Wiederkehr der Dinge

Thursday, 30 June 2011, 2:00pm - 7:30pm, IWM library

The Return of Objects.
The Concept of Fetish Revisited

Öffentliche Tagung, um Anmeldung wird gebeten

[ Exposé Deutsch | Outline English ]

Tagungsprogramm und Ablaufplan

Donnerstag, 30.6.2011
14h-14.30 Begrüßung und Eröffnung durch Christine Blättler & Falko Schmieder
Sektion 1: In Gegenwart des Fetisches
14.30-15.15 Astrid Deuber-Mankowsky (Bochum):
Fetisch überall – Rationalitätskritik und das Nichtbegreifen des Irrationalen in Pasolinis Film Medea
15.15-15.45 Kaffeepause
15.45-16.30 Michael Cuntz (Weimar):
Die Konzepte von faitiche und attachement
16.30-17.15 Stephan Grigat (Wien):
Fundamentale Wertkritik vs. Ideologiekritik.
Was folgt aus dem Marxschen Fetisch-Begriff?
17.15-18h Kaffeepause
18h-19.30 Abendvortrag:
Hans-Peter Krüger (Potsdam):
Dinge in Umwelten und Welten.
Überlegungen aus der Philosophischen Anthropologie
Freitag, 1.7.2011
Sektion 2: Zur Geschichte des Fetisches
9.30-10.15 Stefan Eisenhofer (München):
Manifestationen der Wildheit oder Meisterwerke der Weltkunst“? –
„Fetische“ aus Afrika in der ethnologischen Diskussion
10.15-11h Detlev Schöttker (Dresden):
Zwei “Physiognomiker der Dingwelt”
Philatelie als Bildwissenschaft und Phantasmagorie bei Benjamin und Warburg
11h-11.30 Kaffeepause
11.30-12.15 Falko Schmieder (Berlin):
Zur politischen Epistemologie des Fetischbegriffs zwischen Religionskritik und Gesellschaftstheorie
12.15-13h Gerhard Scheit (Wien):
Über den Fetischcharakter in der Theorie und die Regression der Kritik.
Zu Adornos Ausweichmanöver gegenüber dem Materialismus
Mittagspause
14.30-15.15 Penelope Deutscher (Evanston):
Oscillation, Obscurity, Assimilation:
Sarah Kofman and Jacques Derrida on Fetishism
15.15.-16h Adi Efal (Tel Aviv/Köln):
Towards a Restoration of the Poietic Domain
16h-16.30 Kaffeepause
Sektion 3: Zur Zukunft: Potenziale des Fetisches
16.30-17.15 Christine Blättler (Wien):
Fetisch, Phantasmagorie und Simulakrum
17.15-18h Christine Weder (Basel):
Die Macht des Wortes:
Historisierung und / oder Aktualisierung des Fetischbegriffs?
18h-19h Pause/Kaffeepause
19h-20.30 Abendvortrag:
Monique David-Ménard (Paris):
Diskurs und Dinge bei Foucault und Lacan.
Die Archäologie des Wissens und Die Kehrseite der Psychoanalyse
anschließend Wine & Cheese

Mit Unterstützung des FWF

Wiederkehr der Dinge.
Zur Aktualität des Fetischbegriffs

Exposé

Dinge besitzen eine Ausstrahlung, sie können bezaubern und erschrecken, faszinieren und bannen, und scheinen manchmal die, die sie hergestellt haben, zu überwältigen. Diese Erfahrung machen Menschen nicht nur mit ‚auratischen’ oder ‚authentischen’ Kunstwerken – auch in Zeiten technischer Reproduzierbarkeit und serieller Massenproduktion, und sogar im digitalen Zeitalter ist die Rede vom Eigenleben, von der Eigenmacht oder der Eigendynamik der Dinge. Nachdem ideologiekritische und sozialkonstruktivistische Zugänge versuchten, den Dingen den Schein ihrer Selbstständigkeit zu nehmen, kehrt das Thema nun mit Macht in die Diskurse zurück.

Der Begriff des Fetischs wird in den aktuellen Geistes- und Kulturwissenschaften als Schlüsselbegriff herangezogen, um das Verhältnis zwischen Menschen und Dingen zu diskutieren. Zu erwähnen sind hier besonders zwei Ansätze. Affirmativ, um ästhetisch soziale Bindekräfte zu mobilisieren, arbeitet mit dem Fetisch eine „andere Theorie der Moderne“, wie sie Hartmut Böhme mit Fetischismus und Kultur vorgelegt hat. Bruno Latour wiederum distanziert sich explizit vom Fetisch und votiert für faitiches und die Handlungsmacht der Dinge, um deren Objektivität gerade in der Wissenschaft zu retten.

