonzept der beiden Nachkriegsgründungen bestimmte und sicherte die Zugehörigkeit zum jeweiligen Lager der Blockkonfrontation. Auch die Leit-Erzählungen, die diese Neuschöpfung von Gesellschaft orientierten, hatten im Westen wie im Osten gleiche Voraussetzungen und Aufgaben: Sie mussten die katastrophale Vergangenheit des Nationalsozialismus und des II. Weltkriegs sowie die schmerzhafte Gegenwart der deutschen Teilung in einen sinnvollen Zusammenhang bringen – und außerdem den größten Teil ihrer Bevölkerungen entschulden und integrieren. Beide Nachkriegsgesellschaften schrieben sich zu, die richtigen Konsequenzen aus der zurückliegenden historischen Katastrophe gezogen zu haben, während sie der anderen Seite Kontinuitäten zum Nationalsozialismus vorwarf. So bezogen auch die Leit-Erzählungen ihre Plausibilität auch aus einem Zerrbild der anderen deutschen Konkurrenz-Gründung. Beispielhaft illustrieren das die Deutungen zum Volksaufstand vom 17. Juni 1953. Die DDR bezeichnete ihn stets als einen von aus dem Westen kommenden, faschistischen Provokateuren angezettelten Putschversuch, in dem anfänglich von der Westpropaganda desorientierte Arbeiter verwickelt waren. Im Westen hingegen avancierte der ostdeutsche Aufstand zu einer der tragenden Säulen für die bundesdeutsche Identität – und blieb bis zur Vereinigung der einzige Staatsfeiertag der Bundesrepublik Deutschland. Der Aufstand wurde damals von so gut wie allen Deutungseliten als „antitotalitär“ bezeichnete und „als nachholendes Ereignis für den ausgebliebenen Massenaufstand im ,Dritten Reich’“ genommen.[1] So ließ dann auch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung am 16. Juni 1954 verlauten, dass der Aufstand vom Vorjahr ein für alle mal die Behauptung widerlegt habe, „dass das deutsche Volk nicht die innere Kraft aufbringe, sich gegen Diktatur und Willkür zur Wehr zu setzen“. Im Jahr 1956 meinte der SPD- Politiker Carlo Schmid: Der 17. Juni „hat viele Flecken hinweggewaschen, mit denen das ruchlose Regime des Nationalsozialismus unseren Namen beschmutzt hat. Dies gibt uns Deutschen wieder das Recht, auch in der Mitte von Völkern, die ihren Kampf um die Freiheit schon längst gewonnen haben, das Haupt hoch zu tragen.“[2] Bis in die Mitte der sechziger Jahre war die Gleichsetzung der „braunen und der roten Diktatur“ oder die Rede von „totalitären Systemen“ der ideologische Kitt der Bundesrepublik.

Die DDR legitimierte sich nicht nur durch die antifaschistische Erzählung. Eine der zentralen Säulen dieses Legitimations-Diskurses war die Rede von den „faschistischen und revanchistischen“ Kräften, die in der BRD herrschten.[3] Im Jahr 1965 erschien im Staatsverlag der DDR mit drei Auflagen ein so genanntes „Braunbuch“. Es dokumentierte die nationalsozialistische Belastung von 1200 Führungskräften, die nun in allen Bereichen der Bundesrepublik wirkten. Mit diesem Buch schlug die DDR gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen erlangte die ansonsten isolierte Ost-Republik internationale Aufmerksamkeit und zum anderen schaffte sie es, ihren westdeutschen Systemkonkurrenten unter Druck zu bringen. Die oben nur kurz skizzierten geschichtspolitischen Leit-Erzählungen prägten mehrere west- und ostdeutsche Generationen, insbesondere die ,Kulturträger’, also jene Menschen, die in Politik und Administration, in Kultur, Bildung, Wissenschaft und in den Medien arbeiteten.

Bürgerliche und arbeiterliche Gesellschaft

Doch nicht nur diese ,Kulturträger’, auch die Angehörigen anderer Milieus erfuhren in West- und Ostdeutschland unterschiedliche Sozialisationen. Bei den Arbeitern des Westens versuchte man in den fünfziger Jahren einen allmählichen Selbstbildwandel hin zu einem Mittelstandsbewusstsein anzuregen. In der von Schindelbeck und Ilgen 1999 veröffentlichten Studie „»Haste was, biste was!« Werbung für die Soziale Marktwirtschaft“ wird eine Kampagne aus dem Jahr 1956 beschrieben. In der Jahresend-Anzeige hieß es:

„Der Klassenkampf ist zu Ende. Den Begriff des Proletariers gibt es nicht mehr. Im freien Deutschland vollzieht sich eine geschichtliche Wandlung: der ehemals klassenbewusste Arbeiter wird zum selbstbewussten, freien Bürger. Ein Mann, der auf lange Sicht plant, der für seine Kinder eine gründliche Schulung verlangt, der durch Eigentum die Freiheit seiner Familie zu sichern sucht, das ist der Arbeiter von heute.“ [4]

Auch im Osten stellten propagandistische Texte eine „ geschichtliche Wandlung“ in Aussicht. Zum hundertsten Jahrestag der 1848er Revolution deutete ein riesiges Transparent in der kriegsbeschädigten Leipziger Innenstadt die Zeichen der Zeit als das Ende der bürgerlichen Epoche:

„Das Bürgertum hat 1948 und in der Folgezeit versagt. Die Führung im Kampf und Einheit, Demokratie und Frieden ist der Arbeiterklasse zugefallen.“[5]

Im Osten wurde die Entnazifizierung mit der Entbürgerlichung des Landes verknüpft. Das Bürgertum, die Juncker und große Teile der Bauernschaft verloren ihre wirtschaftliche Reproduktionsbasis und somit auch ihre Rolle als gesellschaftlich und (alltags)kulturell normgebende Schicht. Ein Teil dieser Schichten wanderte ebenso in den Westen ab wie viele politische Aktivisten oder andere, die im Osten nicht ins Raster passen mochten oder flüchten mussten. Das Sozialprofil der ostdeutschen Eliten änderte sich – so übernahmen beispielsweise von 1945 und 1955 etwa 150.000 ehemalige Produktionsarbeiter leitende Funktionen in Staat und Wirtschaft.[6] Im Osten entstand eine arbeiterliche Gesellschaft. Zwar blieben der Bauer, die Ärztin, der Ingenieur, der Professor und die Schuldirektorin was sie waren, zwar gab es weiterhin nichtarbeiterliche soziale Milieus, aber sie hatten einen arbeiterlichen Akzent. Die normative Dominanz des Arbeiterlichen beschreibt der Kultursoziologe Wolfgang Engler so:

„Die Ostdeutschen lebten in einer Gesellschaft, in der die Arbeiterschaft sozial und kulturell dominierte und die anderen Teilgruppen mehr oder weniger ,verarbeiterlichten’. Es wäre eine Absurdität zu behaupten, die ostdeutschen Arbeiter hätten die politische Herrschaft ausgeübt. Aber das soziale Zepter hielten sie in der Hand. Anschauungen, Meinungen, Konventionen, Kleidungs- und Konsumgewohnheiten und nicht zuletzt die Alltagssitten richteten sich nach den Normen und Idealen der arbeitenden Klassen.“[7]

Das (alltags)kulturelle Gravitationszentrum der ostdeutschen Gesellschaft war also ein anderes als das der bürgerlichen Gesellschaft des Westens. In der Abfolge der ostdeutschen Generationen begann sich die Mentalität der Ostdeutschen zu wandeln. Dabei spielte die Haltung zum ideologischen Programm der DDR nur eine geringe Rolle: Träger des arbeiterlichen Habitus mussten keine Befürworter der Staatsideologie sein und umgekehrt ließ sich ein bürgerlicher Habitus durchaus mit prosozialistischen Einstellungen vereinbaren.

Die oft zitierte „soziale Wärme“ in der DDR, das Gefühl der Nähe in Gleichheit, hatte freilich auch seine einengende, destruktiven Seite. Wolfgang Engler beschreibt sie so:

„Die Feindseligkeit, die konsequenten Außenseitern in der DDR entgegenschlug und zur inneren Kapitulation drängte, wurzelte in demselben Egalitarismus, der in ande­ren Zusammenhängen Solidarität verbürgte. In einer arbei­terlichen Gesellschaft soll sich niemand über die anderen erheben, aber auch niemand untergehen. Wer nicht nur un­gewöhnlich lebte, sondern überdies Rat und Hilfe der an­deren verschmähte, selber Auskunft wußte, provozierte die Normalitätserwartungen der Umwelt gleich doppelt. Ihm war nicht beizukommen und auch nicht zu helfen. Das zurückgewiesene Beistandsangebot verband sich mit dem enttäuschten Konformitätsverlangen und perver­tierte. Wer notorisch auf seiner Arroganz bestand, der durfte nicht nur, der sollte scheitern und die Überlegenheit der kollektiven Vernunft möglichst schmerzlich erfahren.“[8]

Für jene, welche die bürgerlichen Konventionen und Verhaltensformen internalisiert hatten, bedeutete die Verarbeiterlichung der ostdeutschen Gesellschaft den Verlust ihrer traditionell herausgehobenen und normgebenden Funktion. Das ist die Perspektive, aus der die Schriftstellerin Irene Böhme die Vorgänge kommentiert:

„Sittenzerfall – Der ganze bürgerliche Plunder, über Bord mit ihm. Knicks und Verbeugung der Kinder: ein Zeichen der Verkrüppelung. Aufstehen vor Älteren, Vorgesetzten: ein Überrest des Untertanengeistes. Wir alle sind ,per Du’, denn wir sind alle in der Gewerkschaft. Bei Tisch benehmen wir uns, wie es in einer Proletarierküche üblich ist. Mit Schürze und Hausschuhen auf die Straße, mit dem Blaumann ins Gasthaus, die Arbeitskleidung ist ein Ehrenkleid. Bunte Perlonschürzen überfluten Fabriken, Läden, Ambulatorien und Kontore. Bald bemerkt niemand mehr, wie häßlich sie sind. Sie sind praktisch (...) Zur neuen Art des Zusammenlebens gehört, daß man anders miteinander redet als früher. Man spricht deftig, grob und geradezu, nennt das offen und ehrlich.“[9]

Dieser zugespitzte Verweis auf die ästhetische und formale Dimension der arbeiterlichen Gesellschaft macht ihre Differenz zur bürgerlichen Gesellschaft augenfällig.

