Sorge

Tuesday, 17 April 2012, 6:00pm - 8:00pm, IWM library
Mit der kapitalistischen Industriegesellschaft entstand eine Trennung zwischenArbeit und Leben. In der Folge wurden die Aufgaben der Lebensführung, namentlich der Für- und Vorsorge für Kinder und Jugendliche, die Pflege der Kranken, Behinderten und Alten als “unproduktiv” aus dem Wirtschaftssystem ausgegliedert und in die Privatsphäre, das heißt an die Familien überwiesen. Konkret wurde das meiste davon zur unbezahlten Arbeit von Haus-Frauen. Auf diese Weise wurden die Kosten für das Leben der Menschen, für das Entstehen und Vergehen sowie für die Fährnisse des Lebenslaufs externalisiert. Damit waren große, sich überschneidende Probleme von Ungleichheit zwischen Geschlechtern und Klassen verbunden: der Ausschluss von Frauen vom gesellschaftlichen Prozess, die Pauperisierung des Proletariats im 19. Jahrhundert. Um diese Probleme zu lösen, wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts das wohlfahrtsstaatliche Modell entwickelt, das die Aufgaben der Lebenssorge zumindest teilweise in öffentliche Regie nahm. Diese von Anfang an in allen Hinsichten behelfsmäßige Lösung ist in den letzten Jahrzehnten aus verschiedenen Gründen unter Druck geraten (Stichwort: Krise des Sozialstaats unter dem Eindruck von neoliberaler Globalisierung). Gleichzeitig entwickeln sich Ansätze zur privatwirtschaftlichen Organisation dieser Aufgaben. Das bedeutet eine Umstellung von bislang als Belastung aufgefassten Lebensführungskosten auf Profitorientierung.

Welche Chancen und Risiken bringen diese Entwicklungen mit sich? Lässt sich der gesamte Lebensprozess von Menschen dem cash-nexus unterstellen? Welche Folgen hat das für das Leben der Individuen und das gute Leben der Gesellschaft als ganzer? Welchen Einfluss hat diese Entwicklung für die Ungleichheitsproblematik? Welche Alternativen gibt es?

Diesen Fragen war in den letzten Monaten eine Reihe von fünf Vorträgen gewidmet, die das IWM in Kooperation mit der Grünen Bildungswerkstatt Wien veranstaltet hat. Am 17. April 2012 wird in einem Gespräch der Versuch unternommen werden, ein Resumé zu ziehen und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln.

Es diskutieren:

Elisabeth Conradi
Professorin für Gesellschaftstheorie und Philosophie, Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart
Beate Littig
Leiterin des Fachbereichs Soziologie, Institut für Höhere Studien, Wien
Cornelia Klinger
apl. Professorin für Philosophie, Universität Tübingen und Permanent Fellow, IWM
Birgit Schatz
Grüne Arbeitnehmer- und KonsumentInnenschutzsprecherin im Nationalrat
Moderation:
Andreas Novy
Obmann der Grünen Bildungswerkstatt, Wien

In Zusammenarbeit mit der Grünen Bildungswerkstatt