Die genannten Ansätze aus Kulturtheorie/Ästhetik und Wissenschaftsforschung stellen das Projekt der Moderne anhand unserer Beziehung zu den Dingen mehrfach zur Debatte: sie fragen nach dem Ort des Numinosen und Wunderbaren in einer säkularisierten Welt; sie demontieren traditionelle Konzepte verfügender Subjektivität und technischer Instrumentalität in Bezug auf die Dinge; sie thematisieren das Verhältnis von Souveränität und Kontrollverlust; sie stellen die Frage danach, was der Mensch ist und was ihn von nicht-menschlichen Wesen unterscheidet; und sie verhandeln letztlich das Verhältnis von Konstruktion und Realität, Glauben und Wissen.

Die internationale und interdisziplinäre Tagung Wiederkehr der Dinge nimmt dieses allgemeine Interesse zum Ausgangspunkt, um den Zusammenhang von Fetischismus und Moderne in verschiedenen Zugängen systematisch zu erschließen. Zum Einstieg soll das breite Spektrum gegenwärtiger Fetischismusdiskurse untersucht und die einzelnen Konzepte zueinander in Beziehung gesetzt werden.
Ein zweiter Teil nimmt historische Konstellationen in den Blick: markante Umbrüche in der Übertragungsgeschichte des Fetischbegriffs sollen im Sinne einer Neuaneignung diskutiert werden. Damit werden nicht nur disziplinäre Übertragungen (Religionskritik, Ökonomie, Ethnologie, Psychoanalyse, Ästhetik, Ideologiekritik, Sub- und Popkultur), vielmehr ebenso historische Differenzen berücksichtigt, wie sie z.B. der ökonomische Fetisch der bürgerlichen Gesellschaft gegenüber dem archaischen Kultgegenstand markiert.
Schließlich zielt die Tagung darauf, den Fetisch als eine epistemische Figur zu fassen: im Spannungsfeld von subjektiver Affinität und objektiver Wirkungsmacht, Sache und Bewusstsein der Sache, Subjekt und Objekt, Eigenem und Fremdem fragt sie danach, wie Beziehungen zwischen Menschen und Dingen verkörpert werden und welche Erschließungskraft dem Fetischismuskonzept in der Gegenwart zukommen könnte.

The Return of Objects.
The Concept of Fetish Revisited

Outline

Objects have a certain vibrancy, they have the power to enchant and scare, or to intrigue and banish. Sometimes they even seem to overwhelm those who produced them. These sensations may be caused not only by ‘auratic’ or ‘authentic’ artefacts. In the age of technical reproducibility and serial mass production, and even in the digital age, objects are still supposed to have a life of their own, along with their own power and vitality. This appearance of autonomy was meant to be removed by interpretive approaches in the tradition of the critique of ideology and social constructivism. Now the topic forcefully returns to scholarly discourse.

Capturing the relationship between humans and objects, the fetish currently serves as a key term in the humanities and cultural sciences. Two approaches in particular should be mentioned here: on the one hand, a ‘different theory of modernity’, as advanced by Hartmut Böhme in Fetishism and Culture, affirmatively employs the fetish as a means of mobilising forces of social cohesion. On the other hand, Bruno Latour explicitly rejects the notion of the fetish and instead focuses on faitiches and the practical power of objects, thus trying to save objectivity in science.

The aforementioned approaches from the fields of cultural theory/aesthetics and science studies serve to spark debate on the project of modernity as far as our relationship with objects is concerned: they address the rôle of the numinous and marvellous in a secularised world; they dismantle traditional concepts of autonomous subjectivity and technical instrumentality as regards the use of objects; they deal with the relationship between sovereignty and the loss of control; they raise questions as to the nature of humans and the ways they differ from non-humans; and, ultimately, they negotiate the relationship between construction and reality as well as between belief and knowledge.

Taking these general questions as a starting point, the international and interdisciplinary conference The Return of Objects strives to explore systematically the interrelation between fetishism and modernity from various angles. First of all, it analyses the spectrum of current debates on fetishism.
The second section focuses on historical constellations, discussing major turning points in the transmission of the notion of the fetish. Apart from studying the transmission within certain disciplines (critique of religion, economics, ethnology, psychoanalysis, aesthetics, critique of ideology, sub- and pop culture), this involves investigating historical differences, such as those between the economic fetish of bourgeois society and archaic cult objects.
Finally, the conference raises questions about the embodiment of the relationship between humans and objects and about the heuristic potential of the concept of fetishism in today’s world.

  Upcoming Events

April 18th / 6:00pm
—-
Krzysztof Pomian
On Time
April 29th / 4:30pm
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Chris Stroop
The Russian Origins of the So-called Post-Secular Moment
May 14th / 6:00pm
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Aleksander Smolar
Integration and Desintegration of the European Union
May 23rd / 4:30pm
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Herwig Czech
Health, Illness and Death.
Vienna 1944-1948
June 6th / 6:00pm
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Walter Schweidler
Offenbarung als Erkenntnisform

Further Events 2013

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