Inwieweit die mentalen und ideologischen Muster der bürgerlichen und arbeiterlichen Gesellschaft tatsächlich ihr Ausprägung gefunden haben, illustrieren Untersuchungen zur „subjektiven Schichteinstufung“. Solche Untersuchungen zeigen die subjektive soziale Selbstverortung der Menschen. O bjektive soziologische Kriterien spielen dabei keine Rolle. Es ist hoch interessant, wie sich die beiden nun vereinigten Bevölkerungsteile in ihrer subjektiven Schichteinstufung unterscheiden. Die Ostdeutschen, die Abkömmlinge der arbeiterlichen Gesellschaft, verorteten sich 1992/93 zu 61 Prozent in der „Arbeiter und Unterschicht“ und zu 37 Prozent in der „Mittelschicht“. Im Westen war die Lage spiegelverkehrt: Nur 29 Prozent rechneten sich der „Arbeiter und Unterschicht“ zu, während 57 Prozent als Angehörige der Mittelschicht sahen.

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Abbildung: Subjektive Schichteinstufung in West- und Ostdeutschland 1992 und 1993
Quelle: Thomas Gensicke: Die neuen Bundesbürger. Eine Transformation ohne Integration. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1998, S. 148)

In beiden Gesellschaften ordnen sich also nicht wenige Menschen einer Schicht zu, der sie nach objektiven soziologischen Kriterien gar nicht angehören. Es ist jene Schicht, die entsprechend der jeweiligen Leit-Erzählungen als ehrbare Stützeder Gesellschaft galt. Im Osten war das die „Arbeiterklasse“, im Westen der bürgerliche Mittelstand. Man könnte meinen, dass sich diese Differenz mit dem Verschwinden der DDR und ihrer Sozialisationsinstanzen allmählich eingeebnet hätte. Doch eine Untersuchung aus den Jahren 2001/2002 zeigt, dass sich die Situation kaum geändert hat. Hier zeigen sich wirklich langfristige, also mentale Prägungen.

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Abbildung: Subjektive Schichteinstufung in West- und Ostdeutschland 2001 und 2002
Quelle: Gunnar Winkler (Hrsg.): Sozialreport 2002: Sozialreport 2002. Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern. Berlin: Trafo Verlag, S. 48)

Die Sozialisationsinstanzen, die in der DDR über materielle Strukturen, über Bildung und Medien die Deutungsmuster der arbeiterlichen Gesellschaft und die Prägekraft der ostdeutschen Leit-Erzählung unterstützten, gibt es seit dem Beitritt nicht mehr. Dennoch reproduzieren sich Bestandteile dieser Mentalität und dieser Leit-Erzählung.

Zur sozialpsychologischen Ebene der Vereinigung

In den Jahren nach dem Beitritt prallten die – bis dahin zumeist unreflektierten – und aus der westdeutschen und ostdeutschen Sozialisation basierenden Normalitätsvorstellungen aufeinander. Das ist inzwischen in einer kaum noch übersehbare Fülle von Erfahrungsberichten, Reportagen und wissenschaftlichen Studien aufgearbeitet worden. Sehr instruktiv ist die Analyse des Politikwissenschaftlers und Therapeuten Wolf Wagner. Er wechselte von West-Berlin an eine Fachhochschule nach Erfurt, einer Stadt in Ostdeutschland. An seiner neuen Wirkungsstätte rekonstruierte er die Spannungen, die sich in den neunziger Jahren zwischen westdeutschen und ostdeutschen Kommunikationsstilen aufgebaut hatten. Gelingende Kommunikation beruht nach dem von Wagner genutzten theoretischen Modell des „Kulturschocks“[10] auf unreflektierten Kommunikationsmustern und habitualisierten Handlungsroutinen, deren Bedeutung und Passung im eigenen kulturellen Kontext immer wieder neu bestätigt wird. Wenn Personen aus unterschiedlichen Kulturräumen miteinander umgehen und dann natürlich auch die üblichen Muster und Routinen einsetzen, werden sie jedoch oft nicht mehr in gewohnter und gewünschter Weise verstanden, was die Kommunikation misslingen lässt. Wagner illustriert an einfachen Beispielen, wie sich in den neunziger Jahren die Unterschiede zwischen ostdeutscher und westdeutscher Sozialisation ebenso prägnant wie konfliktträchtig zeigten: Während es im ostdeutschen Kulturraum üblich ist, sich beim ersten Treffen am Tage sowie bei der Verabschiedung die Hand zu geben, tut man das in der westdeutschen Kultur seltener. Wenn sich nun die West- und die Ostdeutschen an die gewohnten Normen halten, so kommt es in den alltäglichen interkulturellen Interaktionen zu unerwünschten Ergebnissen und zu Frustrationen. So meinten die Ostdeutschen, dass die Westdeutschen ihnen den Händedruck „verweigern“, dass jene arrogant, distanziert und unhöflich seien. Die Westdeutschen hingegen erlebten die Ostdeutschen, welche ständig „nach ihren Händen griffen“ als undistanziert, altmodisch und piefig. Ähnlich symmetrische Missverständnisse zeigen sich darin, wie man eine belanglose Plauderei, der small talk ‚richtig’ zu führen sei. Hier neigen die Ostdeutschen dazu, über Mängel, Missstände – aber auch eigene Probleme zu reden. Und die Westdeutsche halten sich lieber an die Thematisierung von leichten und nichtigen Dingen. In der eigenen Kultur funktioniert das jeweils gut: Im Osten erzeugt man durch die ostdeutsche Art zu kommunizieren, Nähe, man kann Zugehörigkeit, Empathie oder gar Solidarität demonstrieren. Und die westdeutsche Art erzeugt im westdeutschen Kulturraum eine nicht minder entspannende positive Stimmung, in der sich die Personen wechselseitig als ebenso geistreich wie diskret inszenieren können. Erst wenn Ostdeutsche und Westdeutsche aufeinandertreffen und sich beide so verhalten, wie es bislang ‚richtig’ war, kommt es zu Friktionen. Die Ostdeutschen nehmen die plaudernden Westdeutschen als oberflächlich und abweisend war – diese wiederum erleben die Ostdeutschen als nörgelnd, larmoyant, ja unersättlich. Ähnliche Differenzen zwischen der westdeutschen und der ostdeutschen Sozialisation zeigen sich schließlich in der Art, wie in Gruppen Konflikte behandelt werden. Während bei den Ostdeutschen die Tendenz zum stillschweigenden Ausgleich, zu Kompromissen aber auch zum Überdecken von Konflikten vorherrscht, orientieren sind die Westdeutschen stärker am Modell von miteinander konkurrierenden Individuen. Die Austragung von Konflikten gilt hier nicht als Störung, sondern als Normalität. Beim Zusammentreffen der beiden Kommunikationsstile nehmen die Ostdeutschen die Westdeutschen als aggressiv, dominant und egozentrisch wahr, während sie sich selbst als solidarisch, kompromissbereit und zum Blick aufs große Ganze befähigt beschreiben. Den Westdeutschen hingegen erscheinen die Ostdeutschen als feige, scheinheilig, konformistisch und verdruckst – während sie sich selbst als offen, mutig und authentisch bezeichnen.

Demnach sehen sich die westdeutsch Sozialisierten stärker in einem Konkurrenzverhältnis zu ihren Mitmenschen und streben stärker nach Individualität und ,Selbstverwirklichung’ als die Ostdeutschen. Ostdeutsche Sozialisation hingegen zeigt sich Wagner zufolge eher darin, dass die Gemeinschaft und der Ausgleich über Individualität (auch die eigene) gestellt wird beziehungsweise werden soll, und dass der Zusammenhalt und die ‚Gestimmtheit’ des Kollektivs höher angesetzt wird.

