Der Holocaust

Thursday, 8 November 2012, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
In seinem Vortrag wird Peter Longerich zeigen, wie sich seit der Debatte zwischen Browning und Goldhagen Mitte der neunziger das Bild des NS-Täters in der Forschung gewandelt hat. Das in der damaligen Diskussion um die „willing executioners“ und der „ordinary men“ vorherrschende Bemühen, einen möglichst homogenen Tätertyp mit einer eindeutig bestimmbaren Motivation zu konstruieren, ist mittlerweile einer differenzierteren Betrachtungsweise gewichen.
Longerich wird dies deutlich machen, indem er eine Hierarchie der Täter entwickelt und näher auf drei Gruppen eingeht: Auf die Masse der am unteren Ende der Befehlskette stehenden, unmittelbar handelnden „Direkttäter“, zweitens auf die mittleren und höheren Funktionäre, die eigentlichen Akteure, die über eigene Handlungsspielräume verfügten, sowie schließlich auf die relativ kleine Gruppe der NS-Spitzenpolitiker, die die Leitlinien der Politik setzten.

Peter Longerich ist Professor für Modern German History und Direktor des Research Centre for the Holocaust and Twentieth-Century History am Royal Holloway College der Universität London. Longerich ist ein international bekannter Experte der Holocaustforschung, seine Bücher über die Politik der Vernichtung (1998) und ihre Resonanz in der deutschen Bevölkerung, Davon haben wir nichts gewusst! (2006) sind Standardwerke. Seine 2008 erschienene Biographie Heinrich Himmlers erfuhr in wenigen Monaten vier Auflagen. Zuletzt erschien von ihm bei Siedler eine Biographie zu Joseph Goebbels (2010).

In Kooperation mit der Deutschen Botschaft Wien