“Eine dauernd arbeitende Selbstreinigungsapparatur”

Thursday, 3 December 2009, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
Noch immer regen sich erhebliche Widerstände, wenn Versuche unternommen werden, den Nationalsozialismus als genuin modernes Phänomen zu verstehen. Vor diesem Hintergrund spürt der Vortrag dem ästhetischen Fundament der “Bewegung”, der spezifischen Organisationsform des nationalsozialistischen Politischen, nach. Leitthese dabei ist, dass sich diese “Bewegung” – mit Nietzsche zu sprechen – allein “als aesthetisches Phänomen gerechtfertigt” sehen wollte. Ihrem Selbstverständnis nach fundiert sich die “Bewegung” in einer rückhaltlosen Autonomie des Ästhetischen und erweist sich genau deshalb als Abkömmling der ästhetischen Moderne. Nicht zuletzt birgt dieser post-essentialistische Selbstentwurf einschneidende Konsequenzen für das nationalsozialistische Denken politischer Souveränität: Mit seinem Modell von „Führer“ und “Gefolgschaft” verschreibt sich dieses Denken einer reinen Immanenz des Politischen und ist auch darum eine Ausgeburt der Moderne.

Uwe Hebekus, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Exzellenzcluster “Kulturelle Grundlagen von Integration”, Universität Konstanz

Publikationen:
Ästhetische Ermächtigung. Zum politischen Ort der Literatur im Zeitraum der Klassischen Moderne, München: Wilhelm Fink, 2009
Das Politische. Figurenlehren des sozialen Körpers nach der Romantik, hrsgg. mit Albrecht Koschorke und Ethel Matala de Mazza, München: Wilhelm Fink, 2003

In Kooperation mit dem Renner Institut.