Die oben beschriebenen Dissonanzen sind typisch für die Konflikte zwischen Angehörigen der ostdeutschen und westdeutschen Mittelschicht. Die größte Lücke zwischen Kommunikationsstilen und Selbstpräsentationsformen tat sich zwischen Angestellten, qualifiziertem Fachpersonal und Akademikern auf. In der Welt der ostdeutschen Industriearbeiter hingegen zeigten sich andere West-Ost-Konflikte. Hier ging es weniger um Formen und Stile, sondern darum, dass die ostdeutsche Industriearbeiterschaft ihre Verhandlungsmacht, ihre in der DDR noch bestehende „passive Stärke“ wie auch ihren symbolischen Status als wichtigste, als „führende“ Klasse, verloren hatte. So beschreibt der Industriesoziologe Werner Schmidt nicht nur die üblichen Interessenskonflikte zwischen Arbeitern und Managern, sonder auch den Zusammenprall der durch die bürgerliche und die arbeiterliche Gesellschaft sozialisierten Akteure. In seinen Studien zum Transformationsprozess in der metallverarbeitenden Industrie entdeckte er bei den ostdeutschen Industriearbeitern eine sogenannte „Ideologie der produktiven Arbeit“. Hierzu gehöre Schmidt zufolge vor allem „die schwer korrigierbare Überzeugung, dass die eigene Gruppe die einzig wirklich produktive, (...) und damit wichtigste sei, auf die niemand verzichten könne.“[11] Zugleich wurden nach dieser Ideologie die Gruppen definiert, die nicht wirklich arbeiteten: Nach unten grenzte man sich von den „Faulen“, den „Assis“ und den Arbeitsscheuen“ ab und in der anderen Richtung von dem „Wasserkopf“ und den „Pfeifen da oben.“[12] Dieses arbeiterliche Selbstbewusstsein und die „Ideologie der produktiven Arbeit“ kollidierten nach 1990 mit den neuen Abläufen und Hierarchien. Eine leitende ostdeutsche Angestellte in einem Wälzlagerwerk kommentiert die 1992-1994 asymmetrische eingeführten Privilegien und den Abbau von Zuwendung an die Arbeiter so: „Wir haben also, wir haben immer gelernt: ein Mensch ist ein Mensch! Egal, ob der nun Werkleiter ist oder ein Kumpel an der Maschine, du hast die alle gleich behandelt. So. Und das ist hier (im nun westlich gemanagten Wälzlagerwerk – T.A.) nicht so.“[13]

Beide Beispiele aus den neunziger Jahren sollten schlaglichtartig zeigen, wie man sich die Resultate der Sozialisation in der arbeiterlichen Gesellschaft im Unterschied zur bürgerlichen Gesellschaft vorstellen kann.

Die arbeiterliche Gesellschaft als kulturelles Phänomen reproduziert sich auch aufgrund der wirtschaftlichen und sozialstrukturellen Faktoren, die die Transformation im Osten hervorbrachte. Die ostdeutsche Wirtschaft ist nun eine „Dependenzökonomie“ und „verlängerte Werkbank“ des Westens. Die 82 Prozent der Firmen mit ostdeutschen Eigentümern erwirtschaften lediglich 44 Prozent des Umsatzes. Die neuen Bundesländer sind damit „eine Region mit kapitalistischer Marktwirtschaft ohne einheimisches Kapital und einheimische Eliten.“ [14] So konnte Ostdeutschland in den zwei Dekaden der Transformation nicht an das als Vorbild vorgegebene Modell der westdeutschen Mittelschichtgesellschaft Anschluss gewinnen und die dafür erforderliche bürgerliche Mittelschicht herausbilden.[15] Statt dessen sind inzwischen 25 Prozent der ostdeutschen Bevölkerung dem „abgehängten Prekariat“ zuzurechnen.[16] Im Westen gehören nur 4 Prozent der Bevölkerung zu dieser Gruppe. Die Angehörigen des Prekariats sind von Niedriglöhnen oder Arbeitslosigkeit betroffene (Fach-)Arbeiter, Angestellte oder Ein-Personen-Unternehmen, die infolge von „Notgründungen“ entstanden sind. Von allen Menschen im arbeitsfähigen Alter haben diese Menschen, wenn sie nicht ohnehin arbeitslos sind, die geringste berufliche Sicherheit, die größte finanzielle Unsicherheit. Sie sehen sich auf der Verliererseite und ohne Chance, aus dem gesellschaftlichen Abseits wieder herauszukommen.

Auch in der Lebenswelt finden sich heute, zwei Jahrzehnte nach dem die DDR in der Bundesrepublik aufging, noch typische West-Ost-Unterschiede. Westdeutsche und Ostdeutsche unterscheiden sich im Fertilitätsverhalten, den Ansichten zu Gerechtigkeit und Freiheit oder über die Vereinbarkeit von Mutterschaft und Beruf. Noch im Jahr 2004 sind ostdeutsche Mütter rund ein Jahr jünger als westdeutsche, wenn sie ihr erstes Kind bekommen.[17] Und die Zustimmung zur Kombination von Erwerbstätigkeit und Mutterschaft ist bei den jüngeren Ostmüttern (25 bis 45 Jahre) vier mal so hoch als im Westen.[18] Dass bei den Westdeutschen der Hang zur Individualisierung stärker ausgeprägt ist, als bei den Ostdeutschen, zeigt sich auch, wenn es um Elternschaft und Familie geht. Bei den Westdeutschen ist die gewünschte Kinderlosigkeit und das Single-Leben verbreiteter als bei den Ostdeutschen. Wenn westdeutsche Frauen dann allerdings Kinder bekommen, dann wird auch geheiratet. Im Osten dagegen ist die gewünschte Kinderlosigkeit viel niedriger, dafür aber Elternschaft und Ehe normativ stärker entkoppelt. Deswegen wird das ostdeutsche Muster als „Kombination von Familialismus und Deinstitutionalisierung“ bezeichnet.[19] Man vertraut also weniger den (neuen) Institutionen, sondern versteht die Familie als zentrale Unterstützungsinstanz. Während im Osten sich Eltern und Kindern emotional näher stehen als im Westen, ist dafür Distanz gegenüber den (neuen) gesellschaftlichen Institutionen größer. Das betrifft auch die Institution Ehe: Die Quote der unehelich Geborenen liegt im Osten mit 58 Prozent fast drei mal so hoch wie im Westen (22 Prozent).[20]

Ein weiteres Feld, wo sich West- und Ost-Identität unterscheiden ist das der gesellschaftsbezogenen Werte. Insgesamt sind die Ostdeutschen etatistischer sowie stärker auf Gerechtigkeit und Chancengleichheit hin orientiert.[21] Die Unterschiede zwischen Ostdeutschland entspringen aber nicht nur sozialstrukturellen, sondern auch kulturellen Differenzen. Das illustriert der Politikwissenschaftler Gunnar Hinck in seinem systematischen Vergleich zwischen westdeutschen, ostdeutschen und schwedischen Wertvorstellungen: Ähnlich wie beispielsweise in Schweden definieren in Ostdeutschland deutlich mehr Menschen als in den alten Bundesländern“ Freiheit „als Freiheit von Not“; während im Westen umgekehrt und mit gleich großem Abstand zum Osten „Freiheit als Handlungsfreiheit“ verstanden wird.[22]

Die diskursive Konstruktion der Ostdeutschen seit 1990

Nachdem die kleinere DDR den Beitritt zur größeren (Alt-)BRD und die vollständige Übernahme bundesdeutscher Institutionen und Normen beschlossen hatte, wurden die alten ostdeutschen Eliten, das Fach- und Führungspersonal durch Sonderrecht, Abwicklungen und durch den Aufbau neuer Strukturen verdrängt. Ihre Stelle nahmen Westdeutsche oder deren neuen ostdeutsche Statthalter ein, zum Teil auch Angehörige jener ostdeutschen Subelite, deren Professionalisierung oder Aufstieg durch die Machthaber in der DDR verhindert worden war. Insgesamt blieben jedoch Ostdeutsche auf der Ebene der Eliten und der Führungskräfte deutlich unterrepräsentiert. Die deutsche Soziologie erhebt regelmäßig umfassende Elite-Studien. Als 1995 wieder mit der soziologischen Feldarbeit begonnen wurde – die letzte Elite-Studie war 1981 erschienen –, hatte sich inzwischen die Vereinigung ereignet und es lag nahe auch die Repräsentanz von Ostdeutschen in den einzelnen Elite-Sektoren der vereinigten Bundesrepublik zu untersuchen. Im Jahr 1995 waren 20 Prozent der Bevölkerung Ostdeutsche – die Elite-Positionen im vereinigten Deutschland waren aber zu ganz anderen Prozentsätzen mit Ostdeutschen besetzt. Hier einige Ergebnisse: In den Sektoren Justiz oder Militär war die Quote von Ostdeutschen in Elite-Positionen Null Prozent, im Sektor Wirtschaft 0,4 Prozent, in der Wissenschaft 7,3 Prozent. Etwas weniger dramatisch war die Unterrepräsentierung von ostdeutschen Positionsinhabern in Medien und Kultur mit 12 und 13 Prozent. Eine Ausnahme bildete der Sektor Politik wo die Ostdeutschen nicht unterrepräsentiert waren.[23] Insgesamt lag also die Leitung des ,operativen Geschäfts’ der Behörden, der Wirtschaft, in Wissenschaft, Medien und Kultur der Neuen Bundesländer bei den sogenannten „Wessis“. Inzwischen reproduziert sich diese personelle und ideologische Struktur von selbst. So kann für das Jahr 2004 festgestellt werden, dass die Quote westdeutscher Führungspersonen in Wirtschaft und öffentlichem Dienst noch einmal angewachsen ist.[24] Zum anderen ist nach dem Ende der neunziger Jahre die erste Generation von ostdeutschen Journalisten, Sozialwissenschaftlern und Zeitgeschichtlern durch ihre westdeutschen Mentoren professionalisiert, promoviert und habilitiert worden, so dass sie nun selbst Einfluss auf die Ost-Diskurse ausüben. Insofern verliert die Frage ostdeutscher oder westdeutscher Herkünfte etwas an Bedeutung. Statt ihrer dürfte es in den folgenden Jahren mehr um Identifikationen gehen, also um die Frage, an welchen Werten und Leit-Erzählungen sich die neuen Angehörigen der „medienpolitischen Klasse“[25] orientieren werden.

