Adolf Loos und das koloniale Imaginäre

Tuesday, 27 October 2009, 6:00pm - 7:30pm, IWM library
Der Wiener Architekt Adolf Loos, ein Mitbegründer der modernen Architektur, hatte in seiner baukünstlerischen Praxis keine direkte Verbindung zum Kolonialismus. Und doch hat Loos in seinen zahlreichen Schriften ein Konzept von Moderne proklamiert, das kolonialen Vorstellungswelten und Begrifflichkeiten verpflichtet ist. Der Vortrag beschäftigt sich mit einigen wiederkehrenden Motiven der Loos’schen Texte zu moderner (Alltags-) Kultur und fragt nach der Bedeutung ihrer kolonialrassistischen Bilder für einen nicht-kolonialen Wiener bzw. österreichischen Kontext. Loos wird hier als signifikantes Beispiel für die besondere Gestalt angesehen, die koloniale Weltbilder und koloniale Rhetoriken in den Modernediskursen europäischer Metropolen/Staaten annehmen konnten, die nicht direkt am kolonialen Projekt beteiligt waren. Von besonderem Interesse ist im Fall von Loos die Programmatik einer kulturellen Selbstmissionierung Österreichs, die mit der aus anderen kolonial grundierten Modernisierungsdiskursen bekannten Oppositionsfigur von Zivilisation und Primitivität operiert, diese jedoch auf regionale/nationale Besonderheiten abstimmt, die von der typischen kolonialen Konstellation abweichen.

Christian Kravagna ist Kunsthistoriker, Kritiker und Kurator; Professor für Postcolonial Studies an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

In Zusammenarbeit mit dem Renner Institut