Ambiguität und Engagement

Thursday, 20 May 2010, 6:00pm - 7:30pm

Seit der Renaissance treten in den bildenden Künsten, einhergehend mit ihrer Autonomisierung, Elemente des Rätselhaften und Uneindeutigen in Erscheinung. Seit dem aus¬gehenden 18. Jahrhundert wird Ambiguität als Grundcharakteristikum des Ästhetischen theoretisiert – in der modernen Kunsttheorie von Kant bis Adorno, von Novalis bis Eco, von Nietzsche bis Rancière gelten Offenheit, Rätselhaftigkeit und Uneindeutigkeit als essentiell für die Kunst. In erstaunlicher Kontinuität bis in die Gegenwart werden eindeutige Parteinahme oder plakative Aussagen als unkünstlerisch verurteilt, während Indifferenz und Ambivalenz als genuin künstlerisch, ja als Qualitätsmerkmal erscheinen. Wie aber verhält sich dieses moderne Paradigma der Ambiguität zu einer anderen Hervorbringung der Moderne – der politisch engagierten Kunst? Setzt Engagement nicht Eindeutigkeit voraus? In welcher Weise sind ambigue Strukturen auch engagierter Kunst inhärent? Welche Funktionen kann Ambiguität einnehmen und in welchen Varianten tritt sie auf – mit diesen Fragen beschäftigt sich der Vortrag.

Verena Krieger, Professorin für Kunstgeschichte, Universität für Angewandte Kunst, Wien

Publikationen
Ambiguität in der Kunst. Typen und Funktionen eines ästhetischen Paradigmas (herausgegeben mit Rachel Mader), Köln/Weimar/Wien: Böhlau, 2010
Was ist ein Künstler? Genie – Heilsbringer – Antikünstler. Eine Ideen- und Kunstgeschichte des Schöpferischen, Köln: Deubner, 2007