Diese personelle und geistige Situation bildet den Rahmen für die diskursive Konstruktion der Ostdeutschen seit 1990. Die Medien der Bundesrepublik näherten sich diesem neuen Gegenstand, wie es Medien einer modernen Reflexionskultur immer tun: Das Fremde wurde vermessen, erforscht, interpretiert und dabei dem Eigenen gegenübergestellt. So entwickelte sich eine diskursive Ko-Konstruktion westdeutscher und ostdeutscher Identität. In dem über die Ostdeutschen – Fremde, Andere, vom Eigenen Abweichende – gesprochen wurde, sprach man implizite über die eigene Identität. Alterität stabilisiert Identität. Seit November 1989 entfalteten sich lang anhaltende und von besonderen Rahmenbedingungen geprägte Diskurse, die Darstellungen über die Ostdeutschen und deren Kultur liefern – die so genannten „Ost-Diskurse“.[26]

Die Verfasstheit der Ost-Diskurse und damit die mediale Konstruktion der Ostdeutschen, hatte in den neunziger Jahren drei wichtige Voraussetzungen:

  • Erstens konnten die überregionalen meinungsführenden Sendeanstalten und Qualitäts-Blätter den kleinen Ost-Markt ohne große redaktionelle Veränderungen übernehmen.
  • Zweitens kam hinzu, dass das Leitungspersonal der in den Neuen Bundesländern geschaffenen öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aus dem Westen stammte – und zumeist auch das der restrukturierten regionalen ostdeutsche Tageszeitungen.[27]
  • Und drittens bildete sich kein adäquater professioneller Gegen-Diskurs ostdeutscher Akteure heraus. Ostdeutsche Sprecher wurden nur insofern eingebunden, als sie der etablierten Ausrichtung der Ost-Diskurse entsprachen.

Durch die Verwestlichung der ostdeutsche Medienlandschaft sahen die Ostdeutschen sich, ihre DDR-Vergangenheit, ihre Kultur sowie ihre „Erfolge“ oder ihr „Versagen“ beim „Aufbau Ost“ vor allem aus westdeutscher Perspektive beschrieben und bewertet. So vermissten viele Ostdeutsche abermals ein Forum, auf dem ihre Sichtweisen verhandelt wurden – ihre besonderen Ost-Erfahrungen im Transformationsprozess oder ihre neu gewonnenen Einsichten zur DDR und zum vereinigten Deutschland.

Damit war eine regelrechte Diskurs-Lücke entstanden.

Als Reaktionen darauf entwickelten sich verschiedene Formen von Ostalgie.

Ostalgie als Reaktion

Ersten: Ostalgie in der Werbebranche. Paradigmatisch für eine kommerziell motivierte Nutzung dieser besonderen Diskurs-Situation ist die Werbekampagne für eine aus der DDR stammenden Cola-Marke. Im Jahr 1992 ,verbrüderte’ sich die Club Cola regelrecht mit den Ostdeutschen. Mit ihrem Slogan: „Hurra, ich lebe noch!“ erklärte sie sich als eine der ihren. Die Cola wird als ,Umbruchs-Überlebende’ inszeniert. Der weitergehende Text der Anzeige – „Von einigen belächelt, ist sie doch nicht totzukriegen“ – nimmt die Selbstverständigungsgespräche, die zu dieser Zeit in ostdeutschen Kantinen und Wohnzimmern geführten werden, auf. Der Text souffliert gewissermaßen: Wir haben es überstanden, wir lassen uns nicht unterkriegen. Der Werbetext fährt fort: „Club-Cola – die Cola aus Berlin. Natürlich frisch. Weniger süß. Aber mit viel Geschmack...“ Hier nimmt die Anzeige die Stereotypisierungen auf, die Ostdeutsche über die Westdeutschen entwickelt haben: Parfümiert seien die anderen Deutschen, unecht, gekünstelt, falsch – eben das Gegenteil von „Natürlich frisch. Weniger süß“.[28]

Ein anderes Beispiel für ostalgische Werbung ist die der ostdeutschen Elektronikmarke RFT. Sie versucht die Aufmerksamkeit und Sympathie der Kunden zu gewinnen in dem sie mit ihrem Slogan die dahin gültigen Vorstellungen in ihr Gegenteil verkehrte: „ostdeutsch, daher gut.“

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Abbildung: Werbeanzeige aus dem Jahr 1992
Quelle: Horizont. Zeitung für Marketing und Medien. Nr. 45, 6. November 1992, S. 40.

Zweitens: Ostalgie als Praktiken von Laien. Vielfach wurde und wird Ostalgie nur als DDR-Nostalgie gedeutet. Man glaubte in Ostalgie eine mit zunehmender Verklärung der DDR einhergehende defensive Haltung gegenüber den Transformationsanstrengungen zu erkennen – oder auch eine offensive, polemische Relativierung der DDR-Staatsverbrechen. Obwohl es solche Formen auch gab und gibt, war die Ostalgie in den 1990er Jahren doch komplexer. Sie war ein Mittel, das in laienhafter Weise tiefgreifende Erfahrungsbrüche bearbeiteten half: Die friedliche Revolution und die plötzliche Auflösung der sich stets als mächtig und ewig gebenden DDR, den raschen Austausch ihrer allgegenwärtigen und alternativlosen Produktfolie und schließlich die Einführung der bundesdeutschen Verhältnisse in Ostdeutschland. Mit dem Besuch oder der Organisation von Ostalgie-Partys holten Angehörige bestimmter ostdeutscher Milieus eine Verabschiedung der DDR nach und nahmen eine Selbstvergewisserung in der neuen Gegenwart vor.

Eine Ostalgie-Party glich einem 'historischen Karneval': Die Kostüme waren DDR-typische Kleidungsstücke oder Uniformen, die Räume dekoriert mit Fahnen, Politiker-Porträts und Transparenten, auf denen ironische Abwandlungen einstiger Propaganda-Sprüche standen. So, wie es ein karnevaltypisches Bühnen-Repertoire gibt, gab es auch eines für Ostalgie-Partys: Honecker- und Ulbricht-Imitatoren präsentierten noch einmal das groteske Pathos und die sperrige Sprache der DDR-Selbstzuschreibungen. Es gab Schlager und Popsongs aus der DDR zu hören, karikierende Fassungen der sozialistischen Hymnen und „Arbeiter- und Kampflieder" – und manchmal tanzten die Easty-Girls zu modernisierten Pionier-Liedern.

Man war wehmütig, feierte aber zugleich, dass die dargestellte Vergangenheit ihre Macht verloren hatte.

Drittens: Ostalgie als Geschäftsfeld. Schon seit über einem Jahrzehnt verdient eine ganze Branche in Ost und West daran, mit Büchern, Tonträgern, Spielen, Kult- und Designprodukten ostdeutsche Erinnerungen zu moderieren. Mit Ostalgie-Produkten werden aber auch ganz neue Moden bedient. Denn inzwischen sind für viele Jugendliche die Symbole und Formen aus der DDR-Zeit willkommenes Material, um sich stilistisch von anderen abzuheben.

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Abbildung: „DDR-Box“ und DDR-Bücher aus dem Sortiment des Eulenspiegel-Verlag Berlin
Quelle: Verlagskatalog Herbst 2004

Viertens: Ostalgie als marginalisierter Gegen-Diskurs. Die Partys sind vorüber – geblieben ist eine Vielzahl laienhafter DDR-Museen, von denen einige wenige inzwischen auch an professionelle Standards heranreichen. Diese DDR-Museen folgten auch dem Impuls, einen Gegenentwurf zu den offiziellen und professionellen DDR-Museen zu liefern, in denen der Schwerpunkt auf der Darstellung der Unterdrückung und Indoktrination sowie der Ärmlichkeit und Hässlichkeit des DDR-Alltags liegt. Zum Gegen-Diskurs gehören außerdem etliche auflagenschwache Zeitungen, unterfinanzierte Journale und kleine Verlage. Sie bieten vielen, oft professionell wirkenden Akteuren jenes Forum, das ihnen in den etablierten Institutionen und Medien nicht gewährt wird

Die genannten Facetten von Ostalgie konturieren jedoch nicht nur „im Stillen“ die ostdeutsche Identität. Über ihre mediale Bespiegelung konturieren sie immer auch die Identität der Westdeutschen, für die die abweichende Ost-Identität eine wichtige Alteritäts-Konstruktion darstellt.

