Zum politischen Alltag der Kunst

Thursday, 20 November 2008, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
Mit einer erfrischend frechen Unbekümmertheit behauptet der französische Philosoph Jacques Rancière seit einigen Jahren ein intimes Verhältnis zwischen der Politik und einer als autonom verstandenen Kunst. Dabei ist er weder blind für propagandistischen Vereinnahmungen der Kunst in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch naiv in Bezug auf die rezente Entwicklung des Kunstmarkts sowie gegenwärtige Tendenzen zur Instrumentalisierung von Kunst für soziale Projekte, welche die (Sozial-)Politik nicht mehr finanzieren will. Das Politische an der Kunst, sagt Ranciere, liegt darin, dass sie die Bedingungen der alltäglichen Wahrnehmung thematisiert, neue Einteilungen des Sinnlichen vorschlägt und damit die Grenzen des Wahrnehmbaren verschiebt. Nach einer Würdigung von Rancières mutigem fresh start in Bezug auf die festgefahrene Diskussion um das Verhältnis zwischen Kunst, Politik und Gesellschaft, wird der Vortrag am Beispiel einiger von Rancière nicht thematisierter Aspekte von Kunstwerken aufzeigen, wo und wie man seine so ästhetische wie politische Theorie weiter entwickeln sollte.

Ruth M. Sonderegger ist Professorin für Philosophie an der Universität Amsterdam.

In Zusammenarbeit mit dem Renner Institut