Putins Sirenen

Monday, 18 May 2015, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
Was macht es für den Westen so schwierig, die aktuelle Krise um die Ukraine zu verstehen – trotz geographischer Nähe, umfassender Berichterstattung und kompetenter Analysen?
Und warum erweisen sich große Teile der westlichen Gesellschaften so empfänglich für die – ganz offensichtlich auch gegen den Westen gerichtete – Propaganda aus dem Kreml? Warum spaltet diese Krise die Öffentlichkeit quer zu ideologischen und weltanschaulichen Präferenzen?

Die ungewöhnliche Emotionalität der Debatte lässt vermuten, dass sich dahinter tiefere psychologische Faktoren verbergen. Der Vortrag versucht zu zeigen, dass die russische Propaganda auf virtuose Weise gleichzeitig zwei konträre Affekte anspricht und aktiviert: die auf das Erhalten des status quo bedachte Angst-Abwehr ebenso wie das gegen den status gerichtete Ressentiment.

 

Jurko PVF_Prochaskorochasko ist ein ukrainischer Schriftsteller, Übersetzer und Psychoanalytiker. Er ist am Iwan Franko Institut der Akademie der Wissenschaften und am Institute for Psychoanalysis der Iwan Franko Universtität in Lviv tätig. Derzeit ist er als Visiting Fellow zu Gast am IWM. Seine zahlreichen Essays gelten insbesondere den Themenkreisen Mitteleuropa, Galizien und Lemberg. Seine letzte Buchpublikation auf Deutsch ist Galizien-Bukowina-Express, eine Geschichte der Eisenbahn am Rande Europas (zusammen mit Magdalena Blaszczuk und Taras Prochasko, Wien 2007). Für seine Übertragungen deutschsprachiger Literatur, u.a. Joseph Roth und Robert Musil, wurde Jurko Prochasko mit dem Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland ausgezeichnet.