Die spezifische Verfasstheit der westdeutschen Ost-Diskurse, die in den neunziger Jahren die beschriebene Diskurs-Lücke und die darauf reagierende Ostalgie hervorrief, scheint sich bis heute nicht gewandelt zu haben. Das zeigen Publikationen, die Medien-Diskurse jüngeren Datums analysieren.[29] Sie kommen zu dem Ergebnis, dass das mediale Bild von den Ostdeutschen nach wie vor – und bisweilen mit höchst selektiver Faktennutzung[30] – dazu dient, westdeutsche Identitäten zu stützen. Für die Ostdeutschen bedeutet diese Konstellation, dass sie in einer (Medien-)Welt leben, in welcher der Fremdblick auf ihre Gruppe die vorherrschende mediale Darstellung ist. Entworfen wird dieser Fremdblick von westdeutschen Positionen aus, die, wie der Germanist Kersten Sven Roth überzeugend nachweist, als „Normal Null“[31] fungieren. Insgesamt erweisen sich die Ost-Diskurse als manifeste Strukturen der Nobilitierung und Marginalisierung von Wissen. Sie bestimmen die Art des Denkens und Redens über Ostdeutschland. Sie sind ein „wirklichkeitserzeugender Modus,“[32] also ein gesellschaftlich-institutionell verankertes Raster des Verstehens, des Wertens und des Gestaltens. Das alles führt dazu, dass die aus der Zeit der deutschen Spaltung stammende Identitätskonkurrenz nicht allmählich eingeebnet, sondern reproduziert wird.[33]

Entgegengesetzte Erinnerungsformen in zwei Jahrzehnten deutscher Einheit

Zwei Dekaden nach ihrem Untergang ist die DDR durch Politikwissenschaft und Zeitgeschichte, durch Sozial- und Kulturwissenschaften umfassend beschrieben worden. In der Tendenz spiegeln die forschungsleitenden Fragen wie auch die Deutung der Ergebnisse jedoch die Perspektive der Westdeutschen wieder. Außerdem geben die Diskurse der Politik und Medien den zeitgeschichtlichen und sozialwissenschaftlichen Forschungsstand in nur einseitiger Weise wieder: Die Herrschafts- und Verbrechensgeschichte findet immer noch eine viel größere Resonanz als die Sozial-, Kultur- und Alltagsgeschichte der DDR. Dieser war im Gedenkjahr 2009 besonders stark ausgeprägt.[34]

Hinzu kam eine nachhaltig wirkende Asymmetrie der Geschichtsschreibung: Während nach der Revolution die Archive des DDR-Staates, der Parteien und Massenorganisationen, der Wirtschaft, Gesellschaft und insbesondere die Akten des Geheimdienstes der historischen Forschung und den Medien sofort zur Verfügung standen, war dies bei den westdeutschen Archiven nicht der Fall. Hier galt und gilt die übliche dreißigjährige Sperrfrist, bei Geheimdienstdokumenten oder Akten, die das „Staatswohl der Bundesrepublik gefährden“ können, auch eine längere. So stehen sich heute die Ergebnisse der durchgreifenden Aufarbeitung von DDR-Geschichte einerseits und andererseits die durch normale Archivgesetze und den Einfluss einstiger Akteure geglättete Überlieferung der bundesdeutschen Zeitgeschichte gegenüber. Diese Konstellation spiegelt sich im immer positiver werdenden Rückblick auf die Geschichte der Bundesrepublik wieder.

In der Summe scheint das eher dazu zu führen, dass die Ergebnisse der DDR-Aufarbeitung bei den Ostdeutschen schlecht ankommen. Somit gibt es im vereinigten Deutschland immer noch recht unterschiedliche Sichtweisen auf die DDR. Der Historiker Martin Sabrow[35] beschreibt drei Gedächtnisformen, in denen heute an die DDR erinnert wird:

(1) Das staatlich privilegierte und im öffentlichen Gedenken vorherrschendes Diktaturgedächtnis. Es fokussiert vor allem auf den Macht- und Repressionsapparat und dem Täter-Opfer-Gegensatz. Dieser Erinnerungsmodus weist dem fundamentalen Unterschied zwischen politischer Freiheit und Unterwerfung eine entschieden höhere Bedeutung für die Würde des Menschen bei als sozialen wirtschaftliche Gratifikationen. Auf eine Formel gebracht gilt hier: Zum Verständnis, für die Bewertung und Einordnung der DDR ist die Stasi das Entscheidende, nicht die „soziale Sicherheit“.

(2) Das in der gesellschaftlichen Tiefe vorherrschende Arrangementgedächtnis. Es thematisiert die Konflikte, Lösungen und Erfolge, die sich unter den meist als fremdbestimmt erlebten Verhältnissen einstellten. In dieser Erinnerungen geht es gerade um die Verbindung zwischen Machtsphäre und lebensweltlicher Normalität. Sie ist somit eine, die vom „richtigen Leben im falschen“ erzählt und von der Selbstbehauptung unter politisch und materiell schwierigen Bedingungen. Auf eine Formel gebracht könnte sie lauten: „Wir lassen uns unsere Biographien nicht nehmen – es war nicht alles schlecht!“

(3) Das am sozialistischen oder postkapitalistischen Projekt festhaltende Fortschrittsgedächtnis. Diese Gedächtnisform findet sich noch stärker im Schatten der öffentlichen Wahrnehmung. Sie wird von den früheren DDR-Eliten und jüngeren, links stehenden Aktivisten wach gehalten. Neben einer glättenden und rechtfertigten DDR-Aufarbeitung steht hier die Frage nach der moralischen und politischen Gleichrangigkeit der beiden deutschen Staaten im Zentrum. Einschneidende aktuelle Probleme wie die Weltfinanzkrise oder die Folgen deutscher Militäreinsätze werden im Kontext diesen Denkens dann immer wieder mit der Frage nach der Legitimität der DDR verknüpft. Diese Gedächtnisform könnte – mit Rückgriff auf eine DDR-Formel der Bauernkriegsaneignung – mit „unsre Enkel fechten's besser aus...“ zusammengefasst werden.

Heute besteht eine deutliche Differenz zwischen dem geschichtspolitisch dominierenden und von der westdeutschen Bevölkerung geteilten DDR-Bild und den Sichtweisen der ostdeutschen Bevölkerungsmehrheit. Das zeigt sich beispielsweise in Umfragen, die die historische Legitimität der DDR zum Gegenstand haben. Ein großer Teil der Ostdeutschen ist demnach nicht der Auffassung, dass es sich bei der DDR um ein von vornherein verwerfliches und zum Scheitern verurteiltes Regime gewesen gehandelt habe. Zur Aussage „Sie war der Versuch, eine gerechtere Gesellschaft zu errichten, der gescheitert ist“ positionierten sich die Ostdeutschen wie unten beschrieben:[36]

Ja

Teilweise

Nein

1990

63,4

19,3

12,2

1995

74,8

14,9

6,6

1999

72,9

17,3

7,1

Interessant sind auch die Antworten auf die Frage, ob die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. Kurz nach dem Ende der DDR, 1994, sagten nur 33 Prozent der Ostdeutschen „Das stimmt“. 17 Prozent waren unentschieden und 50 Prozent meinten: „Das kann man so nicht sagen“. Bei den Westdeutschen fiel das Ergebnis ganz anders aus. [37]

Wenn jemand sagt: „Der SED-Staat war ein Unrechtsstaat.“ Würden Sie sagen das stimmt, oder kann man das nicht so sagen? (Zahlen in Prozent)

Juni 1994

Westdeutsche

Ostdeutsche

Das stimmt

73

33

Kann man so nicht sagen

15

50

Unentschieden

12

17

Summe

100

100

Im Jahr 2009 ist die Lage anders. Es sind nun andere Generationen, die befragt werden. Wie sich das ostdeutsche Meinungsspektrum geändert hat, zeigte eine Umfrage, die das Magazin „Super Illu" beim Institut für Marktforschung Leipzig in Auftrag gab und im März 2009 veröffentlichte.[38]

„War die DDR ein Unrechtsstaat?“ (Zahlen in Prozent)

März 2009

Ostdeutsche gesamt

18-29-Jährige

30-49-Jährige

50 Jahr und älter

„ja“

28

32

29

25

„teils-teils“

25

18

23

29

„nein“

41

37

43

41

Auffällig ist zunächst, dass die Zahl der Unentschiedenen, die auf die Frage, ob die DDR „ein Unrechtsstaat“ war, mit „teils-teils“ antworten, auf 25 Prozent gewachsen ist. Das ging stärker auf Kosten der Gruppe, die die DDR nach wie vor für einen Unrechtsstaat hält und etwas weniger auf Kosten der Gruppe, die diesen Unrechtsstaat-Befund verneint.

Besonders bemerkenswert bei der Umfrage von 2009 sind aber die Altersdifferenzen: Zum einen zeigt sich, dass die heutige Jugend, die ja die DDR nur noch aus den Medien kennt, mit der DDR etwas härter ins Gericht geht, als jene, die sie als Jugendliche und Erwachsene noch selbst erlebten. So wird der Unrechtsstaat-Befund von 32 Prozent der 18-29-Jährigen, aber nur von 29 Prozent der 30-49-Jährigen bestätigt. Und von den über 50-Jährigen stimmen dem nur 25 Prozent zu. Ebenso ist es bei denen, in deren Augen die DDR kein Unrechtsstaat gewesen ist. Hierzu hören 37 Prozent der 18-29-Jährigen, aber 43 Prozent der 30-49-Jährigen und 41 Prozent der über 50-Jährigen.

