Burnout

Monday, 23 March 2015, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
Burnout tritt als ein subjektives Leid auf, in dem sich über individuelle Notlagen hinaus gesellschaftliche Probleme insbesondere des modernen Berufslebens dokumentieren. Als ein meist arbeitsbedingtes Erschöpfungssyndrom sind die Ursachen von Burnout in den Belastungsfaktoren eines gesellschaftlichen Wandels zu sehen, der vom Einzelnen hohe berufliche Einsatzbereitschaft, starke Identifikation mit der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbststeuerung bei der Lebensbewältigung erwartet. Ausgehend von der soziologischen Betrachtungsweise von subjektivem als sozialem Leid wird im Vortrag die Wettbewerbsgesellschaft der Gegenwart als eine Sozialordnung analysiert, die Erschöpfungssyndrome dadurch hervorbringt, dass sie die Individuen in eine permanente Sorge um die eigene Leistungsfähigkeit zwingt. Als subjektives Phänomen einer Krise des ökonomischen Wachstumsregimes kann Burnout aber auch als Beginn eines sozialen Wandels verstanden werden. Die öffentliche Debatte um Burnout trägt zur Herausbildung einer neuen Rechtfertigungsordnung des Kapitalismus bei, die unter dem Leitbegriff der „Nachhaltigkeit“ verspricht, schonender auch mit subjektiven Ressourcen umzugehen.

VKs_Sighard_Neckel_Mai_2014_Credit_ NeckelSighard Neckel ist Professor für Soziologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Mitglied des Kollegiums des Instituts für Sozialforschung.

In Kooperation mit dem Institut für Soziologie der Universität Wien.