Die zweite altersbezogene Auffälligkeit zeigt sich, wenn man die Größenverhältnisse bei der Antwortvariante „teils-teils“ nimmt: Nur 18 Prozent der 18-29-Jährigen optieren hierfür, aber 23 Prozent der 30-49-Jährigen und 29 Prozent der über 50-Jährigen. Das heißt: Während das Antwortverhalten („ja“, „teils-teils“, „nein“) bei den mittleren und älteren Jahrgängen relativ ausgeglichen ist, weist es bei den 18-29-Jährigen starke Diskrepanzen auf. Die zwei Dekaden DDR-Aufarbeitung haben die ostdeutschen Jugendlichen in ihrer Sicht offensichtlich polarisiert: Sie sind entweder eindeutig der Meinung dass die DDR ein Unrechtsregime gewesen sei, oder sie weisen diese Bewertung ebenso entschieden zurück. Nicht mal ein Fünftel von ihnen optiert für „teils-teils“.

Selbstbewusster Rückblick auf die Lebensleistung in der DDR, nüchterne Sicht auf die Zeit nach der Vereinigung

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass der Rückblick der Ostdeutschen auf die DDR unter recht komplexen, ja bisweilen sogar widersprüchlich Bedingungen stattfindet. Die allermeisten Ostdeutschen nehmen für sich in Anspruch, dass sie sich in der DDR unter schwierigen Umständen behauptet, auf anständige Weise arrangiert oder für eine positive Entwicklung der Verhältnisse eingesetzt haben. Gleichzeitig sehen sie sich in Medien, Politik und Bildung mit Beschreibungen der DDR und der Ostdeutschen konfrontiert, die sich an den Identitätsbedürfnissen der westdeutschen Mehrheit orientieren[39] und für die Mehrheit der Ostdeutschen nicht akzeptabel sind. In diesen Diskursen wird einerseits unterstellt, dass sich sehr viele Ostdeutsche der Diktatur nicht so weit entzogen hätten, wie es möglich gewesen sei, und damit deren (Mit-)Täterschaft herausgestrichen. Andererseits spricht man von allgegenwärtiger Repression und beständigem Mangel und erklärt damit die große Mehrheit der Ostdeutschen zu Opfern, während jene jedoch Stolz darauf sein wollen, wie sie ihre Leben in der DDR gemeistert haben. So oder so schlägt diesen Darstellungen als verärgertes Echo entgegen, dass man die DDR sowieso nicht verstehen könne, wenn man nicht dabei gewesen sei.

Wie die Ostdeutschen ihr persönliches Verhalten in der DDR im Jahr 2007 bewerten, ist in einer repräsentativen Studie am Beispiel Thüringens erhoben worden. Die große Mehrheit, 63 Prozent der Ostdeutschen, sind mit ihrem eigenen Verhalten in der DDR „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“. Nur 7 Prozent sind weniger zufrieden oder unzufrieden.[40]

Image
Abbildung: Zufriedenheit mit eigenem Verhalten in DDR (2007)
Quelle: Jenaer Zentrum für empirische Sozial- & Kulturforschung: Zur sozialen Lage der Opfer des SED-Regimes in Thüringern. Forschungsbericht im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit. Erfurt 2008 S. 52.

Dieses ostdeutsche Sonder-(Selbst)Bewusstsein wird oft als „Verklärung", „Verdrängung" oder gar als mögliche Bedrohung der Demokratie gebrandmarkt. Umfragedaten bestätigen diese Befürchtungen allerdings nicht. Nur ein Bruchteil der Ostdeutschen – im Jahr 2002[41] und 2006[42] waren das 10 Prozent – möchte „am liebsten die DDR wieder haben." Eine wachsende Mehrheit hält „die Einführung einer politischen Ordnung nach westlichem Vorbild" für richtig. 1995 waren das 77 Prozent.[43] Im Jahr 2001 bewerteten 86 Prozent der Ostdeutschen die Wiedervereinigung und 64 Prozent die Einführung der sozialen Marktwirtschaft als die richtige Entscheidung.[44] Das ist auch nicht verwunderlich. Fragt man die Ostdeutschen heute, wie es ihnen im Vergleich zur Zeit vor der Vereinigung geht, so erkennt die Mehrheit eine Verbesserung. Im Jahr 1999 meinten 65 Prozent der Ostdeutschen, dass es ihnen besser und 13 Prozent, dass es ihnen schlechter ginge. Die restlichen 22 Prozent konnten keine Veränderung feststellen. Neun Jahre später hatten sich die Bilanzen etwas eingetrübt: Im Jahr 2008 meinten nur noch 56 Prozent, dass es ihnen besser und schon 21 Prozent, dass es ihnen schlechter ginge. Nahezu unverändert blieb mit 25 Prozent die Zahl derer, die keine Veränderung feststellten.[45]

Dass 2008 jedoch immerhin ein Fünftel Ostdeutsche rückblickend meinte, in der DDR ein besseres Leben geführt zu haben, ist nicht (nur) eine retrospektive Verklärung, sondern auch ein realistisches Abbild jüngster Verluste und aktueller Zwänge. Für viele brachten die neuen Chancen und die Freiheit nur wenig. Zu den „größten Verlierern der deutschen Vereinigung“ wurden die ostdeutschen Arbeitermilieus, sie stellten 1990 immerhin 63 Prozent der DDR-Bevölkerung.[46] Jeder Zweite aus dieser großen Gruppe musste aus dem Normalarbeitsverhältnis in den Vorruhestand, in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, in kapitalschwache Existenzgründungen, ins Arbeitslosen- bzw. Hausfrauendasein weichen. Das „abgehängte Prekariat“, zu dem in Ostdeutschlands 25 Prozent der Bevölkerung zu rechnen sind,[47] rekrutiert sich zumeist aus den ehemaligen DDR-Arbeitern.

Ob sich die Ostdeutschen eher als Gewinner oder als Verlierer der deutschen Vereinigung sehen, hängt ganz von der Vergleichsebene ab. Vergleichen sie ihr Leben mit dem in der DDR, so sehen sich heute 39 Prozent der Ostdeutschen als Gewinner und 12 Prozent als Verlierer an. Die Mehrheit von ihnen, 49 Prozent, meint jedoch nüchtern, dass sie weder zu den Gewinnern noch zu den Verlierern gehörten.[48]

Vergleichen die Ostdeutschen ihre Lage jedoch mit der Position der Westdeutschen, so ergibt sich ein anderes Bild. Obwohl, wie oben gezeigt, immerhin 39 Prozent für sich persönlich eine Verbesserung der Lebensverhältnisse konstatieren können, sehen sie sich als Angehörige ihrer Gruppe, als Ostdeutsche, immer noch als zweitklassig. Dass man als Ostdeutscher „Bürger zweiter Klasse" sei, fanden im Jahr 1995 72 Prozent[49] der Ostdeutschen, im Jahr 2002 57 Prozent[50] und im Jahr 2008 64 Prozent.[51]

Einer der Gründe dafür dürfte sein, dass sich in den letzten zwanzig Jahren die Vermögensunterschiede zwischen den Westdeutschen und den Ostdeutschen noch zu wenig eingeebnet haben. Das Nettovermögen pro Person ging in Ostdeutschland von 2002 bis 2007 um zehn Prozent auf durchschnittlich 31.000 Euro zurück – in Westdeutschland stieg es in der gleichen Zeit um etwa elf Prozent auf durchschnittlich 100.000 Euro pro Person.[52] Laut Mikrozensus vom März 2004 verdienten nur 24,2 Prozent der ostdeutschen Erwerbstätigen 1.500 Euro oder mehr im Monat – im Westen waren es 43,9 Prozent. Der Osten als „verlängerte Werkbank“, als kapitalistische Region „ohne einheimisches Kapital und einheimische Eliten“[53] macht den Westen reich – und der Westen macht den Osten stumm. Für eine Überwindung der Spaltung fehlt eine einheimische Elite, welche ostdeutsche Erfahrungen, Deutungen und Ansprüche artikuliert – und schließlich jene ökonomischen, sozialen und kulturellen Ressourcen, die die entsprechende Selbstorganisation der ostdeutschen Gesellschaft ermöglichen könnte.

Das bei den Ostdeutschen verbreitete Gefühl, „Bürger zweiter Klasse zu sein, basiert also sowohl auf der handfesten materiellen Schlechterstellung der Ostdeutschen wie auch auf der Tatsache, dass die besonderen Erinnerungen, Bilanzen und Wertvorstellungen der ehemaligen DDR-Mehrheitsbevölkerung in den Ost-Diskursen der Medien, der Bildung und Politik nicht integriert, sondern ausgeblendet oder gar stigmatisiert werden.

Ausblick: Die DDR im Rücken – Erfahrungen als Ressourcen

Seit der deutschen Vereinigung dreht sich die Debatte in Ostdeutschland immer wieder darum, wie viel Jahre es noch bis zur versprochenen vollständigen Angleichung der Lebensverhältnisse im vereinigten Deutschland – was natürlich meint: Angleichung des Ostens an den Westen – brauchen würde.

Inzwischen, nach zwanzig Jahren, scheint sich jedoch abzuzeichnen, dass es in den nächsten Dekaden nicht mehr um die vollständige Übernahme der westdeutschen Konsumstandards in Ostdeutschland gehen wird.

Wenn die Landkreise der Bundesrepublik auf den aktuellen Karten farblich markiert werden – beispielsweise nach dem durchschnittlichen jährlichen Wanderungssaldo, nach der künftigen Entwicklung des Durchschnittsalters, der Beschäftigtenzahl pro Betrieb, der Quote der erwerbsfähigen Frauen oder der Dichte der de.-Domains – dann ersteht das Abbild der untergegangenen DDR wieder. Das vereinte Deutschland zeigt sich als ein abermals geteiltes Deutschland.[54]

Zwei Dekaden nach dem Mauerfall ähnelt die Situation Ostdeutschlands jener, wie sie schon fünf Dekaden zuvor, kurz vor dem Mauerbau, bestanden hatte: Damals wie heute waren die Erwerbsmöglichkeiten und die Lebensverhältnisse im Westen besser, so dass vor allem jüngere und qualifiziertere Arbeitnehmer in den Westen abwanderten. Im Unterschied zu den fünfziger und frühen sechziger Jahren entsteht heute in Ostdeutschland allerdings kein Arbeitskräftemangel mehr. Im Gegenteil. 2009 liegt die Arbeitslosenquote im Osten immer noch doppelt so hoch wie im Westen, während der Druck auf Tarife und Löhne entsprechend größer ist.

Die zurückliegende Kolonisierung Ostdeutschlands hat diesen Landstrich um seine Zukunft gebracht. Junge Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich etwas zutrauen, die sich verwirklichen, beweisen und Karriere machen wollen, gehen zumeist – freilich nicht ohne Heimweh – in den Westen. Was einer solchen Migration entgegensteht – Immobilienbesitz oder Firmeneigentum, familiäre Bindungen, Freundesnetzwerke sowie gute Freizeit- und Arbeitsmöglichkeiten – fehlt im Osten oder verliert gegenüber den Zwängen, die zur Abwanderung drängen, als „Haltefaktor“ an Kraft. Bekanntermaßen reagieren junge Frauen am sensibelsten darauf, wenn Regionen an Attraktivität verlieren. Die Abwanderung der jungen Mütter verschärft wiederum langfristig den Trend der Entleerung und Überalterung Ostdeutschlands. Während in manchen ostdeutschen Metropolen und „Leuchtturm-Bereichen“ der Bevölkerungsrückgang (auf Kosten der umliegenden Regionen) etwas gebremster als in der Fläche verläuft, trifft es die ostdeutsche Provinz um so härter. Das führt zu einem Rückzug staatlicher Institutionen, beispielsweise durch das Zusammenlegen von Schulen und Verwaltungszentren, der Einsparung von Kulturangeboten, sowie zu einer durch die wirtschaftlichen Akteure zu verantwortenden Ausdünnung von Handels-, Dienstleistungs-, und Freizeitangeboten.

Erfahrungen sind Ressourcen bei der Bewältigung von aktuellen Problemen. Mit der Schrumpfung des staatlichen Institutionennetzes und dem partiellen Rückzug wirtschaftlicher Akteure – sowohl in ihrer Eigenschaft als Arbeitgeber wie auch als Anbieter – zeigen sich in Ostdeutschland Prozesse, wie sie in Deutschland seit der Nachkriegswachstumsphase noch nicht zu beobachten waren. Für den Umgang mit dieser Situation gibt es noch keine Rezepte und Richtlinien. Was werden die in ihren Regionen verbliebenen Ostdeutschen tun? Sie werden das tun, was ihnen ihre Mentalität und Sozialisation ermöglicht und ihnen ihre Erfahrung nahe legt – das, was schon bei der Bewältigung des problematischen DDR-Alltags dienlich war. Hierzu gehörten die Bildung von partnerschaftlichen, familien- und betriebsorientierten Netzwerken sowie die Pflege des – von westdeutschen Beobachtern einst als „Chaosqualifikation“ beschriebenen – Improvisationsvermögen. Es ist jene „Kombination von Familialismus und Deinstitutionalisierung“, die heute schon typisch ostdeutsche Muster sind, die Partner- und Elternschaft, die Berufstätigkeit und den Familienkontext zu managen.[55]

Das alles sind apolitische, streng genommen, nicht einmal gesellschaftliche, sondern privatistische Lösungsansätze – was den Ostdeutschen auch immer wieder angekreidet wird. Doch diese Kritik aus der westdeutschen Bürger-Gesellschaft, die im Gegensatz zur Ostdeutschen weiter ihren Wohlstand steigern konnte, geht an den Realitäten in der verarmenden, arbeiterlich und kleinbürgerlich geprägten Ost-Gesellschaft vorbei. Denn sie verkennt die besonderen Transformationserfahrungen der Ostdeutschen. Jene hatten in den letzten beiden Dekaden erlebt, dass familiäre und private Netzwerke oft mehr zur Problembewältigung beigetragen hatten, als gesellschaftliche Institutionen oder westdominierte Parteien. Insofern gehört für die Ostdeutschen die Mitarbeit in Parteien, Vereinen, der Aufbau von Stiftungen und ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement nicht zum Arsenal der erfahrungserprobten Instrumente. Während sich die bürgerliche Mitte des Westens als selbstbewusste Gestalterin ,ihrer Gesellschaft’ versteht, ist ,die Gesellschaft’ für die eher arbeiterlich und kleinbürgerlich orientierten Ostdeutschen viel mehr eine Gegebenheit, über die man nicht selbst verfügen, über dessen Verfasstheit „die da oben bestimmen.“ Deswegen konzentriert man sich kräftesparend auf die eigenen Netzwerke. So hat die ostdeutsche „Marktwirtschaft ohne einheimisches Kapital und einheimische Eliten“, eine Gesellschaft mit zudem schwach ausgeprägter bürgerlicher Mitte, die einst in der DDR geprägten Identitäten prolongiert und reproduziert. Doch damit dürften die Ostdeutschen besser ,in die Zeit passen’, als manche denken, – vor allem jene, die immer noch erwarten, dass der Osten den Westen einholen könnte. Die kommende Phase der Schrumpfung, Entleerung und Überalterung, die partiell auch über einige Regionen des Westens kommt, ist etwas Neues, ein historisches Zwielicht, in dem sich das ,Nicht Mehr’ mit dem ,Noch Nicht’ mischt. Hierfür scheinen die zusammenbruchserfahrenen Ostdeutschen ganz gut disponiert zu sein. Die Ostdeutschen sind somit gewissermaßen mit einer Situation konfrontiert, die zur Zeit ihrer Eltern und Großeltern, während der Ulbricht-Periode, in die Formel gekleidet wurde: „Überholen ohne Einzuholen“.


1. Edgar Wolfrum: Geschichtspolitik in der Bundesrepublik Deutschland. Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948-1990. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 1999, S. 78.

2. Wolfrum 1999 (Anm. 1), S. 385.

3. Monika Gibas: „Bonner Ultras“, „Kriegstreiber“ und „Schlotbarone“. Die Bundesrepublik als Feindbild der DDR in den fünfziger Jahren. In: Silke Satjukow und Rainer Gries (Hrsg.): Unsere Feinde. Konstruktion des Anderen im Sozialismus. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, S. 75-106.

4. Dirk Schindelbeck und Volker Ilgen: „Haste was, biste was!. Werbung für die Soziale Marktwirtschaft, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 147.

5. Das Foto aus dem Archiv von Karl-Detlef Mai wurde veröffentlicht in: Monika Gibas: Propaganda in der DDR. Erfurt: Landeszentrale für politische Bildung 2000, S. 16.

6. Rainer Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands. Zur gesellschaftlichen Entwicklung mit einer Zwischenbilanz zur Vereinigung. 2., neubearbeitete Auflage. Opladen: Westdeutscher Verlag 1996, S. 240f.

7. Wolfgang Engler: Die Ostdeutschen. Kunde von einem verlorenen Land. Berlin 1999: Aufbau-Verlag, S. 200.

8. Engler 1999 (Anm. 7 ), S. 300f.

9. Irene Böhme: Jugendbande oder der missbrauchte Idealismus. In: In Sachen Erich Honecker. Kursbuch 111. Berlin: Rowohlt 1993, S. 13-23, hier S 18f.

10. Vgl. im Folgenden: Wolf Wagner: Kulturschock Deutschland. Der zweite Blick. Hamburg: Rotbuch 1999, S. 127-146.

11. Werner Schmidt, Klaus Schönberger: „Jeder hat jetzt mit sich selbst zu tun“. Arbeit, Freizeit und politische Orientierungen in Ostdeutschland. Konstanz: UVK 1999, S. 62f.

12. Schmidt/Schönberger 1999 (Anm. 11 ), S. 59.

13. Werner Schmidt: Betriebliche Sozialordnung und ostdeutsches Arbeitsnehmerbewusstsein im Prozess der Transformation. München, Mehring: Hampp 1996, S. 79, siehe auch 301ff.

14. Gunnar Winkler (Hrsg.): Sozialreport 2004. Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern. Berlin: Trafo-Verlag, 2004, 69, 72.

15. Michael Hofmann: Schwierige Suche nach gesicherten Verhältnissen. Von einer erwerbstätigen sozialen Mitte kann kaum gesprochen werden. Was die Region prägt, ist eine neue Armut. In: Das Parlament 38/2009 (14.09.) S. 6.

16. Friedrich-Ebert-Stiftung & TNS Infratest Sozialforschung: Gesellschaft im Reformprozess. 2006. http://www.fes.de/inhalt/Dokumente/061017_Gesellschaft_im_Reformprozess_komplett.pdf S. 2, 83ff.

17. Evelyn Grünheid: Überblick über die demographische Entwicklung in West- und Ostdeutschland von 1990-2004. In: Insa Cassens, Marc Luy, Rembrandt Scholz (Hrsg.): Die Bevölkerung in Ost- und Westdeutschland. Demographische und gesellschaftliche Entwicklungen seit der Wende. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, S. 12-47, hier S. 24f.

18. Jürgen Dorbritz; Kerstin Ruckdeschel: Die langsame Annäherung - Demografisch relevante Einstellungsunterschiede und der Wandel in den Lebensformen in West- und Ostdeutschland. In: Cassens/Luy/Scholz (Anm. 17 ), S. 261-294, hier S. 279.

19. Dorbritz/Ruckdeschel (Anm. 18 ), S. 287.

20. Grünheid 2009 (Anm. 17 ) S. 24f.

21. Thomas Bulmahn: Das vereinte Deutschland - Eine lebenswerte Gesellschaft? In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 52 (2000) H. 3, S. 405-427.

22. Gunnar Hinck: Ostdeutsche Marginalisierung. In: Deutschland Archiv 40 (2007) H. 5, S. 808-814, hier S. 811.

23. Jörg Machatzke: Die Potsdamer Elitestudie – Postionsauswahl und Ausschöpfung. In: Wilhelm Bürklin und Hilke Rebenstorf (Hrsg.) Eliten in Deutschland. Rekrutierung und Integration. Opladen 1997. S. 35-69.

24. Winkler 2004 (Anm. 14 ) S. 72.

25. Siegfried Jäger: Kritische Diskursanalyse. Eine Einführung. 2., überarb. und erw. Aufl. Duisburg 1999, S. 143.

26. Vgl. Thomas Ahbe: Ost-Diskurse. Das Bild von den Ostdeutschen in den Diskursen von vier überregional erscheinenden Presseorganen 1989/1990 und 1995. In: Kersten Sven Roth und Markus Wienen (Hrsg.): Diskursmauern. Aktuelle Aspekte der sprachlichen Verhältnisse zwischen Ost und West. Bremen 2008, S. 21-53; sowie: Thomas Ahbe, Rainer Gries und Wolfgang Schmale (Hrsg.): Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990. Leipzig 2009.

27. Vgl. hierzu eine Studie des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Redaktion Umschau aus dem Jahr 2004, zitiert bei: Peer Pasternak: Wissenschaftsumbau. Der Austausch der Deutungseliten. In: Hannes Bahrmann und Christoph Links (Hrsg.): Am Ziel vorbei. Die deutsche Einheit – Eine Zwischenbilanz. Berlin 2005. S. 221-236, hier S. 224-225.

28. Die Anzeige wurde abgebildet in: Thomas Ahbe: Deutschland – vereintes, geteiltes Land. Zum Wandel sozialer Strukturen und Meta-Erzählungen. In: Niels Beckenbach (Hrsg.): Fremde Brüder. Berlin 2008, S. 55-97, S. 76.

29. Vgl. hierzu Julia Belke: Das Bild der Ostdeutschen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Eine Diskursanalyse des ARD-Politmagazins KONTRASTE in der Zeit von 1987 bis 2005. In Ahbe/Gries/Schmale 2009 (Anm. 26 ), S. 135-180 sowie Juliette Wedl: Ein Ossi ist ein Ossi ist ein Ossi … Regeln der medialen Berichterstattung über „Ossis“ und „Wessis“ in der Wochenzeitung Die Zeit seit Mitte der 1990er Jahre. In: ebenda, S. 113-134.

30. Bettina Radeiski und Gerd Antos: ,Markierter Osten’. Zur medialen Inszenierung der Vogelgrippe auf Rügen und am Bodensee. In: Roth/Wienen (Anm. 26 ), S. 55-67.

31. Kersten Sven Roth: Der Westen als ,Normal Null’. Zur Diskurssemantik von ,ostdeutsch’ und ,westdeutsch’. In: Roth/Wienen (Anm. 26 ), S. 69-89.

32. Sabine Hark: Feministische Theorie – Diskurs – Dekonkstruktion. Produktive Verknüpfungen. In: Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider und Willy Viehöver (Hrsg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse. (Bd. 1) Opladen 2001, S. 353-371, hier S. 362.

33. Thomas Ahbe : Du problème de « l’unité intérieure » dans l’Allemagne unifiée. In : Hans Stark et Michèle Weinachter (dir.): L’Allemagne unifiée 20 ans après la chute du Mur. Lille 2009, S. 71-89, siehe auch ders.: Deutschland – vereintes, geteiltes Land. (Anm. 28 ).

34. In diesem Zusammenhang stellt das Bonner Institut Media Tenor mit unübersehbarer Erleichterung fest: „Die Gedenkveranstaltungen und Rückblicke auf den Mauerfall und die Geschichte der DDR rückten negative Aspekte wieder in den Vordergrund des DDR-Bildes. In den vorangegangenen Jahren waren dagegen Stasi und Grenzregime seltener ein Thema für die tonangebenden Fernsehnachrichten.“ Die Historisierung des Gegenstandes DDR scheinen die Bonner Medienforscher – folgt man ihrer Presseerklärung –direkt mit der „Verklärung“ des Gegenstandes gleichzusetzen. So heißt es: „Je seltener die Berichterstattung die vielen Schattenseiten der DDR erwähnt, desto stärker bricht der nostalgische Rückblick der gut vernetzten Ex-Funktionäre und Erinnerungs-Propagandisten von Gysi bis Thierse durch.“ Media Tenor, 29.09.2009: Gedenktage dämpfen die Ostalgie, http://www.mediatenor.de/newsletters.php?id_news=668 (01.01.2010, 16:59)

35. Martin Sabrow: Die DDR erinnern. In: Sabrow, Martin (Hrsg.): Erinnerungsorte der DDR. München: C.H.Beck, 2009. S. 11-27, hier S. 18ff.

36. Jürgen Hofmann: Identifikation und Distanz. In: Heiner Timmermann (Hrsg.): Deutsche Fragen von der Teilung bis zur Einheit. Berlin: Duncker & Humblot, 200, S. 431-449, hier S. 435.

37. Datenbasis: Elisabeth Noelle-Neumann, Renate Köcher (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie. 1993-1997 (Bd. 10). München: K.G. Saur, 1997, S. 584.

38. SUPER Illu 13/2009 (19.03.) S. 23.

39. Thomas Ahbe: Die Ost-Diskurse als Strukturen der Nobilitierung und Marginalisierung von Wissen. Eine Diskursanalyse zur Konstruktion der Ostdeutschen in den westdeutschen Medien-Diskursen 1989/90 und 1995. In: Thomas Ahbe, Rainer Gries, Wolfgang Schmale (Hrsg.): Die Ostdeutschen in den Medien. Das Bild von den Anderen nach 1990. Leipzig: Leipziger Universitätsverlag, 2009. S. 59-112.

40. Jenaer Zentrum für empirische Sozial- & Kulturforschung: Zur sozialen Lage der Opfer des SED-Regimes in Thüringern. Forschungsbericht im Auftrag des Thüringer Ministeriums für Soziales, Familie und Gesundheit. Erfurt 2008 S. 52.

41. Gunnar Winkler (Hrsg.): Sozialreport 2002. Daten und Fakten zur sozialen Lage in den neuen Bundesländern. Berlin: Trafo-Verlag 2002, S. 54.

42. Klaus Schroeder: Die veränderte Republik. Deutschland nach der Wiedervereinigung. Stamsried: Vögel-Verlag 2006, S. 725.

43. Thomas Gensicke: Die neuen Bundesbürger. Eine Transformation ohne Integration. Opladen: Westdeutscher Verlag, 1998, S. 186.

44. Schroeder 2006 (Anm. 42 ), S. 324.

45. Forsa-Umfrage In: Berliner Zeitung, 02.01.2009, Online.

46. Michael Vester u.a.: Soziale Milieus im gesellschaftlichen Strukturwandel. Zwischen Integration und Ausgrenzung. Frankfurt/M: Suhrkamp 2001, S. 533.

47. Siehe oben sowie Anm. 16 .

48. Forsa-Umfrage In: Berliner Zeitung, 02.01.2009, Online.

49. Stolz aufs eigene Leben. SPIEGEL-Umfrage – Viele Ostdeutsche trauern der alten Zeit nach. In: DER SPIEGEL, H. 27/1995 (3. Juli), S. 40-42, hier S. 49.

50. Elisabeth Noelle-Neumann, Renate Köcher (Hrsg.): Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie. 1998-2002 (Bd. 11). München: K.G. Saur, 2002, S. 521.

51. GMF-Survey 2008. Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld: Presseinformation GMF-Survey 2008, S. 17. ( www.uni-bielefeld.de/ikg/download/Pressemappe2008.doc).

52. Michael Hofmann: Schwierige Suche nach gesicherten Verhältnissen. Von einer erwerbstätigen sozialen Mitte kann kaum gesprochen werden. Was die Region prägt, ist eine neue Armut. In: Das Parlament 38/2009 (14.09.) S. 6.

53. Winkler 2004 (Anm. 24 ) S. 69, 72.

54. Steffen Maretzke: Die Bevölkerungsentwicklung in den Regionen Deutschlands. Ein Spiegelbild der vielfältigen ökonomischen Disparitäten. In: Cassens/Luy/Scholz (Anm. 17 ), S. 223-260, hier S. 240-247.

55. Dorbritz/Ruckdeschel (Anm. 18 ), S. 287.

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